Red White & Blue

Red White & Blue (2010)

: Noah Taylor, Amanda Fuller, Marc Senter
: Simon Rumley
: ca. 100 min
: ab 18
: 27.05.11 (DVD+BD)
: I-On New Media
: USA
: Der Film erscheint in der Störkanal-Reihe
Unsere Wertung
7.0
VN:F [1.9.22_1171]
User Score:
5 votes
5.8

Red White & Blue (2010)

RED WHITE AND BLUE ist einer jener Vertreter, deren Beschreibung auf dem Backcover der DVD nur die halbe Wahrheit erzählen.
Dort steht sinngemäß, dass die Hauptfigur Erica nach außen hin Party, Alkohol und Sex zelebriert während sie innerlich eine zerrüttete Persönlichkeit ist. Das ändert sich, als sie den stillen Nate kennen lernt, einer der wenigen Männer, die nett zu ihr sind. Doch mit ihm beginnt ein Kreislauf der Gewalt…
All das trifft zu, funktioniert aber anders als man es erwartet und ist zudem nur Teil der Geschichte.

Dass mit Nate nicht gut Kirschen essen ist, wird früh klar, als er sich als Tierquäler outet. Trotzdem ist sein Auftreten gegenüber Erica tadellos. Während diese auch vor einem Vierer mit 3 fremden Männern nicht zurückschreckt und sich in der Mittagspause ein paar Dollar dazuverdient, indem sie die Kollegen befriedigt, reicht es Nate den Arm um sie zu legen. Umgekehrt stellt Erica ihm gegenüber von Anfang an klar, dass sie keinen Sex mit ihm haben wird, was ob der sonstigen Freizügigkeit zunächst eigenartig erscheint, aber Sinn ergibt, als die Story ihr Hauptaugenmerk sich auf Franki richtet, der an diesem Vierer mit Erica beteiligt war.
Auch in seinem Leben läuft nicht alles perfekt, vor allem als er erfährt, dass er sich bei Erica mit HIV infiziert hat.
Zusammen mit seinen Kumpels macht er sich auf die Suche nach ihr…

Auch hiermit ist noch nicht alles gesagt, zeigt aber hoffentlich, dass RED WHITE & BLUE kein 08/15-Werk ist und auch nicht mit NATURAL BORN KILLERS und ähnlichem verglichen werden kann.
Tatsächlich kann man darüber streiten welchem Genre man den Film überhaupt zuordnet. Während Regisseur Simon Rumley von einem Horrorfilm spricht, ist er für Hauptdarsteller Noah Taylor eher ein Drama mit erschreckenden Elementen. Einen üblichen Genrefilm haben wir hier jedenfalls nicht vorliegen, was nicht zuletzt daran gezeigt wird, dass der Film in seiner ersten Hälfte äußerst zurückhaltend beginnt und die realistischen Figuren in aller Ruhe vorstellt.
Dafür sind selten viele Worte notwendig. Geräusche sind ohnehin rar, ein Soundtrack besteht nur aus seltenen Pianoklängen.
Stattdessen sind es immer wieder kurze Episoden und Bilder, die für sich sprechen und die Charaktere wachsen lassen.

So glaubwürdig dies auch passiert, fragt man sich doch irgendwann worauf alles hinausläuft. Auch wenn der Film am Ende durchaus Sinn ergibt, wird die Geduld des Zuschauers zunächst strapaziert.

Erleichtert wird dieser Umstand aber durch gelungene Kulissen, die selbst in guten Momenten nach White Trash aussehen und allem vorweg starken Schauspielern, die Mut zur Hässlichkeit mitbringen.
Mit fragwürdigen Frisuren, Bärten oder Ohrringen geben die Darsteller äußerlich alles, aber es ist vor allem die Zerrissenheit ihrer Rollen, die wunderbar dargestellt wird.
Helden sucht man in RED WHITE & BLUE vergebens, diese Menschen haben Fehler, viele Fehler, und uneingeschränkte Sympathie kommt niemandem zu; dennoch hat jeder von ihnen etwas an sich, das man verstehen kann.

Der grafische Horror hält erst tief in der zweiten Filmhälfte Einzug, fehlt zuvor fast komplett und wird höchstens kurz angedeutet; doch dann zieht RED WHITE & BLUE alle Register und lässt Härte walten, was die FSK 18-Freigabe letztlich rechtfertigt.

