The Woman

The Woman (2011)

: Angela Bettis, Polyanna McIntosh, Sean Brigers
: Lucky McKee
: Lucky McKee, Jack Ketchum
: ca. 108 min
: ab 18
: 23.11.2011
: Capelight Pictures
: USA
Unsere Wertung
8.5
VN:F [1.9.22_1171]
User Score:
21 votes
7.6

The Woman (2011)

Wenn ein Film tumultartige Szenen auf dem Sundance Film Festival auslöst und dieser Film dann auch noch von Jack Ketchum (EVIL, RED) und Lucky McKee (MAY, THE WOODS) stammt, tut man gut daran neugierig zu werden.
Uns hat die Neugier aufs Fantasy Film Fest getrieben, wo – das sei verraten – niemand Amok gelaufen ist.

Allerdings wird vor Ort bereits im Vorfeld die schauspielerische Leistung Pollyanna McIntoshs gelobt, die schon im Vorgänger BEUTEZEIT ein Mitglied eines wilden Kannibalenclans spielte und in diesem noch recht gewöhnlichen Film positiv hervorstach.
Dieselbe Person spielt sie auch in THE WOMAN, wird dort allerdings von Kleinstadtanwalt Chris Cleek eingefangen und in dessen Keller festgehalten. Der Familienvater möchte sie erziehen, sie zivilisieren.
Dass dies nicht einfach ist, erfährt er schnell als ihm die Frau einen Finger abbeißt, doch Chris greift zu drastischen Methoden, um sie gefügig zu machen. Eine Körperwäsche mit dem Hochdruckreiniger gehört dabei noch zu den harmlosen Ideen.
Wer zivilisiert ist und wer nicht, ist kaum zu unterscheiden.

Ja, THE WOMAN enthält Gewalt und Folter, aber wir bekommen es hier nicht mit einem tumben Torture-Filmchen zu tun, denn mindestens ebenso interessant ist das Familienleben der scheinbar biederen Cleeks. Vieles in dieser Familie liegt im Argen, wirkt unausgesprochen und manches wird auch dem Zuschauer gegenüber nur angedeutet.
Chris ist ein Patriarch, wie er im Buche steht und ein Mensch mit dem man nicht gerne in einem Raum ist. Schauspieler Sean Bridgers schafft es in wenigen Minuten seine Rolle unsympathisch wirken zu lassen, ohne dies durch besondere Taten belegen zu müssen und füllt die Figur ebenso mit Leben, wie Angela Bettis die Chris‘ eingeschüchterte Frau Belle spielt. Ihr gefällt nicht, was ihr Mann mit der Frau anstellt, aber sie ist zu schwach sich zu wehren.
Teenagertochter Peggy empfindet ähnlich, doch wie wir im Laufe des Films erfahren, hat sie noch andere Probleme. Die jüngere Tochter ist zu klein um zu begreifen und begegnet der fremden angeketteten Frau freundlich und unvoreingenommen und ist damit das Gegenteil ihres Bruders Brian, ein hinterhältiger Typ, der eigene Pläne mit der Gefangenen hat.
Wirklich jeder der Darsteller spielt überdurchschnittlich und Pollyanna McIntosh schafft es die Wilde, die nur einer eigenen Sprache mächtig ist, glaubwürdig zu verkörpern.

Mit „THE WOMAN“ ist wohl die angekettete Frau im Keller gemeint, aber im Grunde trifft der Titel auf jede weibliche Person im Film zu. Es geht um die Rollen dieser Frauen in ihrem jeweiligen Leben bzw. das Verhältnis zwischen Mann und Frau und es wird ein Ungleichgewicht thematisiert, wie man es von (zudem männlichen) Horrorfreaks wie Ketchum und McKee vielleicht nicht erwarten würde.
Dass Chris ausgerechnet seinen Ringfinger, samt Ehering, verliert, ist jedenfalls kaum als Zufall zu sehen.
Kritiker ließen verlauten, dass es sich mit THE WOMAN um ein frauenverachtendes Werk handeln würde. Ein lächerlicher Vorwurf, denn verachtenswert sind hier höchstens die Männer gezeichnet.

Nach viel psychologischer Gewalt und dem Aufbau einer Atmosphäre, die Unwohlsein entfacht, werden Freunde deutlicher Bilder gegen Ende des Films bedient. Dann opfern die Macher auch bereitwillig eine Portion Logik zugunsten eines ordentlichen Blutbades.
Dass dies kommen wird, ist eigentlich von Anfang an klar und wird auch letztlich herbeigesehnt, trotzdem erwartet uns eine kleine Überraschung.

