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I Spit On Your Grave 2 (2013)

: Jemma Dallender, Joe Absolom, Yavor Baharov, Aleksandar Aleksiev, Mary Stockley, Peter Silverleaf
: Steven R. Monroe
: Neil Elman, Thomas Fenton
: 106 Minuten (Unrated-Version)
: 18
: 17.10.2013 (AT-Unrated-Bluray)
: Illusion Unlimited Films
: USA
Unsere Wertung
6.0
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10 votes
5.3

I Spit On Your Grave 2 (2013)

vlcsnap-2013-09-10-20h15m22s245Einmal im Leben berühmt sein, im Rampenlicht stehen, etwas darstellen, Anerkennung erfahren. Die Mittzwanzigerin Katie Carter (Jemma Dallender) wagt aus unbekannten Gründen einen Neuanfang in der Weltmetropole New York und hofft, sich dort genau diesen Traum zu erfüllen, als schillerndes Model. Doch gute Fotos sind teuer, trotzdem rät ihr eine Agentin, “ein paar Tausender” zu investieren, denn sie hätte eindeutig Potenzial. Ganz falsch liegt sie da definitiv nicht, Katie ist mittelgroß, mit schönen dunkelbraunen Haaren, einem wohl proportionierten Körper und einem Gesicht, das ausnahmsweise einmal nicht, wie sonst üblich in der Branche, nach dümmlicher Tussi aussieht. Auch sonst scheint die junge Frau nicht dem weit verbreiteten Idealbild zu entsprechen. Sie wohnt allein in einer kleinen Wohnung, kleistert sich nicht übermäßig mit chemischen Helfern zu und kann sogar handwerkliches Geschick vorweisen.

Die Augen sind jedoch größer als der Verstand, als Katie durch Zufall von einer ihr unbekannten Agentur erfährt, die Gratis-Modelfotos verspricht. Anfangs sind die drei offensichtlich aus dem europäischen Ostblock stammenden Brüder Ivan (Joe Absolom), Georgy (Yavor Baharov) und Nikolai (Aleksandar Aleksiev) harmlos und zuvorkommend. Doch als sich schließlich wieder einmal herausstellt, dass es nichts auf dieser Welt umsonst gibt außer dem Tod, offenbart man dem angehenden Star, dass die Gegenleistung für die Modelfotos Aktaufnahmen sind – was damit geschehen soll, kann man sich denken. Dankend lehnt das Mädchen schließlich ab, nichtsahnend, dass sie damit eine Kette von unheilvollen Ereignissen in Gang setzt …

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Denn das schwächste Glied des Brudertrios, Georgy, hat es auf Katie abgesehen, ist geradezu vernarrt in die hübsche Brünette und nähert sich ihr immer weiter an. Doch dies ist erst der Beginn der Abwärtsspirale, an deren Anfang die Überwältigung, Fixierung und schließlich Vergewaltigung der jungen Katie stehen. Nachdem der Boss, Ivan, gehandelt hat, findet sich diese plötzlich in einer ihr komplett fremden Umgebung wieder. Wie sich später herausstellt, wurde sie nach Sofia, der Hauptstadt Bulgariens, verschleppt. Dort betreibt die skrupellose Familie (zu der sich noch Ana [Mary Stockley] gesellt) eine Art Folterkeller, in dem sich zahlungswillige Kunden nach Lust und Laune mit den “Subjekten” vergnügen können.

Schließlich entsorgt man den missbrauchten und geschundenen Klumpen Fleisch, der lebendig begraben seinem Schicksal überlassen werden soll. Aber wie es der Zufall so will, landet der provisorische Sarg in den Katakomben unter dem Haus. Die schwer geschundene und völlig verängstigte Katie hat ihre Freiheit wieder erlangt. Doch nun gilt es noch, etwas zu erledigen, um die Seele von all dem Ballast der letzten Zeit zu befreien …

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2010 machte Regisseur Steven R. Monroe bereits mit seiner Neu-Interpretation des Horroklassikers I Spit On Your Grave von sich reden, durch einige nette Ideen und eine gut agierende Hauptdarstellerin sicherte man sich die Anerkennung des Mainstream- und auch des Maniac-Publikums. In Teil 2, der mit dem Vorgänger nur den Namen gemein hat, wiederholt man schlicht und ergreifend die Geschehnisse um Jennifer Hills (Sarah Butler), tauscht lediglich die Randbedingungen, Schauplätze und Akteure aus, mixt ein paar neue Ideen hinzu, kopiert sich aber trotz allem (selbsterklärend dem Erfolg des ersten Teils wegen) weitgehend selbst.

