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Frankenstein (1931)

: Colin Clive, Mae Clarke, Boris Karloff, Dwight Frye, Frederick Kerr
: James Whale
: Mrs. Percy B. Shelley (Mary Shelley)
: ca. 70
: 16
: 6.5.2004 (DVD)
: Universal Pictures
: USA
Unsere Wertung
5.0
VN:F [1.9.22_1171]
User Score:
3 votes
8.7

Frankenstein (1931)

zFrankenstein, für viele DER Horrorfilm schlechthin. Ich werde, nennt mich blasphemisch, diesen Mythos einmal beleuchten und dementsprechend zerpflücken und ich kann schon jetzt verraten, wer hier eine Huldigung oder Sichtungsempfehlung wittert, wird wohl enttäuscht werden.

 

Die Story behandelt die Versuche eines jungen Wissenschaftlers, der es sich zum Ziel setzt, Schöpfer zu spielen. Er will mit seinen eigenen Händen Leichenteilen zusammen gesetzten Körper mitsamt dem Hirn eines (irren) Menschen zu einem lebendigen Organismus zusammen setzen, ein abartiges Puzzlespiel. Diese Thematik ist in meinen Augen zeitlos und war wohl damals schon eine revolutionäre Idee. Ein Mann der Wissenschaft, der die meiste Zeit, wie er selbst sagt, am eigenen Verstand zweifelt und den schmalen Grat zwischen Klarheit und Wahnsinn beschreitet. Der in einem dunklen, einsamen Turm zusammen mit seinem buckligen Gehilfen Fritz haust und alles und jeden, vor allem sich selbst, vernachlässigt, um an sein Ziel zu kommen. Schließlich gelingt dem Doktor der Durchbruch und die Kreatur erwacht, anfangs noch scheu und unbeholfen, später immer zielstrebiger und letztendlich sogar gewalttätiger.

 

So hat man in meinen Augen nun schon das wenige Gute an diesem Streifen erzählt und muss sich nun mit den Krankheiten beschäftigen.

zzzz

 

Die Mimen agieren zwar weitgehend ordentlich, Mae Clarke fand ich persönlich recht heiß, doch die bestimmenden Parts sind leider nur durchschnittlich vorgetragen. Colin Clive bspsw. schafft es nicht, den Wahnsinn in seinen Augen widerzuspiegeln, viel zu lasch versucht er sich an normalerweise sehr intensiven Gefühlsausdrücken wie krankhaftem Fokussieren, Angst, Wut. Man möchte ihm die Rolle des “Mad Scientists” nicht so ganz abnehmen. Der Gipfel ist jedoch der heimliche Hauptdarsteller Boris Karloff. Macht er bei der Mimik alles richtig (selbst wenn man die tolle Maske außer Acht lässt, schaut er immer noch verdammt ‘schaurig’ aus), bewegt er sich für eine Kreatur, die gerade erst dabei ist, sämtliche motorische Fähigkeiten zu erlernen, viel zu menschlich. Dabei hätten ihn gerade seine stattliche Körpergröße und die riesen Latschen dazu prädestiniert, sich schwerfällig und unbeholfen zu bewegen, herumzuschlurfen wie beispielsweise ein Zombie. Was man sich bei seinen unverständlichen Lauten gedacht hat, bleibt mir bis dato ein Rätsel. Es ist natürlich vollkommen klar, dass ein derartiges Wesen nicht in der Lage ist, sich vernünftig zu artikulieren oder gar Worte zu formen, jedoch klingt das Ganze weder verzweifelt noch furchteinflößend, sondern eher wie ein geistig Zurückgebliebener, der Hunger hat. Von den Support-Acts gefiel mir persönlich immer noch Frederick Kerr in der Rolle des Baron Frankenstein am ehesten. Eine gelungene Abwechslung inform eines alten, traditionsbewussten Kauzes, der mit all diesem Firlefanz nichts anzufangen weiß und seinen Sohn lieber verheiratet wüsste, als dass dieser irgendwelchem sonderbaren Hokuspokus nachgeht.

zzz

 

Apropos Turm, das Setting ist in Ordnung, mehr aber auch nicht. Führt der Schwarzweiß-Effekt dazu, dass die Atmosphäre um einiges stimmiger wird, kaschiert er aber gleichzeitig auch viel Pappe und künstliche Hintergründe, wie zum Beispiel in den “Bergen” gen Ende. Das Zentrum der Handlung, der Turm, ist viel zu spärlich ausgestattet, da hätte die Requisitenkiste sicher noch so einiges leisten können. In Verbindung mit dem Halbdunkel und einem kräftigen Unwetter wäre es durchaus möglich gewesen, diese Gemäuer um einiges unheimlicher erscheinen zu lassen und so auch den Aspekt des wahnsinnigen Wissenschaftlers zu verstärken.