Während das Setup natürlich an EVIL erinnert, funkeln in THE WOMAN unerwarteterweise immer wieder Spuren von schwarzem Humor durch, der auf den ersten Blick nicht so recht zum harten Stoff passen will, sich aber ebenso in den Film einfügt wie der aus Alternative und College-Rock bestehende Soundtrack.
Wenn z.B. Chris anfangs die im Fluss watende, schmutzige Kannibalin beobachtet und dabei ein Rock-Song läuft, wie man ihn sonst nur in Teenie-Streifen sieht, wenn die High School – Schönheit den Flur entlang stolziert, mag dies verwirren. Beim genaueren Hinhören sind die Tracks aber musikalisch und textlich wohlplatziert.

Allzu oberflächlich sollte man an THE WOMAN nicht herangehen, sonst mag sich Langeweile einstellen; allzu streng sollte man es mit Realitätsnähe aber auch nicht nehmen. Dafür deckt der Film das breite Spektrum dazwischen ab. Gelungener Horror der ungewöhnlichen Art.

The Woman (2011), 7.6 out of 10 based on 21 ratings

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Geschrieben von Mick | Reviews (Filme)

20 Kommentare

  1. SheDevil
    04 Sep 2011, 1:15 pm

    Hmmmmmm…hab mir den film heute angesehen..und bin mir noch unsicher…ich liebe ja die bücher von j.k. bin aber mit den filmen meist auf kriegsfuß..the woman war schon besser als die anderen…aber ich denke das war zuviel stoff für die laufzeit…der film hätte locker 2 stundne länger sein können um die story richtig zu erzählen…was mich auch verwirrt hat war das mädel bei den hunden…wer war das? hab ich das was in der pinkelpause verpasst?…ich fand die junge frau die die ältere tochter gespielt hat super…wirklich sehr sehr gut…

  2. Allison
    21 Okt 2011, 2:33 am

    Der Film war teilweise, bzw. fast gänzlich sehr grausam. Ich bin eig. was Horrorfilme u.Ä. angeht, relativ abgehärtet, aber das war schon heftig. Zu sehen wie der Mann seine FRau vor den Kindern zusammenschlägt, war ein mehr als bedrückender Moment, vor allem mit dem Wissen, dass dies in Amerika in vielen Familien heutzutage noch Gang und Gebe ist. Das Ende fand ich ein wenig..naja. Wäre man später dazu gestoßen, hätte man denken können, oh ein Zombie Splatter. Alles in Allem ganz gelungen, nur das Ende macht das Ganze (wie leider bei so vielen Filmen) wieder sehr unglaubwürdig. Bei einer Scala von 1-10 würde ich 7 Sterne geben. MFG

  3. anna
    21 Okt 2011, 3:06 pm

    bei einer scala von 1-10 geb ich dem film eine MINUS 20 … dieser film ist so lächerlich das es schon wieder nicht zum lachen ist. einfach eine krasse zeit und geld verschwendung

  4. Märy Cherry
    21 Okt 2011, 4:34 pm

    Trailer wirkt ganz passabel, bin schon gespannt 😉

  5. Gordo
    21 Okt 2011, 10:31 pm

    “dass dies in Amerika in vielen Familien heutzutage noch Gang und Gebe ist”
    Und zwar nur in Amerika. In Deutschland wäre das undenkbar.:)

    Und danke für deine wahrlich einzigartige Meinung Anna, wenn du den Film blöd findest, weiß jeder andere, daß er gut ist

  6. anna
    22 Okt 2011, 9:18 pm

    @ gordo: schön das du alle meine kommentare verinnerlicht hast und diese dir in einer bestimmten art und weise weiterhelfen.

  7. Märy Cherry
    30 Okt 2011, 2:42 pm

    Ich fand den Film gut und spannend. Mal was anderes und wenn man dran denkt, dass es sowas wirklich geben könnte, wird einem gleich schlecht. Ist eher Drama/Psycho aber regt eindeutig zum nachdenken an … Ende ist ein bissl komisch aber sonst sehenswert ..

  8. Bananana
    23 Nov 2011, 11:03 pm

    Achtung Spoiler
    Das Mädchen am Ende ist auch eine Tochter. Irgendwann im Film meinte die Mutter zum Vater das er schon ins Gefängnis kommen könnte für das was er im Hundeschuppen treibt. Ziemlich zum Schluss bevor er die Mutter verprügelt sagt er das es doch ihre Schuld sei das sie blind geboren wurde. Der Sohn sagt als er die Lehrerin im Zwinger hat “zeigs ihr Schwester” und die kleinste Schwester erwähnt auch das Wort Schwester, als das Hundemädchen kommt.
    Ich schätze mal der Vater wollte kein blindes Kind und dann wurde es zu den Hunden getan und dort ist sie dann aufgewachsen. Das wird nicht erwähnt, wie so vieles im Film, ich finde das herrlich! Hat der Vater seine Tochter geschwängert? Woher kommt die Frau?
    Ich finde den Film einfach genial, er ist sehr intelligent, tiefgründig und vielschichtig und die Splattereinlage zum Schluss ist so herrlich unlogisch und unpasssend und fügt sich dennoch so hervorragend in den eher ruhigen Thriller.
    Frauenfeindlichkeit? Keine Spur, ich würde das eher als Gesellschaftskritik betrachten.

