Drive Angry 3D

Drive Angry 3D (2011)

: Nicholas Cage, Amber Heard, William Fichtner, Billy Burke
: Patrick Lussier
: Todd Farmer, Patrick Lussier
: ca. 104 min
: ab 18
: 24.06.2011 (DVD+BD)
: Warner Home Video
: USA
Unsere Wertung
6.0
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Drive Angry 3D (2011)

“Fahr zur Hölle” heißt es auf dem Kinoplakat von DRIVE ANGRY. Da Regisseur Patrick Lussier (MY BLOOD VALENTINE 3D) auch seinen neuen Film unter der Verwendung des Paradise-FX-Systems in 3D gedreht hat, bekommt der Zuschauer eine ziemlich genaue Vorstellung davon, wie das aussehen könnte.

Milton (Nicolas Cage) bricht aus der Hölle aus, um seine Enkeltochter vor einer satanischen Sekte zu retten. Dabei bekommt er Unterstützung von der Kellnerin Piper (Amber Heard), die er auch bitter nötig hat, denn in 3 Tagen soll das Kind von Sektenführer Jonah King (Billy Burke) geopfert werden, um das Armageddon einzuläuten. An ihre Fersen hat sich ein Mann (William Fichtner) geheftet, der sich selbst “der Buchhalter” nennt und augenscheinlich nicht von dieser Welt stammt, sondern den Ausbrecher auf Geheiß des Teufels wieder einfangen und zurück in die Hölle bringen soll.

Für einen Actionfilm ist DRIVE ANGRY mitunter sehr heftig geraten. Da werden Hände abgeschossen, Köpfe gespalten und Kniescheiben zerschmettert, dass alleine das Zusehen schmerzt. Doch das ist leider auch eines der Dinge, die eher negativ auffallen: die in keinster Weise hinterfragte und immer präsente Gewaltbereitschaft der Darsteller. Niemand scheint ein Problem damit dazu haben, irgendjemanden zu töten, ob es dabei nun um Rache, verletzte Egos oder die Aussicht auf eine Beförderung geht, spielt dabei keine Rolle. Gewalt wird einfach praktiziert und eher auf komische und coole Weise inszeniert, jedoch nie hinterfragt oder in Relation gesetzt.

Die Charaktere zeichnen sich nicht unbedingt durch logische Denkmuster aus, bleiben zweidimensional und schaffen es über die gesamte Länge des Films hinweg zu keiner Zeit, den Zuschauer mitfühlen zu lassen, sodass man sich nicht ernsthaft für den Ausgang der Geschichte interessiert. Im Gegenteil: Milton und sein teuflischer Widersacher sind so cool, dass man sie nicht ernst nehmen kann. Der Kampf für das Gute verkommt so zu einer reinen Hetzjagd und Gewaltorgie, die mithilfe durchaus sehenswerter Effekte herausgeputzt und auf Hochglanz poliert wurde.

Nicolas Cage hat es dagegen immer noch drauf, einen Film zu tragen. Seine Leinwandpräsenz ist unbestreitbar charismatisch und die Routine, die er durch seine unzähligen Filmprojekte aufweisen kann, stiehlt allen anderen Darstellern die Show. Amber Heard, die Frau die John Carpenter zu seiner neuen Muse auserkoren hat, ist hübsch anzusehen und kann in ihrer Rolle als knapp bekleidete Komparsin brillieren, wobei jedoch im Laufe des Films deutlich wird, dass ihre Figur mehr eine Skizze als ein durchdachter Charakter ist. Ab einem gewissen Punkt verkommt ihr Spiel zum simplen Abnicken des Geschehens und sie nimmt nur noch aktiv daran teil, indem sie sich auf den Beifahrersitz setzt oder eine Träne verkneift, wenn Milton von seiner Tochter spricht.

