Vinnie St. John – Murdermind oder Eine Polemik

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Immer mal wieder, da gibt es ein Buch, das einen nicht schlafen lässt. Es verfolgt einen, umschlingt einen mit seinen grauenhaften Tentakeln und lässt einen nicht mehr los, bis man es bis zur letzten Seite durchgelesen hat. Im Falle von Murdermind – Serienmörder: Ein gnadenloses Buch über gnadenlose Menschen und ihre Wahnsinnstaten des Autors Vinnie St. John jedoch beruht dies auf der Tatsache, dass der Genuss dieses Buchs in einem den unbändigen Wunsch weckt, es zu verbrennen, in den Müllschlucker zu werfen oder in einem dunklen Verlies vor sich hin schimmeln zu lassen und sich selbst gleich mit, weil man es riskiert hat, es zu kaufen.

Alles fing damit an, dass ich ein Geburtstagsgeschenk für eine Freundin suchte. Zusätzlich zu anderen Geschenken kam mir da ein Buch in den Sinn, weil sie gerne liest, ferner interessiert sie sich unter anderem für Serien- und Massenmörder. Da dies auch auf mich zutrifft, ich jedoch bisher nur Dokumentationen und Web-Artikel zum Thema konsumiert hatte, wusste ich nicht, welches Buch sich (ein wenig) vom Mainstream abhebt. So konsultierte ich einen Bekannten, der sich besser auskannte und er nannte mir dieses Buch – was sich für uns beide noch als folgenschwerer Fehler entpuppen sollte.

Zuerst einmal begutachtete ich das Cover, welches nicht sonderlich kreativ, jedoch ordentlich und recht gut zum Thema passend gestaltet war. Bitter stieß mir hier dann im selben Atemzug jedoch der weiße Schriftzug auf rotem Grund in der rechten unteren Ecke auf, der von einem sog. Besteller in der 3. Auflage sprach. Hier zur Info, das verwendete Cover sieht etwas anders aus und scheint von einer der anderen beiden Auflagen zu stammen – ich habe kein Cover in vernünftiger Ausführung gefunden und mein Exemplar war bereits mit Blutflecken einer Person besudelt, die es verdient hatte, inform einer saftigen Schelle auf das mindestens genauso schlimme Buch zu treffen. Darüber hinaus wäre mir wohl das Objektiv meiner Kamera beim Schießen eines Coverfotos weggeschmolzen …

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So oder so tat ich dies erst einmal als zwar peinlichen, aber verschmerzbaren Flüchtigkeitsfehler ab – schließlich handelt es sich hierbei um ein komplett selbst gestaltetes, mithilfe des MPW-Verlages bzw. Tele-Movie-Shop (TMS) vertriebenes, in Tschechien gedrucktes Erstlingswerk. Insofern kann man Vinnie zwar einiges nachsehen, aber irgendwann ist das verdammte Maß voll! Der eben genannte TMS hat sich übrigens auf den ersten Blick überwiegend auf den Verkauf von Horrorartikeln in Under-Under-Underground-Kreisen, sprich Ramsch, spezialisiert. Aber dies steht auf einem anderen Blatt, weiter mit dem Buch.

Liest man die ersten Seiten, fallen einem nun immer mal wieder verschiedene Fehler auf. Dem geneigten Leser dürfte sich dann schon langsam erschließen, dass er sich beim Fortschreiten durch diese Pforten des Dünnpfiffs auf eine Reise begibt, die er so schnell nicht wird vergessen können. Und so zieht sich dann nämlich das deutliche Sprachdefizit des Amateur-Autors wie ein abgenagter, in beschissener Kloake schleifender Rattenschwanz durch die kompletten 240 Seiten. Man ertappt sich immer mal wieder dabei, auch wenn man kein sog. Grammar-Nazi ist, wie man sich beinahe freut, wenn St. John ein Satz gelungen ist, von Rechtschreibung und Grammatik, bis hin zu Zeichensetzung und Rhetorik. Beispiele erspare ich mir hier nun, weil ich dafür noch einmal in dieses Höllenwerk blicken müsste, doch es sei gesagt, es ist so ziemlich alles dabei, was der deutschen Sprache gehörig an den Karren pisst. Ein Lektor dürfte hier nicht zum Einsatz gekommen sein und falls doch, war selbiger wohl so dermaßen strunzbesoffen, dass er nach einer Handvoll Seiten schnarchend und sabbern über dem Buch zusammengesackt ist.

