The Road

The Road (2009)

: Viggo Mortensen, Kodi Smit-McPhee, Charlize Theron, Guy Pearce
: John Hillcoat
: Joe Penhall
: ca. 100 min
: ab 16
: 18.03.2011 (DVD+BD)
: Universum Film
: USA
Unsere Wertung
9.0
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User Score:
20 votes
9.0

The Road (2009)

Als wir für „The Road“ Infomaterial bei der zuständigen PR-Agentur anforderten, erklärte uns die verantwortliche Dame, dass wir bitte den Film NICHT als Horrorfilm bezeichnen möchten, es handele sich hierbei um ein Drama.
Ich muss jedoch zumindest teilweise widersprechen.
Sicher, The Road ist nicht als Horrorfilm gedacht und wer bei ein paar Bier mit Freunden einen Film sehen will, sollte sich dazu nicht The Road ansehen. Andererseits werden Menschen, die bei dem Wort „Drama“ an „Erin Brockovich“ oder „Brokeback Mountain“ denken, womöglich auch enttäuscht sein.
Zwischenmenschliche Beziehungen spielen durchaus eine wichtige Rolle, aber „The Road“ ist auch ein Film, der Angst macht und dessen düstere und trostlose Atmosphäre in die Knochen kriecht wie ein kalter Wind und daher Horror-Fans ansprechen sollte.

Viggo Mortensen spielt einen Vater der mit seinem Sohn durch ein post-apokalyptisches Amerika wandert, in dem es wenig Hoffnung gibt. Es ist kalt, Nahrung ist knapp und der Großteil der Bevölkerung bereits gestorben. Alles was die beiden besitzen sind die Kleidung am Leib und ein Revolver mit zwei Patronen und jeder dem sie begegnen könnte eine Gefahr darstellen.

Mit Endzeit-Filmen wie „Mad Max“ oder „Waterworld“, deren Bösewichte aussehen wie eine Mischung aus Punk-Konzert und Fashion-Week-Teilnehmern hat The Road nichts gemein.
Wer böse und wer gut ist, lässt sich hier oft nicht einmal auf Anhieb bestimmen, aber alle teilen den Kampf ums nackte Überleben. Alle Menschen sind ausgemergelt und schmutzig und das Szenario wirkt damit erschreckend realistisch.

Auch Viggo Mortensen hat für die Rolle sicher mehr als 15 Kilo abgenommen.
Er wirkt körperlich und seelisch am Ende und demonstriert dies eindrucksvoll indem er seinem etwa 10 Jahre alten Sohn zeigt, wie man sich im Notfall selbst erschießt. Eine hoffnungslose Geste eines Mannes, dessen einziger Anker zum Leben das Schicksal des Kindes ist. Seine Frau (Charlize Theron), die wir in Rückblenden kennenlernen, ist der Angst vor Schlimmerem und der Resignation schon zum Opfer gefallen und hat den Freitod gewählt.
Es wird klar, dass der Vater (die Namen erfährt der Zuschauer nie) keinen Sinn mehr im Leben sieht und nur für seinen Sohn existiert. Er will ihn nach Süden bringen, scheint dies aber nur zu tun um dem Kind eine Hoffnung zu geben, nicht weil er selbst noch auf etwas hofft.

Die Gefahren auf dem Weg sind verschiedenartig. Wetter, Hunger, Plünderer, Menschen die ihre eigene Unterkunft verteidigen, aber auch solche die durch die Not zu Kannibalen wurden.
Verständlicherweise ist der Vater jedem gegenüber misstrauisch und predigt dem Sohn das Gleiche, doch im Laufe der Wanderung beginnt dieser zunehmend die Entscheidungen des Vaters zu hinterfragen und eigene zu treffen und symbolisiert damit auch einen Neuanfang.

