The Horseman (2008)

Bei THE HORSEMAN handelt es sich nicht um den beinahe gleichnamigen Film HORSEMEN mit Dennis Quaid von 2009, sondern um einen australischen Rachethriller aus dem Jahr davor.

Der Film begleitet Christian, einen Vater, dessen Tochter vor kurzem ums Leben kam. Als ihm ein Pornovideo zugespielt wird, auf dem die junge Frau zu sehen ist, während sie offensichtlich unter Drogen steht, will er nicht nur alle Kopien des Videos aus dem Verkehr ziehen, sondern auch die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen.
Auf seinem Weg durchs Land nimmt er die junge Anhalterin Alice mit, zu der eine Freundschaft aufbaut.

Passenderweise ist Christian Schädlingsbekämpfer von Beruf, doch wenn er im Film seinen Arbeits-Overall überzieht sind es menschliche Schädlinge, die er zur Strecke bringen will.
Als ihm das Sextape in die Hand fällt, ist er zunächst von seinem Kind enttäuscht, schüttet gar den Inhalt ihrer Urne in den Mülleimer, doch seine Enttäuschung und Trauer wird schnell zu Wut, die er alleine gegen die Männer richtet, die er als die Alleinschuldigen betrachtet.
Übrigens nutzt Regisseur Steven Kastrissios das Tape als Kontrast zu einem typischen Familienvideo, das man ebenfalls zu Beginn von THE HORSEMAN sehen kann und das Christians Tochter als kleines Mädchen zeigt, womit Vergangenheit und Gegenwart bzw. Wunsch und Realität gegenübergestellt werden.

Wie in 7 DAYS kann der Zuschauer Verständnis für das blutige Werk des auf Rache sinnenden Vaters aufbringen. Doch beide Filme hinterfragen auch den Sinn. Während in 7 DAYS die Selbstjustiz als Ganzes in Frage gestellt wird, ist es bei THE HORSEMAN eher die Schuldfrage.
Wer trägt Mitschuld? Die Darsteller des Pornos? Regisseur und Produzent? Händler? Kann Christian seine Tochter wirklich frei von jeder Schuld sprechen?
Wie ist es zu bewerten, dass Christian Alice unbeabsichtigt in alles hineinzieht? Trifft ihn selbst Schuld?

Man kann durchaus behaupten, dass Christian teilweise selbstgefällig zur Tat schreitet. Für ihn ist die Sache klar und er schreckt vor nichts zurück.
Letztlich ist aber genau das realistisch. Kann man erwarten, dass ein Mensch in Christians Situation rational handelt? Beleg für seine verzerrte Sichtweise ist sicher auch der Versuch sämtliche Kopien des Videos zu finden.

In der Form der Gewaltdarstellung ist der Film altmodisch, deswegen aber nicht weniger drastisch.
Auf bemüht originelle Tötungs- und Folterutensilien wird meist verzichtet, dafür kommen Brecheisen, Messer oder einfach Fäuste zum Einsatz. Bei verschiedenen blutigen Kämpfen wird auch Christian immer wieder in Mitleidenschaft gezogen, lässt sich dadurch aber nicht stoppen.
Gegen Ende des Films verkommt leider nicht nur Christians Handeln, sondern die Brutalität als Solches etwas zum Selbstzweck.

Dennoch handelt es sich bei THE HORSEMAN um einen sehenswerten Film, der sich vor anderen Streifen mit dem zentralen Thema Selbstjustiz keineswegs verstecken muss.

[xrr rating=7.5/10]

Facts

Darsteller Peter Marshall, Caroline Marohasy, Brad McMurray
Regie Steven Kastrissios
Drehbuch Steven Kastrissios
Länge ca. 96 min
FSK ab 18
Veröffentlichung bereits veröffentlicht
Verleih/Vertrieb MIG
Sonstiges

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Geschrieben von Mick | Reviews (Filme)

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