Was nun erschwerend hinzukommt, ist, dass einem Murdermind keine andere Möglichkeit lässt, als sich wenigstens auf eine saubere Ausführung zu konzentrieren, einen in grausame Geiselhaft nimmt. Denn das Design erinnert stark an eine Schülerzeitung – der unteren Jahrgangsstufen …einer verdammten Sonderschule! Inkusive schlecht kopierter Schwarzweiß-Bilder. Jeder Satz steht in einem neuen Absatz, was einen glauben lassen könnte, eine jede Aussage des Autors wäre für sich stehend so dermaßen aussagekräftig und mächtig, als dass es gar nicht anders möglich wäre – weit gefehlt. Die “Recherche” beschränkte sich hier allem Anschein nach auf das artige Studieren der einschlägig bekannten Internet-Enzyklopädie sowie anderen Online-Artikeln, wirklich Neues zu vorgestellten Killern wie Ed Gein, Albert Fish, Charly Manson oder Jeffrey Dahmer erfährt man hier sowieso nicht. Im Gegenteil, alle paar Zeilen wird man auch mit der infantilen Meinung des Schreibers zu den absurdesten Themen zugeschissen, im Subtext schwingt eine heimliche Verehrung und Verharmlosung dieser misanthropischen Gestalten mit – an dieser Wahrnehmung ändert auch das Schlusswort nichts, das dieses Buch “allen Opfern von Serienkillern sowie Officer Doofy und  Detective HairyBalls vom LAPD (Namen von mir geändert)” widmet.

Es sei natürlich jedem selbst überlassen, ob er die Taten der genannten Kerle gutheißt oder verabscheut, eine beinahe schon teeniehaft anmutende Vergötterung mitsamt passendem BRAVO-Starschnitt passt hier aber genauso gut ins Bild wie Stickmotive unschuldiger kleiner Kätzchen.

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Zusätzlich zu den Vorstellungen einiger der garstigsten Buhmänner der jüngeren Geschichte kommen auch noch Film- und Buch-Empfehlungen dazu, die dann letztendlich den Abschluss bilden und sogar teilweise auf einem halbwegs annehmbaren Level präsentiert werden. Dies dürfte aber nicht mehr allzu sehr ins Gewicht fallen, denn wenn man sich erst einmal genüsslich ausgekotzt hat, will man ja schließlich auch keine Zuckerwatte mehr schlabbern.

Summa summarum rate ich jedem Leser dieser Besprechung eindringlich davon ab, sich dieses Buch zu kaufen/leihen/stehlen/herunterzuladen oder es aus irgendeinem Mülleimer, wo es definitiv hingehört, zu klauben. Andernfalls sollten auf jeden Fall starke Narkotika oder hochprozentiger Schnaps im Haus sein. Sollte er/sie dennoch gegen meinen Rat handeln, so wünsche ich ihm/ihr angenehme Diarrhö und eine wohlige, alptraumhaft angehauchte Nachtruhe. Als Geschenk ist dieser Haufen Müll übrigens auch nur gedacht, wenn man jemanden wirklich abgrundtief hasst und ihn leiden sehen möchte – ich habe es zum Glück vorher selbst gelesen und natürlich NICHT verschenkt.

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Geschrieben von Autor | Reviews (Literatur), Specials

5 Kommentare

  1. NO)))RB
    19 Jun 2013, 10:44 pm

    Bitteschön! 😀

  2. Thomas
    22 Jun 2013, 6:25 am

    Ich kenne dieses Werk auch ( is ja schon a bissl älter). Aber sieh es doch positiv, man muss die Schei….. gesehen, in diesem Fall gelesen haben, um die ” guten” Sachen besser wert schätzen zu können. Übrigends Vinnie is ein Pseudonym, mit diesem Werk will wohl selbst der auter offiziell nicht in Verbindung gebracht werden.

  3. Johnny
    24 Jun 2013, 9:34 pm

    ich weiß “die guten Sachen” auch zu schätzen ohne meine Zeit mit belanglosem Müll zu vergeuden! Der Typ heißt Vinnie/Vincent Rauscher, steht im Impressum auf der ersten Seite …

  4. Bittacker
    28 Jun 2013, 5:11 am

    Hinzu kommt die grauenvollen und entsetzlich erbärmlichen Recherchen. Tatabläufe entsprechen nicht den Tatsachen und Vinnie improvisiert reisserisch wie es ihm gerade passt.
    Das Buch ist ein Totalausfall. Traurig das der Typ damit auch noch Geld verdient…..

  5. Johnny
    29 Jun 2013, 5:12 am

    Korrekt, Bittacker, habe ich aber alles bereits im Review erwähnt! Trotzdem gut zu wissen, dass einer mehr diesen Dreck gelesen und für nicht-existenzwürdig erachtet HAHA

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