 

Im Angesicht der Tatsache, dass dieser Film 1931 zum Leben erweckt wurde, kann man ihm viele Fehler verzeihen und auch für damalige Verhältnisse fortschrittliche Techniken loben. Wie z.B. das Feuer in der Mühle, das tatsächlich die Kreatur zu umkreisen scheint oder auch die riesige Reanimations-Anlage des Doktor Frankenstein. Bezüglich Gewalt darf man Mister Whale nachsehen, dass es damals nicht unbedingt üblich für die breite Masse war, explizite Gewaltdarstellungen im noch recht jungen Medium Film oder im Theater zu sehen. Trotz allem muten die slapstick-artigen Rangeleien zwischen Protagonisten und dem Monster teilweise wie eine Farce an, die übermenschliche Kraft der Kreatur kommt so nie wirklich beim Zuschauer an. Des Weiteren zeigen nämlich die Szenen, in der der Grüne die kleine Maria ins Wasser oder den Doktor von einem Balkon wirft, dass es sehr wohl möglich war, die Gewalt nicht nur anzudeuten.

zz Das Ganze wäre möglicherweise auch noch eher zu verschmerzen, wenn der Film nicht nur 70 Minuten dauern würde, denn die Story wird im Grunde viel zu rasch und detailarm erzählt, es werden viele wichtige Ereignisse schlichtweg außen vor gelassen und die Charaktere haben nicht wirklich Zeit, sich so zu entwickeln, wie es auf jeden Fall möglich gewesen wäre. Derartiges stand aber eben damals auch schlichtweg noch nicht zur Debatte, weil man den Zuschauer unterhalten und nicht zum Nachdenken anregen wollte.

 

Trotz allem sollte man dieses Stück Kinogeschichte auf jeden Fall einmal gesehen haben, vor allem als Horrorfan.

 

Frankenstein (1931), 8.7 out of 10 based on 3 ratings

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Geschrieben von Autor | Classic - Reviews, Reviews (Filme)

3 Kommentare

  1. lars
    07 Jul 2013, 3:08 pm

    hmm subjektive sichtweise halt, für mich ist es DER horrorfilm u mein lieblingsfilm, ein meilenstein halt!

  2. Johnny
    07 Jul 2013, 10:04 pm

    alright! was macht denn für dich diesen film zu deinem liebling und zu einem meilenstein der film-/horrorgeschichte?

  3. rain
    08 Jul 2013, 11:11 am

    na ja, das konstrukt aus “allem” macht den film letztlich zu einem der bedeutensten wegbereiter für den bereich “horror” wie wir ihn heute kennen! diese tatsache wird ja glücklicherweise nicht dadurch geschmälert, das ein honk mit seinen begrenzten kenntnissen und fragwürdigen interpretationen im internet im jahre 2013 die größe dieses films nicht erkennt, was es dann eben auch subjektiv macht!

    klar, für heutige verhältnisse und maßstäbe wirkt vieles fraglich, man muss sich aber auch vor augen führen, das sich der anspruch an horror über die jahrzehnte immer wieder veränderte, sowohl beim zuschauer, als auch bei den studios die da drauf reagieren!

    so sorgte ein ziemlich abgefuckter max schreck allein mit seinem schatten in “nosferatu” für schlaflose nächte beim publikum, heute laufen solche bilder im frühstücksfernsehen auf kika! das kann jedoch nicht bedeuten, das die szene aus diesem film letztlich “kinderkram” ist, man muss sie halt nur mit den maßstäben von damals vergleichen…

    und ähnlich ist es dann auch mit diesem frankenstein…

    es geht um die romantischen segmente, das deutsch-expressionistisch-angehauchte setting das den charme eines theaterstücks hat (diese verfilmung basiert übrigens auch auf dem theaterstück von peggy webling), um das spiel von licht und schatten, um die über generationen-prägende darstellung von boris karloff, der vielen als ur-frankenstein-monster im gedächnis geblieben ist (es gibt einfach keinen der es besser machte) – liegt deswegen vielleicht der fokus speziell bei ihm? einfach mal so ganz anders sein wollen als alle anderen und deswegen eine schon fast kino-kulturverändernde performace nieder machen, weil man doch so viel mehr ahnung hat als alle anderen?

    ich weiß es nicht – fakt ist, boris karloff gilt bis heute als DAS ultimative monster von frankenstein aufgrund seiner bewegungen, seiner mimik, des aussehens, ja, auch aufgrund seiner laute, weswegen das monster (und auch teile davon) bis heute immer mit bezug auf diesen film zitiert, gezeigt, nachgestellt wird…seine leistung ist ein wichtiges segment für das gesamte horrorgenre, wobei man auch sagen muss, das zur damaligen zeit die entwicklung von masken-design, make-up, setting und co für das medium “film” in den babyschuhen steckte und es dafür einfach fantastisch aussieht, womit man dann in kombination mit der story, dem set, der musik, dem restlichen cast, dem licht und schatten-spiel etc alles in allem auch seiner zeit weit weit weit voraus war!

    ja, ich finde es ist auch ein großer nachteil das man die durchaus gewaltige geschichte um frankenstein auf 70 minuten (je nachdem welche version man sieht) reduziert erzählt, da bleiben ein paar inhaltliche “ruckel” zwangsweise nicht aus, glaube das war aber damals dennoch eine abendfüllende laufzeit – keine ahnung um es da an finanziellen, organisatiorischen dingen hing warum man nicht mehr filmte…wir werden es nie erfahren…nichts desto trotz ist es durchaus richtig, was lars schrieb: dieses review ist auch wieder sehr subjektiv, beschäftigt sich sehr einseitig mit dem film und lässt kaum raum für die würdigung der eigentlichen größe, aber auch den teilen die zu dieser größe führen, was der film auf jeden fall verdient hätte – wäre er hier nur in verantwortungsvollen händen!

    aber so ist das im internet, da darf jeder mal zur selbstdarstellung kunst und kulturgut rapen, als tipp fürs nächste mal daher: einfach “darth vader” nieder machen (kleidung zu dunkel, man sieht sein gesicht ja so gut wie nie und diese alberne stimme, erinnert ja fast an einen kehlkopf-krebspatienten etc), das dann aber bitte auf einer “star wars”-fan seite und die nötige aufmerksamkeit kommt garantiert!

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