Interview mit Martina Ittenbach

HP: Martina, es gibt nicht viele deutschsprachige Schauspielerinnen, die in Horrorfilmen wie CHAIN REACTION oder DARD DIVORCE mitspielen.
Du gehörst neben Franka Potente (CREEP) und Antje Traue (PANDORUM) scheinbar zu einer eher seltenen Gattung.

Woran liegt das Deiner Meinung nach?

MI: Nun ja, es gibt nicht besonders viele deutsche Schauspielerinnen, die es toll finden, im Kunstblut zu baden und auch mehr oder weniger provokante Rollen zu spielen. Das sieht in anderen Länder schon anders aus.
Bei uns in Deutschland ist der Horrorfilm an sich gesellschaftlich nicht großartig vertreten und ich würde mich natürlich sehr darüber freuen, wenn auch dieses Genre mehr Anerkennung finden würde.

HP: Wie kamst zum Horrorfilm?

MI: Durch eine kleine Anzeige im Internet, in der Schauspielerinnen für einen Horrorfilm gesucht wurden. Genau das wollte ich schon immer einmal ausprobieren!
Ich wollte wissen, wonach Kunstblut schmeckt und, was mich am meisten beschäftigte, wie spielt man es zu sterben, erstochen oder erschlagen zu werden, und wie funktioneren all diese Tricks.
Zu dieser Zeit arbeitete ich nämlich als Schauspielerin am “Münchner Theater für Kinder“, das absolute Gegenteil! Danach hatte ich im wahrsten Sinne des Wortes Blut geleckt.
Der Dreh zu GARDEN OF LOVE hat mir so gut gefallen, dass ich mir vorgenommen habe, auf jeden Fall noch ein paar Horrorfilme zu drehen, was ja dann in den darauf folgenden Jahren geklappt hat.

Martina Ittenbach in HOUSE OF BLOOD

Martina Ittenbach in HOUSE OF BLOOD

HP: Würdest Du Dich als “Scream-Queen” bezeichnen?

MI: Ich wurde mal in einem anderen Interview “deutsche Horror –Queen” genannt. Das hat mich sehr gefreut und diesen “Titel” trage ich gerne. Aber ich selbst würde mich nicht als “Scream-Queen” bezeichnen.

HP: Wie siehst Du die Entwicklung des Horror-Genres?

Dazu werfe ich einfach mal wie beim Brainstorming die Begriffe “Found-Footage”, “Torture-Porn” und “Remakes” in den Raum:

MI: Es entbehrt jeglicher Ehre eines Filmemachers, ein Found-Footage zu verwenden. Dies waren Stilmethoden der 80er Jahre. Heutzutage würde es in keinem Fall mehr angemessener Verfilmungen entsprechen. Es gibt gute Torture-Porn Filme. Jedoch sehe ich in diesem Genre die Zeit als abgelaufen. Der Trend liegt bei Remakes. Da gibt es sehr wohl gute Remakes, als auch schlechte. All dies ist Ansichtssache des Betrachters.

HP: Was hältst Du von französischen Filmen wie MARTYRS oder HAUTE TENSION, die heiß diskutiert werden und stark polarisieren?

MI: Ich finde französische Horrorfilme wahnsinnig gut, da sie einfach Grenzen überschreiten, die man in amerikanischen Filmen immer hingehalten hat.
Man schert sich dort wenig über Zensur und sonstige Vermarktungsschwierigkeiten und gibt das preis, was man einfach denkt und den Zuschauer verängstigen kann.

Martina Ittenbach in DARD DIVORCE

Martina Ittenbach in DARD DIVORCE

HP: Deutschsprachige Produktionen, die international überzeugen können, sind leider immer noch eher die Ausnahme, im Gegensatz zu amerikanischen oder asiatischen Filmen.
Woran könnte das liegen?

 

An der Menge oder der Qualität?

MI: Es tut mir leid, dies behaupten zu müssen, aber es liegt in meinen Augen einfach an der Qualität!

HP: Hast Du ein Vorbild als Schauspielerin?

MI: Es zählen auf jeden Fall generell amerikanische Schauspieler zu meinen Vorbildern, was allerdings nicht unbedingt nur deren Schauspielleistungen angeht, sondern auch deren Verhalten an einem Filmset.
Das heisst nicht, dass deutsche Schauspieler sich nicht zu benehmen wissen, aber im Großen und Ganzen verhalten sich Schauspieler aus den USA um einiges professioneller.
Daran habe ich mir ein Beispiel genommen.

HP: Welchen Deiner Filme würdest Du als Deinen Lieblingsfilm bezeichnen?

MI: LEGEND OF HELL wird mein Lieblingsfilm sein. Die Dreharbeiten dauerten wirklich lange und waren teilweise sehr anstrengend. Nur in diesem Film hatte ich gleich mehrere verschiedene Rollen darzustellen, denn der Film spielt in der Astralwelt und handelt auch von “früheren Leben”. Diese verschiedenen Facetten zu zeigen, war klasse.
Ich habe den Rohschnitt mehrmals gesehen, auch wenn der Ton noch unterbrochen war und es keine Lichtbestimmung gab, hat mich LEGEND OF HELL gepackt.
Dazu kommt, dass wir an vielen verschiedenen, wunderschönen Orten gedreht haben. Highlight war dann ein einwöchiger Dreh in Spanien, unter anderem zusammen mit exotischen Tieren.
Das waren Erfahrungen, die macht man nicht jeden Tag.

