Die Morde von Snowtown

Die Morde von Snowtown (2011)

: Daniel Henshall, Lucas Pittaway, Craig Coyne
: Justin Kurzel
: Shaun Grant
: 120 min
: ab 18
: 21.09.2012 (DVD+BD)
: Universum Film GmbH
: Australien
: Fantasy Filmfest 2011 (lief dort als SNOWTOWN)
Unsere Wertung
7.0
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Die Morde von Snowtown (2011)

Als 2003 die Taten von Serienmörderin Aileen Wuornos unter dem Titel MONSTER verfilmt wurden, erregte der Film vor allem wegen Hauptdarstellerin Charlize Theron Aufmerksamkeit. Das ehemalige Modell zeigte Mut zur Hässlichkeit und präsentierte sich als heruntergekommene Prostituierte und Mörderin. Belohnt wurde der Einsatz mit dem Oscar.
SNOWTOWN beschreibt die Taten von John Bunting, einem australischen Serienmörder und kommt mit einer solch trostlosen Atmosphäre daher, dass MONSTER dagegen wie ein Hochglanzmagazin erstrahlt.

Der 16jährige Jamie lebt mit seinen Brüdern und seiner Mutter in Snowtown, einem Vorort von Adelaide. Als die Jungen von einem Nachbarn und Freund der Mutter missbraucht werden, taucht kurze Zeit später John auf, ein charismatischer Typ, der die Dinge „in die Hand“ nimmt und in der White-Trash-Nachbarschaft schnell Zuspruch findet. Jamie sieht in ihm zunächst einen väterlichen Freund, muss aber erleben, dass der Beschützer ein brutaler Mörder ist, der gemeinsam mit seinen Helfern, zu denen auch Jamie wird, Jagd auf Pädophile und Homosexuelle macht.

In Snowtown möchte man nicht länger bleiben als nötig. Alles wirkt verwahrlost, schmutzig, ja nicht einmal die Sonne scheint hier. Die Darsteller (von Protagonisten oder gar Helden zu sprechen verbietet sich) haben fettige Haare und unreine Haut, hängen vor Spielautomaten, rauchen pausenlos und schmatzen beim Essen. Jamies Mutter hat verschiedene Männerbekanntschaften, (sexuelle) Gewalt ist nichts Neues für den Teenager und eine Perspektive scheint es nicht zu geben.
Das alleine ist schwer zu ertragen, ist für den Zuschauer wie die Katastrophe, die man nicht sehen will, von der man sich aber auch unmöglich abwenden kann. Denn der Einblick, den der Film uns gewährt, fasziniert; zeigt eine fremde und doch realistische Welt.

Dazu gehört aber auch, dass man sich Zeit nehmen muss, um die zahlreichen Menschen kennenzulernen, die hier eine Rolle spielen und zu verstehen was deren Rolle ist, denn niemand lässt sich auf Anhieb in gut und schlecht unterteilen.
Das liegt auch an den starken Schauspielern, allen voran John – Darsteller Daniel Henshall, dessen Augen alleine zwischen freundlicher Belustigung und kalter Aggression alle emotionalen Welten ausleuchten und dabei in der Welt der tumben Versager erstaunlich klar und intelligent wirken.

Erstaunlicherweise ist die Quantität der Gewalt in SNOWTOWN niedriger als man bei einem Film, der im Vorfeld mit MARTYRS verglichen wurde, erwarten konnte. Was diese beiden Werke  gemeinsam haben ist die Form jener unangenehmen Brutalität, die keine Freude bereitet und hier – wie alles andere – besonders echt wirkt. Ansonsten sollte sich aber niemand SNOWTOWN antun, weil er hier einen hübschen Splatterfilm erwartet. Der Film ist Charakter- und Milieustudie, die auf Heldentaten ebenso verzichtet wie auf einen ausgeklügelten Plot. Es gibt keinen doppelten Boden, keine moralischen Botschaften und keine Parteiergreifung…was man sieht, ist was man kriegt.


Das geht so weit, dass uns Regisseur Justin Kurzel eine Vorgeschichte oder Hintergründe vorenthält.
Die Handlung ist eine Momentaufnahme aus Jamie‘s Sicht. John tritt in dessen Leben, aber wir erfahren nie, wie er zu dem wurde, der er ist.
Einen klassischen Spannungsbogen sucht man in SNOWTOWN ohnehin erfolglos. Auch wenn wir in der zweiten Filmhälfte einiges über die Morde und die Entsorgung der Leichen erfahren, läuft die Handlung recht gleichförmig ab. Es gibt keinen Widersacher, keinen Showdown, der Abspann verrät uns nur was aus den realen Personen, wie die Polizei die Morde aufdeckt, bleibt hingegen auf der Leinwand im Verborgenen.

Fazit: SNOWTOWN ist ein dicker Brocken, der Fans und Gegner haben wird. Schaut man den Film nur nebenbei oder geht mit falschen Erwartungen heran, wird eine Enttäuschung kaum ausbleiben. Wer sich aber zwei Stunden Zeit nimmt und damit klar kommt, dass der Film so oder so kein Vergnügen bereitet, kommt auf seine Kosten.

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Geschrieben von Mick | Reviews (Filme)

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