Junkyard Dog

Junkyard Dog (2010)

: Galadriel Steinmann, Innis Casey, Vivica A. Fox
: Kim Bass
: Kim Bass
: ca. 91 min
: ab 18
: 21.10.2010 (DVD)
: Global Cinema / EuroVideo
: USA
Unsere Wertung
2.5
VN:F [1.9.22_1171]
User Score:
1 vote
4.0

Junkyard Dog (2010)

Es ist zu lesen, dass Junkyard Dog auf einer wahren Begebenheit beruht.
So wird auf der DVD-Hülle auch fleißig mit den Fällen von Natascha Kampusch und der Fritzl-Familie verglichen, und die Parallelen liegen auf der Hand. Dass diese Verbrechen schrecklich sind und zudem ungewöhnlich genug um eine filmische Aufarbeitung zu rechtfertigen steht außer Frage, doch sollte man dies auch mit dem nötigen Sachverstand tun.

Im besten Falle hätte „Junkyard Dog“ ein psychologischer Thriller werden können, der einerseits die Qualen des Opfers zeigt, andererseits die Beweggründe des Täters aufweist.
Im schlimmsten Falle hätte „Junkyard Dog“ das werden können, was tatsächlich auf DVD zu sehen ist.

Auf dem Weg zu einer College-Party bleibt Audra mit dem Auto liegen. Der zu Hilfe eilende Abschleppdienst entpuppt sich als übler Geselle, der Audra in ein Verlies sperrt und quält.
Eine FBI-Agentin macht sich auf die Suche nach der Entführten…

Das Schauspiel beinahe aller Darsteller ist unterdurchschnittlich und dazu kommen hölzerne Dialoge und markige Sprüche, wie der des FBI-Chefs, der eine Agentin, die vor kurzem einen Kriminellen im Dienst erschoss, fragt: „Können Sie den Abzug drücken?“
Von jener FBI-Angestellten bekommen wir auch im Laufe des Films ein cooles „Schmor in der Hölle, Arschloch“ geboten.
Leider kann auch das Opfer Audra nicht überzeugen. Sie wirkt eindimensional und kann nicht ansatzweise den Schrecken vermitteln, den die echten Opfer wohl durchleiden mussten.
Selbst als sie sich selbst töten will, nimmt man ihr die Verzweiflung nicht ab.

Der namenlose psychopathische Entführer macht seine Sache noch am Besten. Dass er ein gutaussehender junger Mann ist, kann man ihm dabei nicht zum Vorwurf machen, vielmehr unterstützt das noch die Idee, dass das Böse viele Gesichter hat. Doch leider war Drehbuchautor/Regisseur Kim Bass wohl der Ansicht, dass man den Bogen überspannen muss und so ist der Mann nicht nur Entführer und Vergewaltiger sondern (und spätestens hier enden alle Ähnlichkeiten mit den beschriebenen realen Fällen) Mörder, Kannibale und so gestört, dass der mit seinen toten, tiefgefrorenen Eltern zu Abend isst.

Als wäre das nicht genug ist das Drehbuch für weitere Schwächen verantwortlich (SPOILER):
-Dass Audra vor ihrer Entführung den Abschleppdienst angerufen hat, hätte sich leicht nachvollziehen lassen und  wohl zumindest eine Befragung nach sich gezogen.
-Obwohl die FBI-Agentin erst nach einiger Zeit zu dem Fall hinzugezogen wird, das Bild von Audra in der Zeitung und im TV war und davon auszugehen ist, dass die örtliche Polizei schon selbst Ermittlungen angestellt hat, fällt der Dame nichts besseres ein, als mit einem Foto durch eine brechend volle Bar zu stapfen.
-Nachdem auch die FBI-Agentin ins Verlies gesperrt wird, bauen sich die beiden Frauen mehrmals Waffen, mit denen sie mehrmals erfolglos auf den Mann losgehen. Den Mörder scheint dies nicht weiter zu stören. Vielleicht hätte er aber sehen können, was vor sich geht, wenn er seine eingebaute Kamera nicht auf die Dusche sondern den ganzen Raum ausgerichtet hätte. (SPOILERENDE)

Und dann wären da noch Schwächen, die den deutschen DVD-Käufern vorbehalten bleiben:
Die Synchronisationsstimme von Audra ist schwer zu ertragen. Wer des Englischen mächtig ist, sollte auf Originalton umschalten.
Selbst die DVD-Hülle ist zu bemängeln: Als Star wird u.a. Brad Dourif, der auch in Halloween mitgespielt haben soll, auf dem Cover beworben. Dourif taucht als Sheriff in Junkyard Dog etwa drei Szenen auf, in Halloween spielte er ebenfalls den Sheriff, auch dort war es nur eine kleine Rolle.

Zu guter Letzt finden wir in der Filmbeschreibung den Vergleich mit Joseph Fritzel. Der echte Straftäter schreibt sich jedoch Josef Fritzl. Selbst wenn dies vielleicht Erbsenzählerei ist, beweist es, wie lieblos hier vielerorts vorgegangen wurde.

Positives gibt es wenig zu nennen, aber es soll nicht verschwiegen werden, dass das karge unterirdische Gefängnis durchaus klaustrophobische Ängste wecken kann.
Auch der Schrottplatz der dem Killer als Unterschlupf dient und die damit verbundene Möglichkeit die Fahrzeuge der Opfer verschwinden zu lassen ist gut gewählt und sinnig.

Ohne Zweifel werden weitere Filme folgen, die sich einer ähnlichen Thematik bedienen. Die große Chance einer der ersten zu sein der die Fälle Kampusch/Fritzl aufgreift und dabei einen hohen Qualitätsstandard zu setzen, wurde jedoch leider vergeben.

Junkyard Dog (2010), 4.0 out of 10 based on 1 rating

Ähnliche Beiträge:

Geschrieben von Mick | Reviews (Filme)

Schreibe ein Kommentar