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Ravenous – Friss oder stirb (1999)

: Guy Pearce, Robert Carlyle, David Arquette, Jeremy Davies, Jeffrey Jones, Neal McDonough
: Antonia Bird
: Ted Griffin
: ca. 97 (uncut)
: 18
: 1999
: 20th Century Fox
: Großbritannien, Tschechische Republik, USA
: war bis zum 29.05.2012 in D indiziert
Unsere Wertung
8.0
VN:F [1.9.22_1171]
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4 votes
7.8

Ravenous – Friss oder stirb (1999)

It’s lonely being a cannibal. Tough making friends.

Kalifornien in den 1840er-Jahren. Der Amerikanisch-Mexikanische Krieg ist in vollem Gange, das emsige Streben der Truppen von Staatsoberhaupt James K. Polk nach zusätzlichem Lebensraum letztendlich von Erfolg gekrönt. Doch für einen Mann und seine Einheit sieht es eher beschissen aus. Lieutenant John Boyd (Guy Pearce) ist der einzige Überlebende einer der vielen Schlachten, seine Kameraden wurden allesamt von Mexikanern getötet. Da Boyd daraufhin im Alleingang ein gegnerisches Lager übernehmen konnte, wird er nun im Anschluss an den Feldzug im Beisein mehrerer hochrangiger Offiziere zum Captain befördert. Doch der Schein trügt, denn Boyd hatte sich feige zwischen den Leichen seiner Männer versteckt, um nicht selbst dem Tode zum Opfer zu fallen und wird nun deswegen als “Dank” nach Fort Spencer in der Sierra Nevada strafversetzt – mitten im Winter.

Dort trifft er auf eine Gruppe anderer Ausgestoßener. Den Ranghöchsten Colonel Hart, den Mustersoldaten Private Reich, den etwas zurückgebliebenen Bibelfanatiker Private Toffler, den saufenden Arzt Major Knox, den Junkie Private Cleaves sowie das Indianer-Geschwisterpaar Martha und George (u.a. David Arquette und Jeremy Davies). Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase für Boyd gibt es für das abgelegene und nur als Durchgangsstation gedachte Fort plötzlich etwas zu tun: Ein völlig heruntergekommener, abgemagerter und durchgefrorener Mann mit langen Haaren und Bart (Robert Carlyle) stolpert in den Hof und bricht zusammen. Nach einer kleinen Aufwärmung wieder einigermaßen bei Sinnen, erzählt dann der F.W. Colqhoun getaufte Schotte, dass er einen Treck gen Westen begleitet hatte, der unter der Führung eines gewissen Colonel Ives stand. Da sie jedoch in einen plötzlich aufziehenden Schneesturm gerieten, waren die Pilger bald zum Überleben davon abhängig, ungewöhnliche Mahlzeiten zu sich zu nehmen. Sie fanden Zuflucht in einer Höhle in den Bergen. Nach dem Verzehr ihrer Tiere, Gürtel und Pflanzen begannen sie, den Ersten aus ihren eigenen Reihen zu verspeisen, bis schließlich nur noch drei Leute übrig blieben – Colqhoun, Col. Ives und eine der Frauen. Auf der Suche nach Hilfe war Colqhoun nun wochenlang durch die Wildnis geirrt, bis er schließlich in Fort Spencer ankam. Sofort wird dann eine Rettungsaktion geplant, um die Frau und Colonel Ives zu finden. Doch der Indianer George erinnert die Soldaten an eine alte Legende, die von Wendigo handelt, einem bösen Dämon, der eine menschliche Seele befällt, um mit ihrer Hilfe durch den Verzehr von Menschenfleisch immer stärker zu werden. Und auch Boyd ist nicht wirklich wohl bei der ganzen Sache …zurecht? Denn auch er musste ja in der grauenhaft langen Zeit bis zur Einnahme der feindlichen Basis irgendwie überleben …

Die nicht wirklich über ihre Heimat England hinaus bekannte Regisseurin Antonia Bird setzt einem hier eine nette schwarze Horror-Komödien-Platte vor, die größtenteils richtig gut mundet. Aufgrund dessen und auch wegen dreier doch recht bekannter Hauptakteure (Pearce, Carlyle, Arquette), welche bereits damals aus Produktionen wie L.A. Confidential, Trainspotting oder Scream ein Begriff waren, wundert es umso mehr, dass der Film weder in den Lichtspielhäusern noch als Silberling großartige Umsätze zu verbuchen hatte.
Indirekt weist die Story Parallelen auf zur sog. “Donner Party“, welche eine Gruppe von 87 Siedlern bezeichnet, die 1846 ebenfalls mit einem Treck an die Westküste pilgern wollten. Angeführt wurde sie vom Namensgeber George Donner. Wie bei der Gruppe im Film kam ein plötzlicher Schneesturm dazwischen, der die Reisenden für 4 Monate in den Bergen der Sierra Nevada gefangen hielt. Letztlich überlebten nur 47 Siedler, von denen einige laut ihrer Tagebücher nur durch das Verspeisen anderer durchkamen.


