Hell

Hell (2011)

: Hannah Herzsprung, Stipe Erceg, Angela Winkler
: Tim Fehlbaum
: Tim Fehlbaum, Oliver Kahl, Thomas Woebke
: 85 min
: ab 16
: 26.04.2012 (DVD+BD)
: Paramount
: Deutschland
Unsere Wertung
7.0
VN:F [1.9.22_1171]
User Score:
7 votes
6.0

Hell (2011)

Eines will ich schon loswerden, seit ich zum ersten Mal von HELL hörte: Geiles Wortspiel! Obwohl angeblich noch nicht mal beabsichtigt, ergibt der Titel sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch einen Sinn.

Denn schließlich ist der Widersacher hier zunächst die Sonne, die seit Jahren unerbittlich auf die Erde brennt und im Film im Jahre 2016 dafür sorgt, dass Wasser, Nahrung, aber auch Zivilisation wie wir sie kennen knapp ist.
Inmitten dieser verdörrenden Welt suchen Marie, ihre jüngere Schwester Leonie und ihr „Zweck-Freund“ Phillip einen Ort der Zuflucht in den Bergen. Doch dort geraten sie in einen Hinterhalt einer anderen Gruppe und müssen um ihr Leben kämpfen.

Endzeitstimmung made in Germany. Es ist die Kombination, die HELL zu etwas eigenem macht. Einerseits ist das Szenario aus anderen Filmen bekannt, egal ob diese MAD MAX (weniger) oder THE ROAD (mehr) heißen, andererseits wird das Thema selten aus deutscher Sicht behandelt.
Spielt grundsätzlich aber auch keine große Rolle, denn nach der Apokalypse pfeift man auf Ländergrenzen. Das Kennzeichen des Autos, in dem die drei unterwegs sind, ist jedenfalls kein Deutsches, aber Schlagbäume sind ohnehin längst passé.
Wenn im Radio Musik läuft, ist das zwar ein deutscher Titel, aber es ist Nenas „99 Luftballons“, einer der wenigen weltweiten Hits aus Deutschland. Auch eine Art, wie man gleichermaßen die eigene Identität stärken und den internationalen Markt erobern kann.

Anders als vielleicht erwartet, sind Klimaerwärmung oder ökologische Warnungen nicht Gegenstand des Films. Selbst die grell blendende Sonne verschwindet zeitweise hinter dem Horizont und ist letztlich nur ein Aufhänger für einen Unterhaltungsfilm.
Trotzdem entsteht durch den Einsatz des Himmelskörpers oft ein interessantes Spiel aus Licht und Schatten und zwingt die Protagonisten sich unter Kapuzen zu verstecken und ihr Fahrzeug vor den gefährlichen Strahlen abzudecken. Als Zuschauer bekommt man überbelichtete Bilder, die an einen brutal heißen Sommertag erinnern und selbst im heimischen Wohnzimmer die Temperatur in die Höhe treiben. Dass die Stimmung trotz der optischen Helligkeit dunkel wirkt, ist indes ein gelungenes Kunststück.

Auch wenn Regisseur Tim Fehlbaum im Making-of verrät, dass er eigentlich einen Zombiefilm mit ähnlichen Ansätzen drehen wollte, ist HELL gerade am Anfang kaum als typischer Horrorfilm einzustufen. Das wandelt sich zunehmend gen Ende hin, wenn Kannibalismus thematisiert wird und 1-2 Szenen (auch ohne Säge) an TEXAS CHAINSAW MASSACRE erinnern.

Auf die Charaktere wird Wert gelegt, völlig ausgereift ist die Entwicklung aber nicht, bzw. sie geht letztlich etwas unter. Dafür deutet der Film eine Dreiecksgeschichte zwischen Marie, Phillip und dem zugestiegenen Tom an, von der man befürchten könnte, sie würde sich so vorhersehbar entwickeln wie jede schwülstige 2-Männer-1-Frau-Geschichte aus deutschen TV-Events…hier bleibt es aber glücklicherweise tatsächlich bei Andeutungen.

Da Roland Emmerich als Produzent agierte, war nicht nur ein Sachverständiger in Sachen Weltuntergang an Bord, sondern wohl auch das nötige Kleingeld. Verschwenderisch geht HELL mit dem Zaster aber nicht um. Er wirkt professionell, vermeidet aber überhebliche Popcorn-Effekte und bleibt bodenständig.

Hier und da hätte die Handlung etwas straffer erzählt sein dürfen und manche Dialoge verlieren sich in der Bedeutungslosigkeit, trotzdem ist HELL ein gelungener Beitrag aus der Heimat.

Hell (2011), 6.0 out of 10 based on 7 ratings

Ähnliche Beiträge:

Geschrieben von Mick | Reviews (Filme)

Schreibe ein Kommentar