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Unsere Wertung
9.0
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THE TALL MAN (2012)

tmCold Rock ist eine triste Kleinstadt im Norden der USA. Das ehemalige Minenstädtchen ist heruntergekommen, Zerfall dominiert das Bild. Schlimmer noch, seit Jahren verschwinden immer wieder Kinder aus Cold Rock. Da es keine konkreten Hinweise auf den Täter gibt, sprechen die Einheimischen vom „Tall Man“. Hier lebt auch die verwitwete Krankenschwester Julia, die die dunkle Gestalt eines Nachts auf frischer Tat ertappt und alles tut, um ihr Kind zu retten.

Wenn wir einen Rückblick auf MARTYRS werfen, bei dem Laugier ebenfalls neben der Regiearbeit für das Buch verantwortlich war, fällt auf, dass die Geschichte in Summe schlüssig bleibt, zwischendurch aber gewaltige Wendungen und damit Fragezeichen beim Zuschauer auslöst.
THE TALL MAN ist in dieser Hinsicht ähnlich und auch hier werden die Grenzen zwischen Gut und Böse strapaziert, so dass wir zwischenzeitlich nicht mehr recht wissen, auf wessen Seite wir uns schlagen sollen.

Was THE TALL MAN hingegen nicht ist, ist MARTYRS Teil 2. Der Film ist dunkel und kalt, kommt aber fast völlig ohne physische Härte aus. Natürlich war schon der Vorgänger intelligenter als die blutverschmierte Oberfläche erahnen lässt, dabei aber vor allem ein Horrorfilm. THE TALL MAN sprengt die Ketten des Genres und wird damit auch viele enttäuschte Gesichter zurücklassen.
Wie die französischen Kollegen Bustillo und Maury, die sich nach dem derben INSIDE mit LIVID neu positionierten, lässt es auch Laugier ruhiger angehen.
Mancher Gorehound wird womöglich gar versucht sein, den Film nicht zu Ende zu schauen: ein geruhsamer Aufbau, viel Verwirrung im Mittelteil und eine Handlung, die zwar die finstere Sage um den Tall Man immer wieder aufgreift, ansonsten aber zwischen Thriller und Sozialdrama balanciert.

Davon sollte man sich aber nicht entmutigen lassen. Auch der Autor dieser Zeilen verstand zwischenzeitlich die Welt nicht mehr und die Bewertung schwankte wie ein lebhafter Tag an der Börse zwischen Hochachtung und Mittelmaß, zuletzt beweist Laugier aber auch mit THE TALL MAN, dass mit ihm ernsthaft zu rechnen ist.

Hauptdarstellerin ist Jessica Biel, die offenbar nicht nur weitestgehend ungeschminkt vor die Kamera trat, sondern im Laufe der Handlung allerlei Blessuren einstecken muss, aber -und auch das erinnert an MARTYRS- eine starke Frauenfigur verkörpert. Zugleich tritt Biel auch als Produzentin des Films auf.
Stephen McHattie, der inzwischen in kaum einen kanadischen Film fehlen darf, knüpft nach ein paar schwächeren Auftritten (A LITTLE BIT ZOMBIE) an gelungene Momente der Marke PONTYPOOL an und gibt hier einen um Aufklärung bemühten Polizisten.
Beide Akteure liefern eine glaubhafte Darstellung, was sich aber auch bis in die Nebenrollen fortsetzt.

Star ist aber womöglich die fiktive Stadt Cold Rock, die im nasskalten Bundesstaat Wahington inmitten dichter Wälder angesiedelt ist und keine Lebensfreude entdecken lässt. Verrostete Autos und schiefe Zäune scheinen genauso Überbleibsel aus besseren Tagen wie die einfachen Bewohner.
Man möchte dort nicht länger Verweilen als nötig und würde wohl als zufällig Durchreisender die Tür verriegeln.

Fazit: Schaut euch THE TALL MAN ruhig mit der Erwartung an, etwas Außergewöhnliches zu sehen, aber rechnet nicht mit einem Horrorfilm…und vor allem: fällt euer Urteil nicht vor dem Abspann…und selbst danach mag man sich noch fragen, ob man das Gesehene als Hoffnungslos oder Hoffnungsvoll einordnen will. Eben typisch Pascal Laugier.

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Geschrieben von Mick | Horror Allgemein

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