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Kill List (2011)

: Neil Maskell, MyAnna Buring, Harry Simpson
: Ben Wheatley
: Ben Wheatley, Amy Jump
: 92 min.
: ab 18
: 06.04.2012 (DVD+BD)
: Senator
: UK
Unsere Wertung
7.0
VN:F [1.9.22_1171]
User Score:
4 votes
8.3

Kill List (2011)

Nachdem wir uns gestern über LIVID unterhalten haben, steht mit KILL LIST heute ein weiterer Film an, der dem Zuschauer einiges abverlangt und am Ende doch gemischte Gefühle und Fragezeichen zurücklässt.
Damit enden aber auch die Parallelen, denn während LIVID sich einer schwarz-poetischen Bildersprache und Elemente des Fantastischen bedient, ist KILL LIST roh wie ein englisches Steak.

8 Monate nach einem missglückten Auftragsmord in Kiew, sitzt Jay (Neill Maskell; DOGHOUSE) tatenlos bei Frau und Kind zuhause. Das Geld wird allmählich knapp und damit wächst die Spannung zwischen dem Paar.
Da kommt Kumpel Gal gerade recht, der einen Auftrag in Aussicht stellt. Jay nimmt nur zögernd an und während zunächst alles nach Plan läuft, müssen die beiden rasch feststellen, dass sie selbst zum Spielball größerer Mächte werden.

Regisseur Ben Wheatley lässt es langsam angehen und stellt uns bei einem gemeinsamen Abendessen in aller Ruhe die Figuren vor. Zunächst wirkt Jay wie ein normaler Typ, der wie jedermanns Nachbar aussieht, doch schon beim Dinner eskaliert die Situation kurzzeitig, als Shel -gespielt von MyAnna Buring (THE DESCENT)- ihm vor Gal und dessen neuer Freundin Fiona die schwierige finanzielle Situation vorwirft.
Gal erweist sich dabei durch und durch als Freund, der sich um den verstörten Sohn kümmert, während das Paar streitet.

Auch als die beiden den Job annehmen und ihre Opfer ausspionieren, wirken sie mehr wie Freunde auf Ausflug als zwei Typen, die im Begriff sind Menschen zu ermorden. Dadurch fühlt man sich als Zuschauer auch dank Anflüge von schwarzem Humor leicht an Tarantino-Filme erinnert, bevor der Film gegen Halbzeit dunkle Töne anschlägt.

Man sollte in einem Film über Auftragsmörder mit Gewalt rechnen und doch ist man überrascht, wie plötzlich diese auftaucht und wie brachial insbesondere Jay zu Werke geht. Der Hintergrund dafür findet sich auf gefundenen Videos, die dem Beobachter aber ebenso vorenthalten bleiben wie Details zu dem verpfuschten Auftrag in Kiew, der immer wieder erwähnt wird. Was uns hingegen in deutlichen Bildern gezeigt wird, ist Jays Reaktion auf die Videos.

Für Cineasten ist KILL LIST sicher ein Alptraum, da der Film wirkt, als habe man die Nachbearbeitung vergessen. Ungelenke Schnitte, improvisierte Dialoge, 08/15-Kulissen und trotzdem passt all das zueinander und ist weniger handwerkliches Versagen als pure Absicht.

Ob es auch Absicht ist, dass KILL LIST sowohl in seiner Gesamtheit, als auch in einzelnen Szenen an A SERBIAN FILM  erinnert, ist fraglich. Beim Serben stand zwar der Pornostar im Mittelpunkt, der zunehmend in einen Sog aus perverser sexueller Gewalt gezogen wurde, der wird hier aber durch den ohnehin perversen Beruf des Hitmans ersetzt. Die finanziellen Motive einen letzten Auftrag anzunehmen ähneln aber ebenso einander wie der Strudel der Ereignisse bis hin zum Finale.
Auch verschiedene THE WICKER MAN-Referenzen lassen sich nicht verleugnen.

Während man A SERBIAN FILM nicht mögen musste und des Öfteren ein doppelter Boden unterstellt wurde, war das Offensichtliche dennoch leicht zu verstehen. Das verhält sich mit KILL LIST anders und wenn der Abspann startet fragt man sich zunächst, ob vielleicht der Cutter noch ein paar wertvolle Minuten entfernt hat.

ACHTUNG SPOILER:
Wer sich die Mühe macht KILL LIST noch einmal von Anfang an zu sehen, wird schon früh ein paar Hinweise auf die späteren Ereignisse finden.
Wenn Fiona beim Abendessen nebenbei darüber spricht, dass sie dafür zuständig ist, in ihrem Unternehmen überflüssige Arbeitskräfte zu entlassen, gewinnt diese Aussage rückblickend eine andere Bedeutung.
Wer oder was ist aber der Kult, für den Jay und Gal unbewusst arbeiten? Wir sehen wie sich eine Frau bei einem Ritual selbst erhängt und die Opfer auf der Liste scheinen für ihren Tod dankbar zu sein. Haben wir es also mit einem obskuren Selbstmordklub zu tun?
Oder ist Jay eine Art Anti-Jesus, den die Opfer daher kennen, weil sie seine Ankunft bereits erwarteten. Demzufolge wären die Morde wohl Prüfungen, die ihn auf seine Herrschaft über den Kult vorbereiten. Nach der finalen Tötung seiner Familie kürt man ihn jedenfalls mit einer Art Krone, ein unmissverständliches Zeichen.
Der Schnitt, den ihm der Auftraggeber in die Hand versetzt, erinnert nicht nur an jeden Pakt mit dem Teufel, der je im Film gezeigt und stets mit Blut besiegelt wurde, sondern sorgt auch für eine Infektion, die sich in seinem Körper ausbreitet, so wie sich auch seine Gewaltbereitschaft in einem Maße ausbreitet, die sogar Partner Gal schockiert. Oder bildet dieser Schnitt nur den symbolischen Ausgang für die Brutalität, die Jay bereits in sich trägt?
Und was zur Hölle geschah in Kiew? Ebneten die dortigen Ereignisse den Weg für alles, was im Film geschieht?
SPOILERENDE

Wie bei LIVID gilt zum einen, dass manche Antworten wohl jedem selbst überlassen sind, zum anderen, dass KILL LIST für Leute, die Spaß an Rätselraten und Interpretieren haben, sehenswert ist, aber nicht in Kategorie „Unbeschwerter Spaß“ fällt. Unkonventionell ist das Werk aber auf jeden Fall.

Kill List (2011), 8.3 out of 10 based on 4 ratings

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Geschrieben von Mick | Reviews (Filme)

1 Kommentar

  1. Wirthi
    09 Apr 2012, 5:38 pm

    Der Trailer sieht nicht gerade spektakulär aus. Aber mal schauen wie “Kill List” so ist 🙂

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