WSWWS

Wir sind was wir sind (2010)

: Francisco Barreiro, Adrián Aguirre, Miriam Balderas
: Jorge Michel Grau
: 85 min
: ab 18
: 28.10.11 (DVD+BD Verkauf)
: Universum Film GmbH
: Mexiko
Unsere Wertung
5.5
VN:F [1.9.22_1171]
User Score:
3 votes
4.3

Wir sind was wir sind (2010)

Bei mexikanischen Horrorfilmen denkt man vielleicht zunächst an Guillermo Del Toro und dann an wenig anderes. Doch während Del Toros Filme stets auch zur Hälfte auf Spaniens Konto gehen, ist WIR SIND WAS WIR SIND ein lupenreiner Mexikaner…dafür aber kein lupenreiner Horrorfilm.
Das verwundert, da das Thema Kannibalismus ist, ein Bereich, in dem es normalerweise wenige Fragen gibt. Dennoch ist WIR SIND WAS WIR SIND auch Familien- und Sozialdrama, wenn auch ein ungewöhnliches.

Als ein älterer Herr in der Großstadt einfach zusammenbricht und stirbt, geht für alle das Leben ganz normal weiter; alle außer seiner Familie, den drei erwachsenen Kindern und seiner Frau, die auf den Ernährer angewiesen sind und das nicht nur, weil er Geld damit verdiente Uhren auf dem Markt zu reparieren, sondern auch unmittelbar die Nahrung in Form von Menschenfleisch heranschaffte.
Die Familienmitglieder versuchen den Verlust zu kompensieren, jeder auf seine Art, doch das gestaltet sich schwierig.

Der Film schreckt vor Brutalität keineswegs zurück, zelebriert sie aber nicht, sondern passt sie in die Handlung ein. Gewalt-Voyeure werden daher nur unzureichend bedient.
Gleichzeitig muss man sich fragen, wer überhaupt bedient werden sollte. Breite Massen lassen sich mit dieser Mischung kaum ziehen, sondern allenfalls Achtungserfolge verbuchen.
Und beachtlich ist der Einblick in die Welt der Familie, die so anders ist als eine „normale“ Familie, schon.
Während der älteste Sohn Alfredo erst noch in die Rolle des Anführers hineinwachsen muss und entsprechend zurückhaltend ist, geht der jüngere Bruder Julian ungestüm an die Sache heran. Schwester Sabina ist kühl und planvoll vor und auch die Mutter hat eigene Interessen.

Ein Einblick wird auch in ein Mexiko gewährt, dass man lieber nicht kennenlernen möchte.
Als der Vater stirbt, gibt es kein Aufsehen, man räumt ihn diskret zur Seite, bevor eine Reinigungskraft kurz mit dem Mob drüber geht. Dass der Mann einen Hang zur Prostituierten hatte, ist übrigens anders zu verstehen, als man denken könnte, trotzdem kommen einige Damen des Gewerbes vor. Sexuelle Anspielungen gibt es im Film auch an anderen Stellen zu finden, selbst der Akt des Verzehrens eines Menschen wird auf groteske Art erotisiert.

Die Umgebung der Familie wirkt unfreundlich und verwahrlost. Die Farben sind blass und lange ruhige Sequenzen mit wenigen Dialogen werden gelegentlich unterbrochen von atonalen Streicherklängen. Und spätestens durch diese Inszenierung wird die Geduld des Zuschauers erheblich beansprucht, egal in welche Schublade man den Film werfen möchte.
Auf der Haben-Seite kann WIR SIND WAS WIR SIND ein paar unverbrauchte Ideen verbuchen und man wird den Eindruck nicht los, dass es mehr zu entdecken gibt, wenn man den richtigen Zugang findet. Einen simplen Unterhaltungsfilm wird man aber nicht finden.

WIR SIND WAS WIR SIND, ist was er ist: kein alltäglicher Film. Die Herangehensweise ist lobenswert, die Umsetzung gewöhnungsbedürftig.

Wir sind was wir sind (2010), 4.3 out of 10 based on 3 ratings

Ähnliche Beiträge:

Geschrieben von Mick | Reviews (Filme)

5 Kommentare

  1. Thomas
    16 Okt 2011, 6:52 pm

    nach dem reviewfreu ich mich umsomehr auf den film. ist ja zum glück net mehr lang bis die dvd erscheint 🙂

  2. SheDevil
    17 Okt 2011, 12:20 am

    ich hatte das glück eine pressekopie zwischen die gierigen krallen zu bekommen und muss sagen ich war positiv überrascht und begeistert…gute arbeit..daumen hoch

  3. Sylatara
    23 Okt 2011, 10:45 pm

    — nun, ich würde den film schon gern sehen.

    als titel hätte ich allerdings “du bist, was du isst” gewählt! 😉

    lg sylatara

  4. chris
    26 Jan 2012, 10:29 am

    kann man lassen , aber auch nicht der hit

  5. Colemarie
    28 Jan 2012, 2:26 pm

    ein trostloser Film, der sich sehr darauf konzentriert die erzeugte STimmung zu halten, jedoch auf eine gute Art und Weise. Teilweise bedrückend und trostlos wirkend… Bei der Altersfreigabe allerdings, hätte ich ne ganze Menge mehr erwartet. Ich würde den nicht unbedingt empfehlen

Schreibe ein Kommentar