Fazit: RED WHITE & BLUE erscheint in der Störkanal-Reihe und wie fast immer gilt, dass man das Unerwartete erwarten sollte. Der Film ist sicher nicht nach jedermanns Geschmack, nichts für nebenbei, aber wenn man sich darauf einlassen kann, durchaus sehenswert.


Red White & Blue (2010), 5.8 out of 10 based on 5 ratings

Ähnliche Beiträge:

Geschrieben von Mick | Reviews (Filme)

9 Kommentare

  1. skyforce
    06 Jul 2011, 8:24 pm

    oh mann, so einen schlechten film hab ich noch nie gesehen. Null spannung, keine logik, hässliche schauspieler. finger weg!!
    wie kann man da nur 7 von 10 sternen vergeben, versteh ich nicht!!

  2. Christina
    09 Jul 2011, 8:21 pm

    Dieser Film hat mir absolut nicht gefallen. Man wird im ersten Teil des Films wahnsinnig, weil kaum gesprochen wird und wenn dann nur ein oder zwei Worte. Ein sehr schlechter Film, in dem nur im zweiten Teil ein wenig Aktion aufkommt. Frage mich auch wie man da 7 von 10 Sternen vergeben kann.

  3. Girasol
    10 Jul 2011, 10:41 pm

    Also da scheiden sich die Geister.Dieser Film ist im Grunde genommen kein Horrorfilm, sondern ein Drama.Und was für eins.
    Super gemacht.(Wer zwischen den Zeilen lesen kann).Obwohl der Autor ja schon ziemlich viel geschrieben hat, so zu sagen, der Wink mit der Zaunlatte.
    Na ja, die Mehrheit schaut sich Filme an, ohne den Sinn darin zu erkennen.
    Ich gebe 8 Sterne.

  4. monoton3000
    14 Jul 2011, 4:38 am

    also ich fand den film sehr einfühlsam und schockierend zugleich. die thematiken von kindesmisbrauch über hiv und opfer- und täterrolle gut interpretiert und genial umgesetzt. man hasst und leidet mit der protagonisten gleichermassen mit. man kann mit den verschiedenen charakteren mitfühlen und fragt sich, ob man in diesem film leibhaftig mitspielt, so sehr gehen die bilder und die handlung unter die haut. ich würde ohne wenn und aber sogar 9-10 sterne geben! aber dieser streifen ist halt kein fastfoodprogramm und fordert von dem zuschauer eine immense stärke.

  5. Freibier
    22 Feb 2012, 3:52 pm

    Ich schaue Filme eigentlich prinzipiell zu Ende, so schlecht sie auch sein mögen, aber das hier ging garnicht. Wie oben schon erwähnt wird dort nix auf die Leinwand gebracht was einen dranbleiben lässt.
    Schauspieler mit Mut zur Hässlichkeit? Grundsätzlich gut, aber wenn das Drumherum absolut öde ist dann reißen es solche Dinge auch nicht raus.

  6. jezebel
    11 Jul 2012, 11:22 pm

    Ich fand diesen Film sehr gut und nicht eine Sekunde lang langweilig. Man muss sich aber wirklich auf ihn einlassen ohne ihn vorab zu bewerten. Wenn mir nach einem Film vor Schrecken körperlich übel ist und ich doch verstehe warum wer weshalb wann was gemacht hat, dann hat der Regiseur mit seinen Darstellern genau das geschafft was er wollte. Das ist kein Mainstream Popkornkino und auch kein fleischiger Horror ala Hostel oder Saw. Es geht eben um Gefühle und das kann nicht jedermann verstehen oder leiden. Also nix für Jedermann…Ich gebe im 10 Punkte…so..jetzt hab ich aber mal meine Meinung gesagt…lach..

  7. kleinbein
    09 Sep 2012, 3:32 am

    Ich fand diesen Film darum spannend, weil die Handlung von Nate erst gegen Schluss bestätigt/klar wird. Darum gut, weil fast ganz ohne Soundtrack eine herrliche Geräuschkulisse geschaffen worden ist. Auch bemerkenswert gut hat der Regisseur das Klima und die Lebensweise im US-Staat Texas hinter die Linse gekriegt.
    Und noch was: Leute die nur Musik gut finden wo die Sängerin oder der Sänger schön aussieht, obwohl die Musik/Stimme selbst minderwertig ist, sind meistens die gleichen Leute die einen Film nicht gut finden weil die Schauspieler nicht hübsch genug sind, obwohl die Regie und das Drehbuch vom Film gut wären. Tja, jedem das Seine….
    Ich gebe 6 von 10 Sterne.

