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Menschenfeind (1998)

: Philippe Nahon, Blandine Lenoir, Franckie Pain, Martine Audrain, Olivier Doran
: Gaspar Noé
: Gaspar Noé
: ca. 89
: 18
: 27.04.2004
: Legend/Universum
: Frankreich
Unsere Wertung
10.0
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7.1

Menschenfeind (1998)

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“Du wirst allein geboren, du lebst allein, du stirbst allein. Allein, immer allein.“ Nur eine der wahren Aussagen des Hauptcharakters im ersten Langfilm Menschenfeind des argentinisch-französischen Regisseurtalents Gaspar Noé, der an die Geschehnisse vom 1991 gedrehten Kurzfilm „Carne“ anknüpft. Der Schlachter ohne Namen (Philippe Nahon) hat nach dem Mord am vermeintlichen Vergewaltiger seiner Tochter (Blandine Lenoir) eine langjährige Haftstrafe verbüßt und wird jetzt wieder ins System gespuckt, nur mit ein paar Francs in der Tasche.Während der gesamten 89 Minuten verfolgt man nun, wie ein auf sämtlichen Ebenen gescheiterter Mann versucht, den Rest seines Scheißlebens lang irgendwie über die Runden zu kommen. So geht er zum Beispiel eine oberflächliche, von Belanglosigkeiten, Egoismus und Verachtung versetzte Beziehung zu einer fetten Wirtin (Franckie Pain) ein. So erhofft er sich, mit ihrem Geld wieder an eine eigene Schlachterei zu bekommen. Er bewirbt sich sogar auf Aushilfsarbeiten und wird schließlich Nachtwächter in einem Altenheim.

Angst, Tod, Hoffnungslosigkeit und die allgegenwärtige Einsamkeit sind die ganze Zeit präsent; bei all dem Negativen geht es aber auch um Liebe. Die Liebe des Mannes zu seiner autistischen und stummen Tochter. Doch diese Art von Liebe ist anders als das, was sich die Allgemeinheit darunter vorstellt. Die Quintessenz des Ganzen, wie bereits angedeutet, wäre, dass jeder Mensch, mag er noch von so vielen Artgenossen umgeben sein, mit sich allein ist. Wenn man sich dann zu allem Überfluss auch noch selbst hasst, kommt das dabei raus, was der Hauptfigur widerfährt. Nämlich ein immer währender Kampf mit sich selbst, mit der ungeliebten Umwelt, dem dreckigen Leben. Als Kind missbraucht, von der Gesellschaft verachtet und verstoßen, muss der Metzger erleben, wie es in der tristen französischen Provinz – aber auch letztendlich überall anders in der Welt – zugeht, wenn man nichts hat, nichts ist und es keinem auffallen würde, wäre man von Jetzt auf Gleich nicht mehr präsent.

In blassen Farben folgt man einer wandelnden Leiche auf ihrem Weg aus dem Knast quer durch Frankreich. Und das ohne Musik oder großartig viel Gerede – allgemein ist jeglicher Versuch der Kommunikation zwischen zwei oder mehreren Personen sowieso mehr eine Art Schmerzensschrei als die Mitteilung von irgendetwas Sinnvollem. Wenn dann der Streifen, welcher anfangs als „Film mit expliziter Gewalt- und Sex-Darstellung“ tituliert wird, nach eineinhalb Stunden Wahnsinn mit einer denkwürdigen Szene – ob man sie als Happy End ansehen möchte, sei dahingestellt – endet, bleibt ein mulmiges, vollkommen destruktives Gefühlzurück. Man bekommt einen Spiegel vorgehalten und sollte sich fragen „Hat er nicht Recht? Habe ich selbst das nicht auch schon genauso erlebt?“

Menschenfeind (1998), 7.1 out of 10 based on 15 ratings

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