Viele Fragen bleiben im Film ungeklärt. So erfahren wir nie, welche Katastrophe für den desolaten Zustand des Landes (oder der Erde) verantwortlich war. Das Wasser ist gelblich, Tiere leben nicht mehr und die Sonne ist nie zu sehen.
Wir können lediglich erahnen dass das auslösende Ereignis bereits vor der Geburt des Kindes stattgefunden hat. Der Sohn hat unsere Welt nie kennengelernt, was eine starke Szene zeigt, die zunächst nach billigem Product Placement aussieht: Als der Vater in einem alten Getränkeautomaten eine Dose Coca-Cola findet, weiß der Sohn nicht wie man diese öffnet und ist über den Geschmack völlig verwundert.

Action sollte man von „The Road“ nicht erwarten, dafür aber Intensität. Egal, ob man die beiden Hauptdarsteller dabei begleitet, wie sie in einer der wenigen positiv besetzten Szenen einen Lebensmittelvorrat finden und ein Stück Normalität zurückgewinnen oder ihnen in ein Haus folgt in dem Kannibalen leben, man fiebert mit ihnen mit.

Der Personenkreis der Darsteller ist überschaubar, aber hochkarätig besetzt. Neben Charlize Theron sind Robert Duvall und Guy Pearce in kleinen Rollen zu sehen, aber natürlich sind es vor allem Mortensen und Kodi Smit-McPhee in der Rolle des Sohnes, deren Schauspiel den Film trägt.
Die gleichnamige Romanvorlage stammt von Cormac McCarthy, der auch „No country for old man“ schrieb, aus dem Jahr 2006.

Horrorfilm oder nicht, The Road ist für mich eines der Highlights des Jahres. Wenige Filme sind trostloser, intensiver, verstörender und dabei so gut gespielt und trotz einer fiktiven Welt derart nachvollziehbar.

The Road (2009), 9.0 out of 10 based on 20 ratings

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Geschrieben von Mick | Reviews (Filme)

8 Kommentare

  1. kefnet
    03 Nov 2010, 9:38 pm

    der film ist wirklich richtig gut. ich war/bin schon ein paar monate vor dem dt. kinostart im besitz der uk-bluray und würde euch empfehlen, holt euch die dvd/blu-ray und schaut den film auf englisch 😉

    9,5/10 pkt.

  2. ich
    07 Nov 2010, 2:00 am

    Brokeback Mountain war doch gut! ^^

  3. despicable
    13 Dez 2010, 10:44 am

    Keine Ahnung, wie den Film jemand gut finden kann. Tödliche Langweile von Anfang bis Ende. Genauso öde, wie The Happening.. Schade; wieder fast 2 Stunden meines Lebens in den Sand gesetzt XD

  4. Tailiya
    14 Jan 2011, 1:20 pm

    Ich habe nur den Trailer gesehen und finde, das der Film wirklich Potential hat. Ich habe mir gleich darauf das Buch bestellt und bin sehr gespannt darauf. 🙂

    Zu meinem Vorredner:
    Wer “XD” am Ende einer Bewertung schreibt,
    denn kann man leider nicht für voll nehmen… 🙄

  5. Cujo
    06 Feb 2011, 1:11 am

    Manche Menschen sollten wohl bei leichter Splatterkost bleiben..

  6. Zeiger
    04 Sep 2011, 8:53 pm

    Hab ihn eben geschaut und fand ihn wirklich verdammt gut! Ich liebe sowieso so gut wie jeden postapokalyptischen Film, aber der hier hat mich wirklich umgehauen. Soviel Atmosphere, das es einen überwältigt. Hab irgendwo eine ziemlich treffende Aussage gelesen:”Der Film hat soviel Atmosphere wie Saw Folterszenen.”. Selten einen Film gesehen, der so viel Trostlosigkeit vermittelt, und das auch noch so gut.

    Also wer nicht unbedingt auf viel Action aus ist, eher auf etwas ruhiges mit Tiefgang, aber auch auf ein paar “gruselige” Szenen, ist hier genau richtig.

    10/10

  7. Zeiger
    05 Sep 2011, 9:50 am

    Ich meine natürlich “Atmosphäre”…^^

  8. Igor
    20 Sep 2011, 9:17 pm

    Im Abspann, während die Credits laufen, kann man noch Stimmen hören. Konnte diese aber nicht zuordnen.

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