Sweet Karma (2009)

Das Thema Menschenhandel wurde in den letzten Jahren in Filmen wie SHUTTLE, 96 HOURS oder AND SOON THE DARKNESS diverse Male angekratzt. SWEET KARMA bemüht sich, einen umfangreicheren Blick auf die Machenschaften der Hintermänner und das Leben der Opfer zu werfen.

Zentrale Figur ist dabei die stumme Russin Karma, die ihre Schwester rächen will. Die reiste vermeintlich als Putzfrau nach Kanada ein, was sich aber als Falle von Menschenhändlern herausstelle, die sie zur Prostitution zwangen, bevor sie spurlos verschwand.
Karma lässt sich selbst anwerben, setzt sich aber schnell ab und macht den Verbrechern das Leben schwer.

SWEET KARMA wirkt zunächst authentisch. Die Optik ist kühl, die Menschen sehen durchschnittlich aus und das Bild wackelt als hätte der Kameramann Schüttelfrost. Durch diese Stilmittel, aber auch durch einen Einblick in das Leben der versklavten Frauen könnte man fast denken, es mit einer Dokumentation zu tun zu haben.
Dieser Irrglaube hält aber nur solange an, bis die Zuhälter den Mund aufmachen und hölzerne Dialoge zum Besten geben, die man in Pornos kaum dämlicher zu hören bekommt.

Ähnlich paradox verhält es sich mit den sexuellen Aspekten. Einerseits enthält SWEET KARMA „Fleischbeschau“ und Vergewaltigungsszenen, wie man sie durchaus in einem Film finden könnte, der ein ernstes Thema aufgreift, andererseits erleben wir z.B. Hauptdarstellerin Shera Bechard beim heißen Strip, der die Schattenseiten des Milieus vergessen lässt. Dass Frau Bechard zuvor nur in einem Film namens WORLD‘S SEXIEST NUDE WOMEN zu sehen war, spricht wohl für sich.

Ob es daran liegt, dass hier gleich 3 Drehbuchautoren zu Werke gingen oder daran, dass der Film das Debut von Regisseur Andrew Thomas Hunt ist, lässt sich kaum sagen, doch es scheint, als wisse SWEET KARMA nicht was er sein will. Milieustudie, realistischer Thriller oder unterhaltsamer Rape & Revengestreifen.

Was an Gewalt gezeigt wird, ist hingegen anständig inszeniert. Zwar möchte man meinen, dass sich die stumme Rächerin das Leben mit einer vernünftigen Schusswaffe leichter machen könnte, aber auch Bleistifte, Bretter und Schnüre erfüllen ihren Zweck. Gestorben wird im Übrigen nicht am laufenden Band, sondern wohldosiert.

Überzeugen kann SWEET KARMA dennoch nicht. Die Inszenierung ist schlaff, zu oft dominiert Langeweile und die wacklige Kamera nervt nach einer Weile ebenso wie der Synthie-Score und die meisten Schauspieler.
Zwar hält das Ende eine nette Überraschung parat, diese kann aber auch nicht mehr viel retten.

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Geschrieben von Mick | Reviews (Filme)

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