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God Bless America (2011)

: Joel Murray, Tara-Lynne Barr, Maddie Hasson, Larry Miller, Dorie Barton
: Bobcat Goldthwait
: Bobcat Goldthwait
: 100 Minuten (Uncut)
: 16
: 14.2.2013 (Uncut-Bluray)
: BavariaMedia (Kino Kontrovers)
: USA
Unsere Wertung
7.0
VN:F [1.9.22_1171]
User Score:
9 votes
8.9

God Bless America (2011)

3Folgende Situation kennt jeder: Arbeitslose Nachbarn, Marke White Trash, mit einem Balg, dessen Heulen Fensterscheiben bersten lässt, dickes Auto vor der Tür, Anstand gleich 0, Tag und Nacht läuft der Fernseher in Überlautstärke.
Frank (Joel Murray), geschiedener Mittvierziger und Büroknecht, muss diesen Scheiß allabendlich ertragen, wenn er sich zum Abschalten ein Bier reinzieht und sich vom amerikanischen Trash-TV berieseln lässt. Schließlich fasst er bis aufs Äußerste genervt den Entschluss, dem Ganzen endlich ein Ende zu bereiten. Mit einer Pump-Action-Shotgun bewaffnet, dringt er die Tür eintretend in das Moloch des Bösen ein und richtet nach und nach die drei Nachbarn inklusive dem Baby …

Regisseur Bobcat Goldthwait, den Meisten bekannt als der Typ, der die Hand im Arsch der Puppe Mr Floppy in der Sitcom Auf schlimmer und ewig hatte und selbigem gleichzeitig noch die Stimme lieh, schuf hier einen denkwürdigen Experimentalfilm, der eindeutig nur eine verdammte Message hat: Benutzt euer Hirn und hinterfragt!
Anders als gesellschaftskritische Meisterwerke wie 1984 oder Soylent Green bezieht sich Goldthwait hier einzig und allein auf die Vereinigten Staaten, sein Heimatland, und vor allem deren Bürger. Ein Volk, das nur so strotzt vor minderbemittelten, im geringsten Maße gebildeten Idioten, deren höchstes Gut materieller Besitz ist, die sich das Denken gerne von staatlichen Institutionen abnehmen lassen, alles konsumieren, was ihnen das manipulative Massenmedium #1, das Fernsehen, vorkaut, und am liebsten getreu dem Motto “Oh, es gibt ja noch schlimmeren Abschaum als mich” vor sich hin vegetieren. Selbstverständlich ließe sich dies auch auf Deutschland oder andere Industrienationen projezieren.

5Im vorliegenden Fall, God Bless America, ist der Mittelpunkt all dessen die vom Schöpfer erschaffene Figur des Frank Murdoch, welcher die anfangs beschriebene Szene leider nur geträumt hat und stattdessen weiterhin unter seinen Mitmenschen leiden muss. Von seiner Ex-Frau belächelt, von der gemeinsamen, grauenhaft verzogenen Tochter geächtet, muss sich der schüchterne 08/15-Bürger letztendlich auch noch mit einer Kündigung abfinden, die ihm eine seiner vielen primitiven Kolleginnen eingebrockt hat.

Nachdem er in seinem immer stärker aufkeimenden Hass unbehelligt mitten auf dem Parkplatz der örtlichen Schule die 16-jährige Reality-Soap-Göre Chloe (Maddie Hasson) erschießt, die in ihrer Show unter anderem negativ auffiel, weil sie zu ihrem Geburtstag “nur” einen Lexus bekam und daraufhin wie ein Kleinkind ausrastet, flüchtet sich der Killer in ein Motel. Ausschlaggebend waren ferner noch ein soeben diagnostizierter Hirntumor und der geistig zurück gebliebene Steven, der in der “Talent”-Show American Superstar und darüber hinaus gedemütigt wurde. Auf dem Bett sitzend, ist er gerade dabei, sich die Mordwaffe in den Mund zu stopfen, als plötzlich eine Mitschülerin der toten Chloe auftaucht, Roxy (Tara-Lynne Barr). Diese kann ihren neu entdeckten Helden schließlich davon überzeugen, nicht als Killer einer wertlosen, verwöhnten Schlampe in einem dreckigen Motelzimmer zu sterben, sondern ein Exempel zu statuieren, am besten an all jenen im Land, die es nicht mehr verdienen, ihr tumbes Hirn mit Sauerstoff zu füttern.
Und so begeben sich Frank und seine junge Begleiterin auf einen Trip durchs Land, der ihrer beider Leben in höchstem Maße verändern soll …