  9. Danie
    28 Nov 2011, 8:09 pm

    am anfang sehr spannend, man wollte echt wissen was noch alles so kommen wird aber in der mitte dann, wurd einem ganz schlecht.
    Also der film ist so nicht schlecht gemacht, wirklich mal was anderes aber es ist ziemlich schockierend was da so in der familie abgeht.kann man angucken aber nicht unbedingt so mein fall!

  10. blub
    23 Dez 2011, 12:10 am

    Eigentlich ein guter Film, wenn auch an einigen Stellen – besonders zum Ende hin – ein wenig geschmacklos. Besonders hervorheben sollte man wohl die schauspielerische Leistung der Teenage-Tochter. Die hat ihre Rolle wirklich gut gespielt. Ich habe richtig mit ihr mitgefiebert!
    Ich werde mir den Film trotzdem nicht noch einmal anschauen. Man kann ihn zwar definitv der Gesellschaftskritik zuordnen, aber mir ist er einfach zu grausam.

  11. Tyler
    18 Jan 2012, 2:57 am

    @Bananana: Merci für die Erklärung! Wir dachten es sei eine “Artgenossin” der Frau, die schon zuvor vom Vater gefangen wurde. Deshalb auch die seltsam perplexe/wissende Reaktion der Familie als er ihr die neue Frau gezeigt hat. Aber deine Deutung macht da glaube ich mehr Sinn.
    Zum Film selber: stark, unkonventionell. Ich fand das Ende absolut perfekt.

  12. horrorfreundin
    19 Jan 2012, 9:50 am

    also ich muss sagen, das war seit langem (außer insidious) mal wieder ein echt gelungener film!!! eine herausragende schauspielerische leistung der hauptdarstellerin *daumen hoch*! wenn ich so bedenke, was ich in letzter zeit für ein billigen schund des genres gesehen hab, war das eine echte augenkur ;o)
    @bananana : danke für die aufklärung, den zusammenhang hatte ich auch nicht erkannt

  13. horrorfreundin
    19 Jan 2012, 10:15 am

    …….und irgenbdwie hat mich die hauptdarstellerin an milla jovovich erinnert 😀

  14. Colemarie
    18 Feb 2012, 2:22 pm

    Ein Film der sich aus einer interessanten Perspektive zeigt und die dysfunktionale Familie mit dem herrischen Vater sehr schön hervorhebt. Dennoch empfand ich überwiegend die Dialoge etwas “schräg” bzw schlecht formuliert, wodurch es teilweise für mich schlecht gespielt wirkte. Die Hälfte des Films ist auch sehr auf die familiäre Beziehung bezögen, anstatt auf die wilde Frau. Ein wie ich finde kritisch zu betrachtender Film mit Tiefe. 7 Sterne

  15. Freibier
    22 Feb 2012, 3:43 pm

    Die beste Verfilmung von Ketchum Stoff imo. Und schön offen gehalten für einen weiteren Teil. So muss das sein!

  16. die_frau
    12 Aug 2013, 8:31 am

    Wie kommt es eigentlich, dass eine wildlebende, ziemlich verschmutzte Frau ohne Schuhe trotzdem gründlich rasierte Achseln hat…?

  17. Ihateremakes
    12 Aug 2013, 2:10 pm

    Wahrscheinlich will uns weis gemacht werden, dass Frauen keine natürliche Achselbehaarung haben. Buh! Haha, gut aufgepasst. Sowas sollte man als Filmemacher schon beachten.

  18. iScream
    02 Okt 2013, 2:28 pm

    Leute, man darf auch nicht vergessen, dass das hier eine BUCHVERFILMUNG ist!
    Sagt nicht einfach, er wäre geschmacklos und zum Ende hin einfach nur noch brutal, denn genau so ist es im Buch auch.
    Ich finde es grandios und sehr genau umgesetzt, beinahe genau so hatte ich mir das Setting vorgestellt.
    Ich kann verstehen, wenn es dem ein oder anderem Menschen zu widerlich ist- Aber dann macht bitte nicht den Film schlecht, sondern kritisiert das Buch, das an vielen Stellen noch viel brutaler ist 😉

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