Das schwarze Herz (2009)

Terry hat es nicht leicht als alleinerziehender Vater. Seine zehnjährige Tochter leidet an einer seltenen Krankheit, seine Frau hat ihn verlassen und er selbst steht auf der Warteliste für ein Spenderherz. Die mitfühlende und höchst attraktive Ärztin, die ein Auge auf ihn geworfen hat, teilt ihm jedoch eines Tages mit, dass ein passendes Herz gefunden wurde.

Die Transplantation verläuft ohne Komplikationen, Terrys Körper nimmt das Herz an, doch irgendetwas scheint mit dem neuen Organ nicht zu stimmen, denn wann immer Terry bestimmten Personen zu nahe kommt, rast sein Puls und er verspürt den unwiderstehlichen Drang zu töten.

Nach und nach übernimmt das Herz die Kontrolle über Terry und zwingt ihn, zum Mörder zu werden. Alle seine Opfer stammen aus dem Krankenhausmilieu und alle scheint ein dunkles Geheimnis zu verbinden, das irgendetwas mit dem Tod des Organspenders zu tun hat, dem Terry sein neues Leben verdankt.

Mit jedem Menschen, den Terry tötet, wird er zunehmend von Erinnerungsfetzen heimgesucht, die ihm die grausige Wahrheit offenbahren: sein Spender wurde ermordet und das Herz, das nun in seiner Brust schlägt, sinnt auf Rache und gibt nicht eher Ruhe, bis alle Täter gerichtet sind und der Gerechtigkeit so Genüge getan wurde.

Dabei bekommt er tatkräftige Unterstützung von dem Detective, der seinerzeit den Mordfall untersucht hatte, jedoch die Mörder nie stellen konnte und ihm nun zeigt, wie er Selbstjustiz üben kann, ohne Spuren zu hinterlassen. So mordet sich Terry zur Wahrheit durch, wobei ihm der Drahtseilakt einerseits für seine Tochter zu sorgen und andererseits die verschwörerisch konspirierenden Killer zu jagen, zunehmend schwerer fällt, denn sobald er beschließt, sich seiner Verantwortung als Rächer zu entziehen, hört sein Herz auf zu schlagen und zwingt ihn gnadenlos weiter zu machen.

Josh Lucas (STEALTH, HULK) und Lena Headey (300, LAID TO REST) spielen die Hauptrollen in Michael Cuestas Horrordrama. Beide Schauspieler wissen stets in ihrem Spiel zu überzeugen und schaffen es jederzeit, den Zuschauer zu fesseln und Emotionen zu wecken. Besonders Josh Lucas beeindruckt in seiner gespaltenen Rolle als liebender Vater ebenso, wie als mordender Rächer.

Brian Cox (THE RING, RED) gibt den knochentrockenen, verbitterten und vom Leben enttäuschten Kriminalisten jederzeit überzeugend und nachvollziehbar, selbst dann, als er Terry einen Koffer mit “Arbeitswerkzeug” bereitstellt und ihm so ermöglicht, weiter zu morden, obwohl er das Gesetz vertritt und somit den ethischen Part der Geschichte verkörpert. Mit seinem Spiel macht er deutlich, dass es Situationen gibt, in denen es ganz alttestamentarisch einfach nur noch um “Auge um Auge” geht, dass es eben Momente gibt, in denen das Gesetz versagt und man es selbst in die Hand nehmen muss, um Gerechtigkeit zu erzwingen. Damit bricht seine Rolle Tabus, doch das Ganze ist so subtil inszeniert, dass das Überschreiten der Grauzonen zwischen “gut” und “böse” immer glaubwürdig bleibt.

Die Verfilmungen der Geschichten von EDGAR ALLEN POE hatten es seit jeher nicht leicht, von den Lesern des melancholischen Autors angenommen zu werden. Zum Teil mag dies an der generellen Schwierigkeit liegen, eine literarische Vorlage zu verfilmen. Zum Teil scheitert es oft an der einseitigen Umsetzung der Geschichte und oftmals fehlenden Liebe zum nötigen Detail.

Michael Cuesta versteht jedoch sein Handwerk und hat offensichtlich seinen Poe gelesen, denn DAS SCHWARZE HERZ bleibt von Beginn an fesselnd und vermag es zu überraschen. Obwohl EDGAR ALLEN POE explizit als Reputation verwendet wird, ist die Geschichte lediglich von Poes Kurzgeschichte DAS VERRÄTERISCHE HERZ inspiriert, was dem Film die Freiheit lässt, sich ohne die Grenzen der literarischen Vorlage zu entwickeln, jedoch gleichzeitig die Idee der Kurzgeschichte aufzugreifen und weiterzuentwickeln.

Der Film scheut sich nicht vor drastischen und nachhaltigen Gewaltdarstellungen, die umso eindrucksvoller sind, weil sie wie nebensächlich geschehen. Ob er jedoch wirklich die FSK 18 Prägung verdient hat, sei bei den wenigen wirklich blutigen Szenen, die man so oder ähnlich auch bei EMERGENCY ROOM oder im TATORT gesehen haben könnte, dahingestellt. Zumindest lassen sich so mögliche Diskussionen über die Vertretbarkeit überschrittener moralischer Grenzen elegant umgehen, denn ein Film für Erwachsene ist DAS SCHWARZE HERZ allemal, schon alleine deshalb, weil er in seiner Ganzheit eine reflektierte Betrachtungsweise und Reflexionsfähigkeit voraussetzt, um die dramatische Zuspitzung des Plots und die daraus resultierenden Konsequenzen für die Charaktere nachvollziehen zu können.

Fazit: DAS SCHWARZE HERZ ist nicht die werktreueste Poe-Verfilmung, die es je gab, aber bestimmt die interessanteste, denn sie transportiert das Fundament der Geschichte in die heutige Zeit und baut darauf ein Haus, in dem man sich als moderner, zeitgenössischer Mensch nicht fremd fühlt. So ist der Film zugleich Krimi, Thriller, Drama, Kammerspiel und Horrorfilm, wirkt jedoch nie unentschlossen, sondern bleibt immer bodenständig und spannend, von der ersten bis zur letzten Minute.

[xrr rating=8.5/10]

Facts

Darsteller Josh Lucas, Lena Headey, Brian Cox
Regie Michael Cuesta
Drehbuch Edgar Allen Poe, Dave Callaham
Länge 85 Minuten
FSK ab 18
Veröffentlichung bereits veröffentlicht
Verleih/Vertrieb Ascot Elite Home Entertainment
Sonstiges

Ähnliche Beiträge:

Geschrieben von Autor | Reviews (Filme)

1 Kommentar

  1. Marcel
    15 Feb 2011, 2:31 pm

    Kein schlechter Film. Die Story ist leider für meinen Geschmack etwas zu flach aber die darstellerische Umsetzung find ich sehr gelungen. Fazit: Kann man sich durchaus ansehen.

Schreibe ein Kommentar