Bedevilled (2010)

BEDEVILLED ist ein Film der Störkanal-Reihe und wer diese Veröffentlichungen in der Vergangenheit verfolgt hat, weiß, dass Horror immer in irgendeiner Form enthalten ist, es sich aber nicht immer um typische Genre-Filme handelt, deren einziges Anliegen es ist, möglichst viel Brutalität in einer dünnen Rahmengeschichte zu verpacken, sondern die Erzählung im Vordergrund steht.

Die Bankangestellte Hae-won kümmert sich nicht um das Wohl anderer. Als sie Zeugin eines Mordes wird, verweigert sie die Identifizierung der Täter. Auf der Arbeit ist sie ebenfalls nur auf ihre eigenen Vorteile aus. Als es zu einer Auseinandersetzung mit einer Kollegin kommt, wird Hae-won in Zwangsurlaub geschickt. Sie beschließt die Insel Moodo zu besuchen, den Ort an dem sie aufwuchs. Heute leben auf dem Eiland nur noch wenige Menschen, darunter ihre Freundin Bok-nam.
Bok-nams Leben besteht aus Misshandlungen und Erniedrigungen. Sie würde die Insel gerne verlassen und hofft auf Hae-wons Hilfe, doch die verweigert ihre Unterstützung. Erst als Bok-nam fürchtet, dass sich ihr Mann auch an der gemeinsamen Tochter vergeht, unternimmt sie einen folgenschweren Fluchtversuch.

Man kann nicht behaupten, dass der Film ruhig startet, denn er beginnt mit dem Verbrechen das Hae-won beobachtet und liefert viele hässliche Einblicke in Bok-nams Existenz, trotzdem lässt sich der koreanische Regisseur Cheol-Soo Yang Zeit um auf den Punkt zu kommen.
Yangs Erzählweise ist wie die Insel, auf der der Großteil der Handlung spielt: schön, aber rau.
Er zeigt uns ästhetische Bilder, deren Optik manchmal fast ein Widerspruch zu dem Gezeigten ist.

Als Hae-won die Insel erreicht, spricht Bok-nam noch davon, dass ihr Mann sie auf Händen trägt, doch sie kann diese Scheinfassade nicht lange aufrecht erhalten. Stück für Stück erleben wir als Zuschauer, wie die alten Frauen des Dorfes sie als Sklavin sehen, ihr Mann sie vor ihren Augen mit einer Prostituierten betrügt und schlägt. Dabei ist es weniger die physische Gewalt, als vielmehr die leisen Zwischentöne, wie das Mangeln jeglichen Respekts, die uns zu verstehen geben, in welcher zwischenmenschlichen Einsamkeit die junge Frau lebt. Während sie sich ihr Unglück selbst immer mehr eingesteht, scheint es ihre Freundin jedoch nicht weiter zu kümmern.

Vieles von dem was wir zu sehen bekommen, wirkt unglaublich, selbst für ein abgelegenes Eiland archaisch, aber dennoch stets realistisch. Man fühlt sich an die Bücher Jack Ketchums erinnert, der es ebenfalls immer wieder schafft, die Entstehung und Entwicklung von Gewalt nachzuvollziehen.
Es dauert über eine Stunde des Films bis sich Bok-nam auf blutige Weise zur Wehr setzt, ein Moment den man als Beobachter herbeisehnt, da man selbst die Unterdrückung leid ist und mehr als nur etwas Verständnis für die kommende Bluttat hat.
Auch diese wirkt echter als man es aus vielen vergleichbaren Filmen kennt  und wenn sich zum Ende die Rolle von Täter und Opfer vermengen, bleibt für den Zuschauer dennoch die nötige Transparenz.

Der Freundschaft der beiden Frauen kommt in dem Film natürlich eine besondere Beachtung zu.
Interessanterweise hält man zunächst Hae-won für die Hauptfigur, auf Moodo ist sie jedoch nur eine Nebenrolle, wohingegen ein Großteil der Aufmerksamkeit Bok-nam zukommt.
Hier die hübsche, aber kaltherzige Hae-won aus der Metropole Seoul, dort Bok-nam, die das genaue Gegenteil ist und die Insel nie wirklich verließ. Gegensätze, deren Schicksale in der gemeinsamen Kindheit geformt wurden, auch deswegen, weil beide bereits damals die tragenden Charakterzüge aufwiesen.

