Dream Home (2010)

Es ist das alte Leid: ein sehenswerter Splatter-/Gore-Film kommt zu uns nach Deutschland und wird soweit zusammengeschnitten wie die Gartenhecke des Nachbarn.
Uns lag zur Begutachtung eine ungeschnittene Version von DREAM HOME vor, die 4 min. kürzere Kaufversion lässt aber erahnen, dass nicht nur auf dem Bildschirm geschnitten wird.

Der Film beginnt dann auch mit einem überaus grafischen Mord an einem Wachmann eines Apartmenthauses. Die Mörderin ist Cheng Lai – Sheung, eine junge Frau, die im normalen Leben für eine Bank arbeitet. Während sich Cheng durch das Gebäude mordet, erfährt der Zuschauer in Rückblenden mehr über die Person und ihre Motive, deren größter Wunsch es ist eine Wohnung im überteuerten Hongkong zu erwerben.

Es sind die überraschend feinfühligen Rückblenden, die DREAM HOME von vielen anderen stumpfen Splatter-Werken abheben. Wir lernen Cheng als Mädchen kennen, das mit ihrer Familie aus ihrer alten Bleibe vertrieben wurde; ihren Großvater, einen Seemann, der sich eine Wohnung mit Meerblick wünscht. Wir erleben wie hart Cheng später für ihren Traum arbeitet, was sie bereit ist zu tun und wie sie kurz vor dem Ziel enttäuscht wird.
Dieser Teil hat zunächst wenig mit den brutalen Morden zu tun, sondern könnte fast als eigenständiges Drama durchgehen, natürlich ist aber hier die Erklärung für das Blutbad zu finden, dass die junge Frau anrichtet.

Bleibt die Frage, warum all diese Menschen sterben müssen. Soviel sei verraten, wer sich die Zeit nimmt Cheng kennenzulernen, anstatt die Rückblenden zugunsten der Gore-Szenen zu überspringen, weiß, dass sie planvoll agiert und die Morde kein unüberlegter Amoklauf einer Verwirrten sind.

Die Morde selbst sind einwandfrei und ausgiebig in Szene gesetzt. Zwar gilt auch hier, dass man bemüht kreativ sein will, doch ist die Umsetzung ausgezeichnet. Wachpersonal, Drogendealer, sogar schwangere Frauen zählen zu den Opfern, deren Todeskämpfe teilweise minutenlang andauern und meist ebenso lang gezeigt werden.
Etwas fraglich ist, warum die Tötungen zunächst sehr ernst wirken und eine realistische Brutalität ausstrahlen, dann aber zunehmend in Fun-Splatter abdriften. Man könnte denken, die Macher des Films wollten damit Chengs zunehmend gute Laune ausdrücken.
Die junge Frau ist kein übermenschlicher Maskenmann, sondern gerät selbst einige Male in Bedrängnis, agiert aber stets überaus kaltblütig.
Dennoch kann man als Zuschauer kaum anders, als Verständnis und sogar etwas Sympathie für die Dame aufzubringen.

Angeblich beruht der Film auf wahren Begebenheiten, es ist jedoch davon auszugehen, dass sich der Wahrheitsgehalt auf die schwierige Wohnsituation in Hongkong beschränkt. Darüber etwas zu erfahren, ist als Nebeneffekt aber nicht uninteressant.

Ungeachtet der möglichen geschnittenen Szenen ist DREAM HOME wunderbarer Beitrag des Asien-Horrors und für mich einer der besseren Filme des noch jungen Jahres 2011.

Dream Home (2010), 6.5 out of 10 based on 2 ratings

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Geschrieben von Mick | Reviews (Filme)

4 Kommentare

  1. anna
    23 Apr 2011, 10:55 pm

    fazit: wer nicht hören will muss fühlen oder was? 😀 😀 😀

    das ende ist so bescheuert das es sogar lustig ist

  2. Horrorfan
    24 Apr 2011, 1:25 pm

    Habe den Film gestern angesehen, einmal und nie wieder. Der Grund für das Morden ist nicht nachvollziehbar, und die Hälfte bestand aus langweiligen Rückblicken.

  3. anna
    24 Apr 2011, 3:11 pm

    @ horrorfan: noch nie was vom vorspulen gehört?

    naja und ist doch nachvollziehbar, wenn die alte schon immer für ihren wunsch gearbeitet hat und sie ihn jetzt nicht erfüllt bekommt, dann müssen halt ein paar leute aus dem weg geräumt werden :D:D (ich hab jetzt versucht nicht zu viel zuverraten ^^)

  4. Maxx
    25 Apr 2011, 11:51 am

    Nachvollziehen kann man das Morden schon, wenn man die Rückblenden schaut. Wenn man die aber sowieso langweilig findet, guckt man eben nur die Morde. Dann darf man sich aber auch nicht beschweren, wenn mans nicht nachvollziehen kann.

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