Namhafte Schauspieler wie David Morse (THE HURT LOCKER) oder Tom Atkins (LETHAL WEAPON) kommen leider nur sehr selten zum Zug innerhalb der rasant in Szene gesetzten Geschichte, was dazu führt, dass ihre Charaktere undurchdacht und austauschbar wirken. Auch William Fichtner, der den “Buchhalter” aus der Hölle spielt, kann seiner Figur nicht mehr Tiefe verleihen, als das Drehbuch ihr Raum lässt. Dabei ist die Idee hinter dem teuflischen “Buchhalter”, der ausgebrochene Verdammte wieder zurück in die Hölle bringen soll, wirklich gut. Fichtner schafft es auch mehrmals, dass man sich wirklich vor ihm gruselt, wenn er schnuppernd die Fährte der Gejagten aufnimmt oder nebensächlich über Dinge spricht, die normalsterbliche Menschen niemals wissen können. Er wirkt in jeder Szene gewollt deplaziert, in seinem piekfeinen Zweireiher und der gelangweilten Coolness, die überdeutlich macht, dass er nur ein Besucher auf dieser Welt ist und über den Dingen steht. Leider entwickelt er sich im weiteren Verlauf nicht weiter, sondern eher das Gegenteil ist der Fall. So wird er vom smarten, unverwundbaren Jäger zum netten Onkel, der Milton einfach zum Essen abholt, weil er den Bus verpasst hat. Da wäre mehr drin gewesen!

Mehrmals hat man das Gefühl, dass man diese oder jene Szene schon einmal in einem anderen Film gesehen hat, und das zurecht. Man könnte fast meinen, Karl-Theodor zu Guttenberg hätte das Drehbuch geschrieben, so oft wird man mit Ähnlichkeiten zu anderen Filmen konfrontiert, die unmöglich aus Versehen “übernommen” worden sein können. Vor allem SHOOT EM UP und FAST AND THE FURIOUS kommen einem unweigerlich immer wieder in den Sinn, aber auch Klassiker wie EIN AUSGEKOCHTES SCHLITZOHR AUF ACHSE oder EIN MANN SIEHT ROT.  Doch trotz der dadurch resultierenden ausbaufähigen Eigenständigkeit kann man den Film insgesamt als eine moderne, dreidimensionale Hommage an die genannten Filme ansehen, die von den coolen Sprüchen Cages und den heißen Kurven Heards lebt.

Fazit: Als Thrash-Granate funktioniert DRIVE ANGRY hervorragend. Die Gore-Effekte können sich sehen lassen, die Verfolgungsjagden sind dank der Mitarbeit zahlreicher Stuntmen und Fahrzeuge sehr realistisch und die 3D-Effekte sind qualitativ absolut zeitgemäß. Wer SHOOT EM UP mochte, eine ausreichende Portion schwarzen Humors sein Eigen nennt und es nicht abwarten kann, Nicolas Cage und Amber Heard endlich wieder auf der großen Leinwand zu sehen, macht bei DRIVE ANGRY nichts verkehrt.

 

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Geschrieben von Autor | Reviews (Filme)

5 Kommentare

  1. weird
    24 Feb 2011, 12:39 am

    mhm. klingt ja nicht sehr vielversprechend. ich hab schon mit dem gedanken gespielt, ins kino zu gehen, obwohl ich kein begeisterter kinogänger bin (filme muss man alleine sehen)

    in ein paar monaten gibts ja sicher die passende dvd und vielleicht greif ich da dann zu

  2. Alex1979
    24 Feb 2011, 12:50 am

    Man KANN sich durchaus amüsieren und DA KANN durchaus unterhalten, aber da darf man dann nicht mit zu hohen Erwartungen ran gehen. Ich empfehle Dir die DVD fürn Partyabend unter Freunden.

  3. I am Dead
    20 Mrz 2011, 8:03 pm

    Meine Meinung ist kann man sich anschauhen nicht direkt der Burner ,aber man muss ihn gesehen haben

  4. Alex1979
    23 Mrz 2011, 12:42 am

    Zumindest der “Buchhalter” ist einen Blick wert, mal ganz zu schweigen Amber Heard (grrrrrrrr)! 🙂

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