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Lars von Trier’s Riget – Hospital der Geister (1994/1997)

: Ernst-Hugo Järegård, Kirsten Rolffes, Søren Pilmark, Ghita Nørby, Jens Okking, Udo Kier
: Lars von Trier
: Lars von Trier
: 44 Minuten pro Episode
: 16
: 12.05.2005 (Uncut-DVD)
: Koch-Media
: Dänemark
: mehrere verschiedene Schnittfassungen
Unsere Wertung
8.0
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9.0

Lars von Trier’s Riget – Hospital der Geister (1994/1997)

zzzLars von Trier ist mit Sicherheit einer der Künstler, die mit ihren filmischen Ergüssen jedes Mal aufs Neue Zuschauerschaft und Kritiker gleichermaßen spalten und das gehörig. Mit Riget (oder im Deutschen Hospital der Geister) hatte sich der dänische Exzentriker den Traum von einer eigenen TV-Serie erfüllt, die leider aufgrund von Ereignissen, die ich im weiteren Verlauf noch erörtern werde, nur eine Miniserie geblieben ist.

Man nehme typische, meist schnulzige Krankenhausserien wie Emergency Room, Chicago Hope oder Miami Medical, mixe sie gehörig durch mit Geistererscheinungen, schrillen Charakteren sowie dem typisch nüchternen, trocken-schwarzen Humor der Dänen, passe das Ganze an die Maxime des Dogma 95 an und man erhält eine der am krassesten unterschätzten und kurzweiligsten Mini-TV-Serien der letzten Jahrzehnte.

Schauplatz der beiden in den Jahren 1994 und 1997 realisierten Staffeln ist ausschließlich das Königliche Reichskrankenhaus Kopenhagen, in einer Handvoll Szenen sind auch Straßenzüge rund um das Gebäude zu sehen. Hier gehen seltsame, gar übernatürliche Dinge vor und die Einzigen, die darüber Bescheid zu wissen scheinen, sind zwei mongoloide Angestellte aus der Spülküche, die man immer mal wieder bei ihren auf den ersten Blick sinnlos erscheinenden Gesprächen während der Arbeit beobachten kann.

Lars von Trier

Lars von Trier

Außer ihnen scheint nur noch die hypochondrial veranlagte Sigrid Drusse zu spüren, dass etwas in den alten Gemäuern des Klinikums nicht mit rechten Dingen zugeht – glücklicherweise ist ihr Sohn Bulder Pfleger in der am häufigsten heimgesuchten und im Fokus stehenden Abteilung der Neurochirurgie und kann die immer neuen Versuche der Einlieferung seiner Mutter halbwegs decken. Ihnen zur Seite steht auch der Assistenzarzt Krogshøj, welcher in den Kellergewölben des Krankenhauses lebt, mit geklauten Narkotika handelt und in seiner Tätigkeit als Vertuscher auch noch ein mysteriöses Phantom jagt, das scheinbar verstorbene Seelen mit einem alten Krankenwagen anliefert.

Doch es gibt noch andere, skurille Charaktere in der von Prof. Moesgaard geleiteten Neurochirurgie. Selbiger kämpft wegen seiner immer weiter fortschreitenden, psychischen Problemen zu schuldenden Hilflosigkeit gegenüber der immer angespannteren Atmosphäre in der Abteilung gegen den Schweden Dr. Helmer um den Titel des abgedrehtesten Charakters der Serie. Eben erwähnter Helmer zeichnet sich durch seinen inständigen Hass gegenüber allem Dänischen aus, was er jeden, dem er über den Weg läuft, auch spüren lässt. Seine einzigen Freuden sind sein Volvo, seine Freundin Rigmor, wegen der er sich trotz allem an Dänemark gebunden fühlt und seine regelmäßigen Ausflüge aufs Dach. Von dort aus kann er nämlich nach Schweden herübersehen und auch den Atomreaktor Barsebäck erblicken, der laut ihm schon bald mithilfe einer Kernschmelze ganz Dänemark vernichten wird.

Udo Kier

Brüderchen Frederik

Innerhalb eines alten Hospitals mit ganz eigenem Charme folgt man nun über 11 Episoden (TV-Version) dem in schwachen Farben per nicht von allen positiv aufgenommener Handkamera gefilmten Treiben der Belegschaft und an dieser Stelle nicht näher definierten, übernatürlicher Kräfte, die das Krankenhaus beinahe zum Leben erwecken zu scheinen.

Durch den beliebten dänischen Humor, geschickt vermischt mit den Elementen aus Arztserie und Horror, entwickeln sich immer wieder Nebenplots, die sich parallel zur Suche der Frau Drusse nach den Ursprüngen blutiger Wände oder Klagelaute im Aufzugsschacht auf höchst amüsante oder gar tragische Weise dem Zuschauer präsentieren. Dabei kommt das Ganze wiederum wie eine Mischung aus Dokumentation, Homevideo, Soap und Horrorfilm daher. So gibt es zum Beispiel einen sexsüchtigen Anatomiestudenten, der nicht eher ruhen mag, bis er nicht die heiße Nachtschwester des Schlaflabors flach gelegt hat. Auch Dr. Helmer hat neben seinem Hass auf Dänemark trotz seines harten und gefühlskalten Innenlebens hart daran zu kämpfen, dass durch eine von ihm versaute Operation ein kleines Mädchen für immer behindert sein wird. Kurz bekommt man sogar einen übergroßen Säugling zu sehen, der in einem Ganzkörperfixator steckt und den Kopf von Udo Kier trägt …

Helmer

Helmer

Wer hier eine Serie vermutet, die auch nur im Entferntesten mit einer stinknormalen Freitag-Abend-Soap oder sogar einem Standard-Geisterflick im Stile von 13 Geister zu vergleichen wäre, sollte lieber nicht zuschlagen. Allen anderen sei diese völlig neue, sehr sympathische Erfahrung inform eines erfrischenden und doch düsteren Genremix in einer der vielen, veröffentlichten Fassungen zu empfehlen.

Von Trier beschloss, die Serie nicht weiterzuführen, als in kurzen Abständen sowohl Ernst-Hugo Järegård (Helmer) als auch Kirsten Rolffes (Fr. Drusse) und drei weitere Darsteller verstarben und bot sein Skript für Staffel 3 dem befreundeten Stephen King für dessen Serie Kingdom Hospital an.

 

Lars von Trier's Riget - Hospital der Geister (1994/1997), 9.0 out of 10 based on 1 rating

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Geschrieben von Autor | Classic - Reviews, Reviews (Filme)

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