Plus/Minus- Es (1990)

Inhalt

Im Mittelpunkt der Geschichte stehen Bill, Mike, Ben, Beverly, Stan, Richie und Eddie, die ein dunkles Geheimnis aus ihrer Vergangenheit verbindet. Eines Tages erhalten sie die Nachricht, dass ES zurückgekehrt ist und sie sich wegen eines 20 Jahre alten Schwurs wieder vereinen müssen, um das Böse zu bekämpfen. Damals hat ein Dämon mit einer Clownsmaske Kinder getötet, unter anderem auch Bills Bruder. Die Kinder haben sich gegen das Monster zusammengetan und es zurück in den Untergrund gejagt, im Glauben es vernichtet zu haben, doch das Böse stirbt nicht so schnell. Im Gegenteil: alle 20 Jahre erwacht es um zu fressen.

Alex’ Meinung:

Ein Buch von Horror-Spezialist Stephen King so zu verfilmen, dass die Fangemeinde den Film annimmt, ist an sich schon nahezu unmöglich. Oft werden für die Leserschaft wichtige Aspekte heruntergekürzt, Charaktere vernachlässigt oder der Horroranteil der Geschichte auf ein für das TV-Publikum ertragbare Maß heruntergeschraubt.
Bei der Verfilmung seines Bestsellers ES ist dies jedoch nicht so. Regisseur Tommy Lee Wallace, der sich hauptsächlich mit Fortsetzungen bekannter Horrorfilme einen Namen machen konnte (Halloween 3, Amityville 2, Fright Night 2) scheint die Vorlage wirklich gelesen und verstanden zu haben.

Die “Jagdausflüge” von ES lassen sich mehrere Jahrhunderte zurückverfolgen, was auf den Betrachter eine tiefe Wirkung hat, die ähnlichen TV-Produktionen dieser Zeit nicht gelang, denn das Monster scheint hier übermächtig zu sein und immer wiederzukommen, egal was man tut. Das reduziert die Beteiligten zu Statisten, die scheinbar nichts gegen das Ungeheuer, das ihnen auf den Fersen ist, unternehmen können, denn es scheint allmächtig, allwissend und unsterblich zu sein.

Was die Verfilmung von ES so spannend macht ist der Zusammenhang zwischen dem jetzigen Geschehen und den Erinnerungen der Protagonisten. “Angst” ist ein ganz zentraler Punkt der Geschichte, denn jeder hat vor irgendetwas Angst. Das Monster, das alle in Ermangelung einer Definition “ES” nennen und das sich als Clown verkleidet, um Kinder anzulocken, zu verschleppen und dann in seiner Höhle zu fressen, kennt die Ängste eines jeden Menschen und spielt diese gnadenlos gegen sie aus.
Dabei kann er jede nur erdenkliche Gestalt annehmen und zerrüttet jeden, der mit ihm zu tun hat, weiß um den wundesten Punkt eines Menschen und verbeißt sich darin.
Tim Curry, den viele aus der “Rocky Horror Picture Show” kennen, gibt das mordende Clownmonster Pennywise mit einer Energie und Spielfreude, die deutlich zeigt, welch sardonischen Spaß er daran hatte. Wenn Pennywise lacht, dann auf einer Beerdigung. Wenn das Monster in eine seiner zahlreichen Verkleidungen schlüpft und sich durch eine Kleinigkeit verrät, dann ist man stets aufs Neue erschüttert, fühlt sich hintergangen und traut irgendwann niemandem mehr das zu sein, was er zu sein vorgibt.

Der Film bezieht seine Stärken vor allem aus der unheimlichen Atmosphäre die er erzeugt und überzeugt besonders dann, wenn sich Kreise in der Geschichte schließen, durch Erinnerungen und dem geschehen in der Gegenwart. Die Schauspieler machen ihre Sache für eine TV-Produktion sehr gut und auch die Kinder überzeugen mit ihrem Spiel. Ein ganz großes Plus, das die Atmosphäre des Films mitträgt, ist die Musik von Richard Bellis, die dem Gesehenen den nötigen Gruselcharakter verleiht. Einzig der Showdown, in welchem man die wahre Gestalt des Monsters sieht, enttäuscht und hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack, denn das schlecht animiert Stop-Motion-Spinnen-Monster mit dem wandlungsfähigen und nahezu unverwundbaren Clown in Einklang zu bringen, ist schier unmöglich. An dieser Stelle musste scheinbar einfach ein leicht konsumierbarer Schluss her, der keine Fragen beantworten sondern lediglich dem typischen “Alien”-Mainstream folgen sollte.

Fazit: ES ist eine der besten und unheimlichsten Stephen King Verfilmungen, die es je gegeben hat. Das Manko des misslungenen Showdowns kann man guten Gewissens den nichtvorhanden Spezialeffekten dieser Zeit ankreiden. Wer das Buch gelesen hat, wird Unterschiede feststellen, doch umso öfter findet er sich auf bekanntem Terrain wieder und Auge in Auge mit der Bestie aus dem Buch. Grandioses Horror-Kino und defeinitv ein Klassiker, an dem sich künftige King-Verfilmungen messen müssen.