2Als eine Art Bonny-und-Clyde-Verschnitt (mit dem Unterschied, dass die beiden kein Liebespaar sind) wandeln der überzeugend agierende Joel Murray und seine junge Gespielin auf einer dünnen Linie, die jederzeit das Aus des Plans bedeuten könnte. Doch schnell kristallisiert sich heraus, dass derartiges Glück in den meisten Fällen nicht einmal Filmfiguren zuteil wird. Es dauert lange und man bekommt viele Leichen zu sehen, ehe schließlich eine der Polizei-Institutionen in das Geschehen eingreift. Dies verdeutlicht auf der einen Seite, dass das Werk, welches das Killergespann tut, notwendig und fernab pseudomoralischer Wertevorstellungen “richtig” ist und auf der anderen, dass im waffenfreundlichen Amerika Shootouts im Grunde zum guten Ton gehören und der Schutz der Nation vor vermeintlichen “Terroristen” eindeutig vorgeht.

Stellenweise fühlt man sich auch an Super aus dem Jahre 2010 erinnert, der die Entwicklung eines Losers, der zufälligerweise auch Frank heißt, zum lächerlichen Superhero Crimson Bolt beschreibt. Auch er hat in einem jungen Mädchen, Libby bzw. Boltie, einen Sidekick auf seiner Säuberungsmission gefunden und ebenso beginnt sich langsam eine Art Vater-Tochter-Situation zu entwickeln. Den Unterschied in God Bless America macht die Tatsache, dass Frank ein Mann ist, der nichts mehr zu verlieren hat, der einen totalen Gegenentwurf zum den Sumpf aus Verbrechen säubernden Gutmenschen bildet – der die Leute ausradiert, die ihrer Umwelt tagtäglich Schaden zufügen, ohne Rücksicht, Anstand oder Verstand.

4Da die zeitliche Nähe zum vorher erschienenen Super jedoch nicht gerade groß ist und aufgrund der geschilderten Probleme, die bei vielen eine Art Ertapptheitsgefühl ausgelöst haben mögen, ist es leider ein trauriger Fakt, dass der Film lediglich ein bisschen über 100,000$ eingespielt hat und somit kein wirklicher Erfolg wurde. In meinen Augen wird das dem Werk nicht gerecht. Zwar hat auch diese Story ab und an mit einigen Längen und Lückenfüllern zu kämpfen und ein Happy End gibt es, zumindest im klassischen Sinne, ebenso wenig, jedoch sind die gezeigten Ansätze, Beweggründe und Szenarien ein wunderbar erfrischender und befreiender Kontrast zu dem, was einem die sog. “Traumfabrik” Hollywood sonst so für Millionen von $ vorsetzt.

Das unter Maniacs bekannte Unterlabel der Legend Home Entertainment-Gruppe namens Kino Kontrovers untersteht seit 2011 der Bavaria Media – im Zuge dessen wurde das Repertoire ergänzt bzw. erhielten alle vorherigen Veröffentlichungen eine neue interne Nummerierung und je ein Re-Release! Unter der #14 erschien am 14. Februar diesen Jahres die Uncut-Bluray von God Bless America, ein Muss für jede ausgewählte Sammlung!

God Bless America (2011), 8.9 out of 10 based on 9 ratings

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Geschrieben von Autor | Reviews (Filme)

1 Kommentar

  1. Colemarie
    18 Dez 2013, 10:42 pm

    Ein schon fast komödianter Nicht-Horrorfilm zu den gesellschaftlichen Konventionen in den USA. Teilweise etwas zäh, aber erfrischend. Kein Meisterwerk, aber dennoch zu empfehlen.

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