Darüber hinaus brachte Autor Ted Griffin jede Menge eigene Ideen ein, die er geschickt um das Hauptgerüst herum sponn. So geht es dem doch sehr angeschlagenen Calqhoun erstaunlicherweise schnell wieder besser, trotzdem leidet er immer noch unter seinem Hunger nach Menschenfleisch, kann in dieser Rolle jedoch nicht jeden der Soldaten gänzlich überzeugen. Vor allem der zusehends dem Wahnsinn zu verfallen drohende Kriegsversehrte Captain Boyd ist dem Fremden gegenüber mehr als misstrauisch, verspürt darüber hinaus aber selbst auch andauernd ein unbekanntes Verlangen, das ihn martert …
Hier sei lustigerweise erwähnt, dass Guy Pearce, Ironie sei Dank, im richtigen Leben Vegetarier ist. Laut seinem Kollegen Robert Carlyle hatte er immense Probleme mit den Szenen, in denen der Charakter Boyd Fleisch zu sich nehmen musste, welches der Schauspieler dann gleich nach dem Cut wieder ausgespuckt hatte. Allerdings kam dies natürlich der Glaubwürdigkeit bezüglich Boyd’s angewiderter Aversion gegenüber der köstlichen Speise durchaus zugute.
Ansonsten wird munter geschlitzt und Fleisch gerissen, es gibt eine manische, von wilden Fiedelklängen untermalte Verfolgungsjagd durchs Dickicht der Sierra Nevada, für einen Horrorfilm unüblich kein einziges paar nackte Titten und einen gelungenen Showdown.

Alles in allem behandelt der Plot also die Frage nach dem Warum und dem Wie – warum wird jemand zum Kannibalen und wie geht er damit um? Stellt er sein eigenes Überleben, dem darwinschen Archetypen gleich, in den Vordergrund und geht buchstäblich über Leichen, um letztendlich den Status eines einsamen, elitären Raubtiers zu erlangen? Oder sind ihm Vertrauen und menschliche Nähe wichtiger und schöpft er seine Kraft aus dem Miteinander und/oder dem Glauben? Auch der Glaube spielt eine große Rolle und letztendlich wird es gar ein wenig existenzialistisch. So oder so sei bereits an dieser Stelle wenigstens so viel verraten, jeder der Akteure trifft letztendlich für sich selbst seine Wahl, mit der er zwangsläufig leben muss; sofern er noch lange zu leben hat …

 

Nach insgesamt 97 teils atmosphärisch dichten, teils recht brutal-blutigen und immer mal wieder durch zynische Humoreinlagen gewürzten Minuten hat man sich dann auch an der Schlachtplatte satt gegessen und genießt ein Ende, das einen doch recht unkonventionellen Horrorfilm genreuntypisch schlüssig auslaufen lässt. Geradezu nüchtern wurde eine innovative Story ohne großartige Spezialeffekte oder -Stunts, weitestgehend durch ein gutes Skript und überwiegend ordentlich agierende Darsteller vorgetragen. Allerdings fehlt dem Ganzen einfach die alles überspannende Ernsthaftigkeit, um wirklich den Zuschauer gefangen zu nehmen, ihn dazu zu drängen, sich ernsthaft mit den Fragen, die der Streifen eindeutig stellt, selbst auseinander zu setzen, zu oft wirkt das Dargebotene einfach gewollt komisch. Um das zu erreichen, hätte es auch noch einiges an Tiefe bedurft oder möglicherweise einer längeren Laufzeit mit einem intensiveren, weiter ausholenderen Plot. So bleibt ein etwas anderer Beitrag aus der Kannibalen-Ecke, der sich trotz allem von üblichen Themenverwandten abheben kann und seinen Hauptauftrag, nämlich zu unterhalten, erfüllt hat.


Ravenous - Friss oder stirb (1999) , 7.8 out of 10 based on 4 ratings

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Geschrieben von Autor | Classic - Reviews, Reviews (Filme)

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