Das Setting aber stimmt beispielsweise. Dunkle, dreckige Katakomben, smogverhangene und düstere Straßen der bulgarischen Hauptstadt, abgefuckte Keller und ein ranziger Club. Schauspielerisch geht auch die Darbietung der gewählten Mimen in Ordnung, Jemma Dallender verkörpert den gepeinigten Racheengel aber leider nicht so eiskalt und überzeugend wie noch Sarah Butler im vorherigen Teil. Allgemein weiß man auch zu wenig über sie, um großartig Empathie für sie zu empfinden. Man hat eine junge Frau, deren einziges Ziel es ist, sich in selbstgeißelnder Weise dem Establishment zum Fraß vorzuwerfen, ihre Würde für Ruhm und den Schönheitswahn zu opfern. Über die gesamte, spielfilmtaugliche Länge von 106 Minuten wird es zudem immer wieder versäumt, vernünftig und fesselnd Spannung aufzubauen. Hier und da fühlt man sich auf jeden Fall ein wenig unwohl, den verschiedenen Handlungssträngen wird jedoch nicht genug Zeit gelassen, sich anständig zu entwickeln. Ladies and Gentlemen, willkommen im Jahr 2013 …

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Ferner nehmen die Vorgeschichte und die Peinigung von Katie beinahe zwei Drittel des Films ein, während die letzte halbe Stunde die misshandelte Seele auf ihrem Rachefeldzug gegen ihre Peiniger zeigt. Der Stil der Hinrichtungen ist stellenweise richtig gut, in Punkto Brutalität versuchte man auch gar nicht erst, mächtig over-the-top zu übertreiben oder gar neue Ekelrekorde aufzustellen. Allerdings geht auch alles viel zu schnell, man bekommt nicht das Gefühl vermittelt, dass Katie einfach nur schreien könnte (was sie gefühlt den halben Film tut …) vor Verzweiflung und in jeder Minute ihrer Rache ein Stück Dreck von ihrem gepeinigten Herzen absplittern dürfte, dass sie es in ihrem Rachewahn nicht doch irgendwo genießt, “zurückzufoltern”. Nein, viel mehr fühlt man sich an einen planlos wütenden B-Movie-Slasher-Killer erinnert, der halt mal so eben seine Kills abspult. Da helfen meiner Meinung nach auch nicht die immer mal wieder den Spieß umdrehenden, bemüht kalt vortäuschen wollenden Sprüche der Protagonistin. Ich persönlich dachte zum Beispiel zu Anfang, die kleine Szene, die Katie’s Handwerksgeschick zur Schau stellt, könnte später noch einmal in einer Kevin-allein-zu-Haus-artigen Fallenarbeit gipfeln.

Und obwohl man am Ende doch recht abendfüllend unterhalten worden ist, hat man natürlich noch so einige Fragen, denn ohne Logikfehler kommt kein Werk aus. Wie schafften es die Brüder zum Beispiel, ihr Opfer von den Staaten nach Bulgarien zu bringen? Mithilfe geschmierter Zöllner in der Box im Frachtraum? Abgefüllt mit Roofies in der Säuferabteilung im Flieger? Eingepfercht in einen Hundekäfig? Oder wieder besagte Box, die schließlich durch den (wohl morschen Boden) fiel und in den Katakomben wie durch Magie aufging, was war da los? Was ging in Katie vor, als sie erneut an den Ort ihrer Folter gebracht wurde? War sie trotz allen berechtigten Schocks so blind, nicht wenigstens die einfachsten Details wieder zu erkennen?

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I Spit On Your Grave 2 bleibt ein sich schnell und stetig zum Showdown entwickelnder Beitrag zum Rape-and-Revenge- bzw. Torture-Porn-Sektor, setzt alles in allem keine nennenswerten oder neuen Akzente, könnte aber durchaus für den ein oder anderen Akteur, allen voran Ms Dallender, ein Sprungbrett bedeuten bzw. dem Mann auf dem Stuhl, Mr Monroe, die Möglichkeit für neue Arbeiten ermöglichen. Für alle Interessierten wird Illusion Unltd. am 13. Oktober die Unrated-Version auf DVD und Bluray veröffentlichen, wohl mit dem oben verwendeten Cover.

I Spit On Your Grave 2 (2013), 5.3 out of 10 based on 10 ratings

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Geschrieben von Autor | Reviews (Filme)

2 Kommentare

  1. maxe
    26 Okt 2013, 4:49 am

    Grad gesehen, man haben die viel Potenzial verschenkt. Der Rapepart meiner Meinung zu lang und Revenge dann viiiel zu kurz und unspektakulär, abgesehen der letzten Kill.

    Den wahnsinnigen Blick von ihr fand ich richtig gut, im OT kam das Geschreie dem Terrorfeeling sehr zu Gute, also die Hauptdarstellerin fand ich durchweg gut.
    Das dicke Opfer von ihr war hingegen sehr sehr bescheiden, der hätt ruhig noch ein bisschen
    mehr brüllen können 😉

    Vlt ist das Subgenre auch nichts für mich, ich will gore und kein rape und wenn ich eine Stunde rape und dann gefühlte 20min Revenge sehe hätt ichs mir auch schenken können. Und die Wendung, die in Bulgarien stattfindet (will nicht zu viel spoilern) kam mir sehr von Hostel 2 abgekupfert vor :/

  2. Colemarie
    22 Jun 2014, 11:39 am

    Manchmal frage ich mich, warum man es nicht einfach beim ersten Film belassen kann……

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