Mit etwas Schwung könnte man BEDEVILLED in die Rape & Revenge – Schublade pressen, auch von Slasher-Film wurde gesprochen, doch wer einen oberflächlichen Horrorstreifen erwartet, könnte von dem Film leicht enttäuscht werden.
Apropos: etwas enttäuschend war, dass einige Briefe, die in der letzten Szene des Films gezeigt werden, nicht übersetzt wurden und somit nur Zuschauer mit koreanischen Sprachkenntnissen hinter dieses Geheimnis steigen.
Ansonsten ist BEDEVILLED aber ein sehenswerter Film, der sich  gekonnt abseits gängiger Klischees bewegt.

Bedevilled (2010), 4.0 out of 10 based on 1 rating

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Geschrieben von Mick | Reviews (Filme)

9 Kommentare

  1. anna
    14 Apr 2011, 9:25 pm

    RICHTIG schlecht der film 😀

  2. Maxx
    15 Apr 2011, 10:14 am

    Und wenn Anna sagt, daß er schlecht ist, weiß ich, daß er mir sicher gefällt.:)
    Nichts für ungut.

  3. Märy Cherry
    15 Apr 2011, 5:51 pm

    ich hab zwar irgendwas gegen chinesische/japanische Filme aber der könnte recht spannend sein 🙂

  4. HorrorKeven
    15 Apr 2011, 7:29 pm

    Der Film ist sehr gut, es geht um die Unterdrückung der Japanischen/Chinesischen Frauen, und was sie sich alles gefallen lassen müssen. Doch bis dann eine, wie im Film zurück schlägt. Am Anfang hat mat Mitleid mit der armen Frau… doch zum Schluss hat auch jedes gute Herz mitleid mit den andern… Eine sehr zereißende hin und her Geschichte. Ein Gelungener Japanischer Film

  5. Mick
    15 Apr 2011, 11:17 pm

    Zur Info: Der Film ist koreanisch

  6. anna
    16 Apr 2011, 10:05 pm

    warum fühl ich mich unter gleichgesinnten total allein 😀 😀

    auch wenn der film die gesellschaft in (anscheinend) korea kritisiert, is der film trotzdem schlecht gemacht und man muss echt lange warten bis der höhepunkt der handlung kommt (höhö schlechter wortwitz 😀 )

  7. Maxx
    17 Apr 2011, 9:34 am

    Ich glaub, ob die Gesellschaft in Japan, Deutschland oder Korea ist relativ egal. Menschen die in einer Gemeinschaft schlecht behandelt werden, wo sie eigentlich Schutz finden sollten (Familie, Ehe) hast du überall.

    Anna, du hast natürlich ein Recht auf deine Meinung, aber ich finde daß das lange Warten auf den Höhepunkt sich lohnt, weil man so Mitleid mit der Frau aufbaut. Ist ja auch nicjht so, als ob das langweilig wäre, sondern es passt in den Film.
    Wenn du aber Monster haben willst, die Leuten im Sekundentakt die Gedärme rausreissen, ist der Film natürlich falsch für dich.

  8. Alex1979
    17 Apr 2011, 12:42 pm

    @anna: Nein, Du bist nicht allein 🙂 Ich unterscheide differenziert und weiß sehr wohl, dass es zwischen “Monstern, die im Sekundentakt Gedärme heraus reißen” und eher dogmatischen Filmen, die sich eher auf Atmosphäre und eine langsam angezogene Spannungsschraube verlassen, durchaus eine Menge Grauzonen gibt. Aber ich kam nicht wirklich “in die Story”, hat mich nicht wirklich mitgerissen.

    Als Vergleich: bei VINYAN geht es ähnlich subtil und schleichend vorwärts, bis es mal kracht, aber der hatte mich komischerweise sofort gefesselt, was bei diesem hier nicht der Fall war.

  9. swummi
    28 Mai 2012, 3:42 pm

    Ich will wissen, was in den Briefen steht! AAAAARGH!

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