Martina Ittenbach am Set von LEGEND OF HELL

Martina Ittenbach am Set von LEGEND OF HELL

HP: Gibt es eine Situation während eines Drehs, die für Dich besonders herausfordernd oder sogar gefährlich war?

MI: Da bei allen Produktionen immer ein sehr großer Wert auf Sicherheit gelegt wurde, kam mir demnach auch nichts besonders herausfordernd vor, auch wenn es oft nicht gerade ungefährlich war.

HP: Was war die komischste Panne, die bei einem Dreh passiert ist?

MI: Es gab generell viele komische und abgefahrene Situationen beim Dreh. Wir haben manchmal so viel gelacht, dass wir uns sehr konzentrieren mussten, die ein oder andere Szene durch zu ziehen.
Bei CHAIN REACTION zum Beispiel gab es diese ruhige und traurige Szene, in der ich mich von dem kleinen Jungen verabschieden muss, da kam es das erste Mal vor, dass ich vor Lachen einen Szene abrechen musste, denn mein Hund Jackie, die auch in dieser Szene anwesend sein musste, hat genau während des Drehs aufs Klo müssen. Zudem hat sie noch während meines Textes auf einem Holzstecken rumgekaut und das war weder für mich, noch für alle anderen nicht zu überhören. Das ganze Team hat gelacht!
Dann gab es auch einfach Tage die einem so absurd vorkamen, wenn z.b. Mittagspause war und wir beim Essen gegenüber den komplett als Vampire geschminkten Statisten saßen. Das war ein Anblick, den vergisst man nie!

HP: Wie denkst Du über ein Filmprojekt wie DAHMER vs. GACY, bei dem, anders als bei FREDDY vs. JASON, reale Serienmörder Pate stehen? Wie weit darf Horror in Sachen Provokation gehen?

MI: Also, FREDDY vs. JASON habe ich selbstverständlich gesehen und der ist für mich eh nur Kasperltheater. Reale Serienmörder in Filmen haben immer etwas Erschreckendes. Ich finde, das ist viel schlimmer und extremer, als irgendwelche gruseligen Monster.
Schockieren sollten Horrorfilme generell, erst dann geht es richtig unter die Haut. Ich finde auch, dass der Provokation “fast” keine Grenzen gesetzt sind. Dafür ist Horror schließlich da!

HP: Welches Buch hast Du zuletzt gelesen oder liest Du gerade?

MI: Ich habe angefangen mit DIE AUSWAHLvon Ally Condie, bin nur leider momentan damit noch nicht recht viel weiter gekommen da es mir an Zeit fehlte. Sonst lese ich auch wahnsinnig gerne die Bücher von Joy Fielding und Karen Slaughter. Mein letztes Buch das ich gelesen habe war IN MEINEM HIMMEL von Alice Sebold. Das hat mir irre gut gefallen und es war ganz anders als die Verfilmung von Peter Jackson.

Martina Ittenbach am Set von LEGEND OF HELL

Martina Ittenbach am Set von LEGEND OF HELL

HP: Auf welchen Film freust Du Dich 2011 ganz besonders?

MI: Schon seitdem ich das erste Mal den Trailer zu WORLD INVASION: BATTLE OF LOS ANGELES gesehen habe, wollte ich unbedingt in diesen Film. Nun habe ich ihn gesehen und wurde leider enttäuscht. Ich hatte mir einfach etwas anderes vorgestellt, z.B. mehr Einführung der Charaktere und vor allem nicht nur fast 2 Stunden lang das Geballere auf die Außerirdischen. Es gab außerdem keine wirkliche Story. Da hätte man viel mehr daraus machen können.
Sonst freue ich mich auf SCREAM 4, bin schon gespannt. Allerdings würde ich auch gerne mal wieder einen richtig gruseligen Film sehen, so etwas wie THE GRUDGE oder BOOGEYMAN. Die waren für mich irre gruselig.

HP: Was werden Deine nächsten Projekte sein?

MI: Derzeit stehen keine aktuellen Projekte an, dahingehend kann ich keine aktuellen Aussagen treffen.

HP: Was ist Deine Horror-Lieblingsfigur?

MI: Früher als ich kleiner war da hatte ich NIGHTMARE ON ELM STREET gesehen und fand Freddy ganz toll! Ich habe sogar eine Freddy Krueger Kurzgeschichte in der Schule geschrieben, darauf war ich lange stolz und komischerweise hat sich keiner aufgeregt über meine ungewöhnliche Horrorgeschichte. Ich habe allerdings keine bestimmte Horror Lieblingsfigur.

HP: Vielen Dank für das Interview.

MI: Sehr gerne!

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Geschrieben von Autor | Interviews

1 Kommentar

  1. Sheri Moon
    29 Apr 2011, 8:20 am

    Cooles Interview!

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