[xrr rating=9/10]

Micks Meinung:

9 Sterne???
Selbst wenn man mit allen inhaltlichen Belangen einverstanden ist, wäre es angemessen alleine für die Aufmachung 2-3 von den 10 möglichen Sternen abzuziehen.

ES ist kein Kinofilm, ES ist keine Straight-to-Video Produktion, ES ist ein TV-Film mit allem was dazugehört…oder aber fehlt.

Regisseur Tommy Lee Wallace ist Profi in Sachen TV-Film, aber mit seinen Ausflügen ins Horror-Genre konnte er nie recht überzeugen. HALLOWEEN 3 ist für viele Menschen der schwächste Teil der langen Halloween-Reihe. VAMPIRES: LOS MUERTES ist das schwächere Sequel eines schon nicht sehr starken Originals. Und ES kann ebenfalls nur sehr bedingt überzeugen.

Die Darstellerriege von ES besteht ebenfalls aus TV-Darstellern und überzeugen mit Mittelmäßigkeit. Dass der Bill Denbrough-Darsteller früher als John-Boy Walton in Erscheinung trat, wirkt allzu passend.
Besonders die Kinder-Darsteller leiern ihre Dialoge mit wenig Hingabe herunter und haben auch mal in bedrohlichen Situationen die Hände in den Hosentaschen. Dabei muss man ihnen zugutehalten, dass das Drehbuch ihnen oft genug einfach hohle Phrasen in den Mund legt, die wenig Relevanz haben.

Einerseits scheint man bemüht, möglichst  viele Szenen der Buchvorlage zu übernehmen und auch auf die Eigenheiten der Protagonisten einzugehen, andererseits werden viele Zusammenhänge und Hintergründe verschluckt.
Sicher ist es schwer Stephen Kings über 1000 Seiten dickes Buch in 3 Stunden wiederzugeben, andererseits sollte man denken, dass diese Zeit ausreicht um den Figuren etwas mehr Tiefe zu verleihen. Das Buch ist zudem unheimlich und brutal und ES ein übermächtig starker Gegner. Im Film ist davon wenig übrig.

Der ein oder andere Zuschauer mag sich davon täuschen lassen, dass Jim Curry als Clown Pennywise tatsächlich einige gruslige Momente aufweisen kann und sicher der Höhepunkt des Films ist.
Schwerer nachzuvollziehen ist aber, dass jemand der das großartige Buch kennt,  dem Film noch 9 Sterne geben mag.
Die Plastik-Spinne im Showdown ist dabei nicht nur visuell ärgerlich, sondern stuft das Wesen, das ES eigentlich darstellt um viele Stufen herunter. Die schwachen Effekte ziehen sich jedoch durch den ganzen Film. Mit dem Alter lassen sich Frisuren und Mode entschuldigen, aber können zahlreiche ältere Filme bessere FX vorweisen und auch von King gibt es diverse bessere Verfilmungen; jüngere und ältere.

Auch wenn ES in der Horrorwelt einen guten Ruf besitzt, bin ich der Meinung dass dies nur daran liegen kann, dass die 90er Jahre verhältnismäßig dünn mit Horrorfilmen belegt waren.
Nein, ES ist nicht besser als 4 Sterne und wenn man die Verfilmung zudem mit dem Buch vergleichen will, darf man noch einmal 1-2 Sterne abziehen.

[xrr rating=4/10]

Facts

Darsteller Tim Curry, John Ritter, Johnathan Brandis, Seth Green
Regie Tommy Lee Wallace
Drehbuch Stephen King
Länge ca. 180 min
FSK ab 16
Veröffentlichung 1990
Verleih/Vertrieb Warner Home Video
Sonstiges Komponist: Richard Bellis

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Geschrieben von Autor | Reviews (Filme)

6 Kommentare

  1. Märy Cherry
    06 Feb 2011, 4:41 pm

    also der hat mir in jüngeren Jahren schlaflose Nächte bereitet ;D müsste man sich ja direkt mal wieder anschauen :))

  2. Alex1979
    07 Feb 2011, 6:11 am

    Schlaflose Nächte 😉

  3. Stan Beec
    09 Feb 2011, 9:59 pm

    Aus unserer heutigen verwöhnten sicht sicher keine 9 sterne aber aus der sicht von 1990 ganze 9 sterne. Habe in mit 12 an geschaut und seit dem hasse ich clown’s =). Der Film hat sehr gute ideen und momente gehabt.

  4. Alex1979
    10 Feb 2011, 3:16 pm

    Sehe ich auch so. Wenn man mal schaut, was da noch alles rauskam (Nightbreed, Braindead…), da war ES schon einer der komplexeren Filme. Zu der Zeit war man auch noch nicht gestählt durch BB, DC und GZSZ;)

  5. Märy Cherry
    10 Feb 2011, 6:25 pm

    jaaa schlaflos weil ich NICHT einschlafen konnte – vor lauter Angst vorm Pennywise ^^

  6. NiGhTmArE JuLiScHa
    20 Mai 2011, 9:52 pm

    Einfach Nur Geil der Film Könnte Den jeden Tag Sehen 😉 … 😀 … 5 Sterne Dafür …

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