  8. klaus kauttnik
    09 Nov 2012, 11:22 am

    Klar ist das dieser Film nichts für Konsumenten von Mainstreamern ist! Wer brabbelnde Protagonisten benötigt wird hier ebenfalls in weiten Strecken des Films nicht bedient. Wer aufgestylte Teenies bevorzugt, die schön in absehbarer Chronologie, der Reihe nach in feinster Hollywoodmanier abgeschlachtet werden ebenso nicht. Zuschauer die es benötigen, dass platte Hintergründe, auch für den Letzten Merkbefreiten im Kinosaal verständlich, völlig im Vordergrund abgehandelt werden ebenso nicht.

    Der Film ist deswegen berechtigterweise ein Horrorfilm, weil es ein absolute reales Grauen sein muss in solchen “emotionalen” Welten über diesen Planeten zu wandeln. Ob sich das nun Drama nennt oder Horror spielt nur genremäßig, in der Kinowelt zur Kategorisierung eine Rolle. Im Leben, Betroffene gibt es genug, das wissen wir heute alle, ist es sicher das blanke Grauen.

    Im Alter von 4 Jahren und 2 Tagen vergewaltigt und mit HIV infiziert, wandelt da eine gefühlsmäßige leere Hülle durch die Stadt und Clubs und handelt in fast logischer Konsequenz wie es ein Mensch in so einer Welt nur tun kann. Übrigens ein weit verbreitetes Verhalten – nur eben in der Realität nicht jedem so bewusst wie Erica.

    Nun, der Film spielt sich in der teils in der Metal-Szene ab. Das müsste er nicht. Auch die aufgestylten Disco-Boys und Girls treiben es so, genau wie Banker und andere Kasten der Gesellschaft. Eventuell war genau das die Absicht des Regisseurs, der “Hässlichkeit” (wie es manche hier ja nennen) noch einmal eins drauf zu setzen, denn schön an solchem Verhalten nichts. NUR: Gestylte Schönheiten, oder Anzug und Krawatte hätten hier evtl. über die “Message” hinweggetäuscht: Menschen sind keine Tiere, aber handelt man so, oder unbedacht mit/an anderen Menschen*, entstehen: Wahre Monster!
    (*Gemeint sind hier z.B. sexuelle Ausbeutung und Gewalt, Unterdrückung, seelische Gewalt in jeglischer Form usw.)

    Der Film verlangt Einfühlungsvermögen, Empathie und Verstand. Wie gesagt: Wer ein schön, in sorgsam gescriptete Kapitel angelegtes Gemetzel braucht kommt hier nicht auf seine Kosten. Soll er auch nicht, denke ich. Übrigens: Nate, der Rächer von Erica bringt in seiner Action einige Menschen grausam um. Sogar ein Dreiergespann aus Vater Mutter UND Tochter die sicher den Bluttat an den anderen mit ansehen mussten, weil nebeneinander auf Stühle gefesselt. ABER nicht mal das und andere Morde werden detailiert gezeigt.
    Also Torture-Porner und Slasher-Fans kommen auch nicht auf ihre Kosten. Gar nicht erst ansehen, wie der User “Freibier” werdet ihr so weit gar nicht erst kommen 😀

    Wer sich allerdings in reale Horrorszenarien anderer Menschen einleben und damit auseinandersetzen kann, der wird hier dramatische Momente erleben, die man keinem Menschen wünscht.

  9. Requiem
    29 Mai 2013, 6:53 pm

    Endlich mal wieder ein guter Film. Eigentlich mag ich es nicht so, wenn sich alles ganz langsam aufbaut, aber hier ist alles stimmig, es wirkt verstörender wenn sich der Film auf einmal vollkommen verändert. Explizite Gewaltdarstellungen wurden vermieden, das lässt mehr Raum für die eigene Fantasie… Leider wirken die Schauspieler manchmal etwas blass, sie spielen ihre Rollen ja gut,aber dennoch fehlt etwas, vielleicht liegt es auch nur an der deutschen Synchronisation. Ansonsten gibs nicht zu meckern, technisch und inhaltlich gut, kein sinnfreihes “Fastfood”.

Schreibe ein Kommentar