Exklusiv-Interview mit Hannah Neurotica (WiHM)

Hannah NeuroticaWie wir euch vor Kurzem berichtet haben, ist der Februar der offizielle WOMAN IN HORROR RECOGNITION MONTH. Dieser dient dazu, allen unterrepräsentierten Frauen, die im Horrorbusiness tätig sind, mehr Aufmerksamkeit zu schenken und zu zeigen, was wir alles können. Ins Leben gerufen hat diese Organisation eine Dame namens Hannah Neurotica aus Brooklyn. Wir haben mit Hannah kontakt aufgenommen und daraus ist ein sehr nettes und ehrliches Interview entstanden, das wir euch natürlich als Beitrag zum WOMAN IN HORROR MONTH nicht vorenthalten wollen.

Cat: Seitdem ich vom “Woman in Horror Month” gehört habe, hat es mein Interesse geweckt. Erzähl uns, wie das alles angefangen hat.
Hannah Neurotica: Woman in Horror Month ist durch meine eigene Frustration darüber entstanden, wie die Medien und, nun ja, Menschen allgemein die Beziehung zwischen Frauen und dem Horrorgenre und der Horrorfilmindustrie wahrgenommen haben. 2009 war ich, neben Jovanka Vuckovic (Filmemacherin & Autorin) und Aviva Briefel (Autorin & Filmstudien Professorin) zu eben diesem Thema beim Radiosender CBC Radio zu Gast. Die Produzentin sprach vor der Liveshow am Telefon mit mir und äußerte, das sie geschockt war, das es wirklich eine weibliche Fanbase für Horrorfilme gibt. Sie sagte in etwa so was wie: “Wirklich? Wow, das hätte ich niemals gedacht”. Meine erste Reaktion war: Hier ist eine Frau, die jeden Tag mit Medien arbeitet und das ist jetzt schockierend. Wenn sie in diesem Business tätig ist, nichts über den Filmgeschmack von Frauen weiß und sogar die Vorstellung, dass Frauen Genrefilme mögen könnten unterhaltsam findet, was sagt das dann über jemanden aus, der nicht in den Medien tätig ist?

Ich habe keine Ahnung, ob es da einen Zusammenhang gibt, doch für mich sprach es Bände. Um eins klarzustellen, ich war nicht böse auf sie, offensichtlich ist diese Ansicht weit verbreitet. Jedoch war ich aufgebracht und genervt wegen der Situation. Es war als würde sich alles zuspitzen in diesem Augenblick. Ich habe seit Jahren ein feministisches Horrormagazin gemacht, ich hatte es seit einer ganzen Weile am Brodeln. Es hatte einen tieferen Sinn, nicht nur, dass Frauen als Horrorfans anerkannt werden, sondern auch, dass Frauen immer noch in eine Schublade gesteckt werden, nämlich in die, dass sie nur Unterhaltung für “Girls” mögen. Es fühlte sich danach einfach an, das ich etwas tun musste. Also schrieb ich einen Blogbeitrag mit einem Aufruf zum Handeln und der Rest ist Geschichte.

WiHMCat: Wie waren die Reaktionen aus der Horrorindustrie nach dem Start?
Hannah: Die Reaktionen waren anders als alles, was ich mir hätte vorstellen können, verdammt. Ich meine, wir sind nun in unserem vierten Jahre und ich hätte niemals gedacht, dass so etwas wie das hier stattfindet. Es ist ein schönes Beispiel, was jeder Einzelne von uns für ein Potenzial hat, etwas zu ändern. Wir müssen einfach nur bereit sein, unsere Ideen und unsere Leidenschaft mit der Welt zu teilen. Also, um deine Frage zu beantworten, ich schlug diese Idee im September 2009 vor und bekam eine menge Einladungen von Frauen und Männer, die ihre Beweggründe bezüglich der Notwendigkeit mit mir teilten. Von da an wuchs es. Es war aber auch nicht frei von Kritik. Aber jede Bewegung, die versessen auf eine Gesellschaftsveränderung ist, kommt mit so etwas in Berührung. Du musst dich einfach weiter bewegen und nicht mehr zuhören.

Cat: Wann hast du mit der ganzen Horrorsache angefangen?
Hannah: Mein Vater, Michael Forman (der vor drei Jahren verstorben ist) und ich standen uns sehr nah. Als wir unseren ersten Videorekorder in den frühen 80ern bekamen, lieh er sich unheimliche Filme aus, um sie mit mir zu schauen. Ich bin so ausgeflippt und war fasziniert zur gleichen Zeit. Es war der Anfang einer blutdurchtränkten Liebesaffäre. Ich war ein Fan, seit ich alt genug war, um fernzusehen 😉

Cat: Was ich persönlich (unter anderem) am “Woman in Horror Month” mag ist, das Frauen aus der ganzen Welt zusammenkommen und sich miteinander vernetzen. Was ist dein Eindruck von den Frauen in der Horrorindustrie?
Hannah: Auf jeden Fall! Das ist einer der größten Aspekte des “WiHM”. Als ich New England (USA) startete, hätte ich niemals erwartet, dass es “WiHM” Events überall in den USA, Kanada, England, Deutschland, Schottland, Serbien und darüber hinaus geben wird. Aber es macht Sinn, da wir nun alle mit den sozialen Medien verbunden sind. Das wäre vorher gar nicht möglich gewesen, das dürfen wir nicht vergessen: Wir haben Macht! Auch wenn die Social Media Plattformen sich gut eignen, um Bejeweled Blitz zu spielen (oder mache nur ich das?), ist es auch ein mächtiges Werkzeug, um sich auszutauschen.
Was mein Eindruck von den Frauen in der Horrorindustrie ist? Ich denke sie sind alle unglaubliche Frauen in allen Facetten des Genres, die sich den Arsch abarbeiten. Wir haben noch einen weiten Weg vor uns, bevor die Dinge da sind, wo sie sein sollten. Im Moment gibt es keine Balance. Männer dominieren die Industrie und das erstreckt sich weit über das Horrorgenre hinaus. Es ist unsere Kultur, die sehen muss, dass Frauen leistungsfähige, kreative und großartige Geschöpfe sind.

Cat: Gibt es irgendwelche Pläne für den “WiHM” im Februar 2013, über die du sprechen kannst?
Hannah: Ich liebe diese Frage, weil sie zeigt, wie spät ich mit meiner Rücksendung der Antworten dran bin. Wir sind gerade mitten im Monat und so viele tolle Dinge passieren auf der ganzen Welt und online. Ich kann sagen, dass Jen und Sylvia Soska (Twisted Twins Productions) bald ihren vierten alljährlichen “Massiv Blood Drive” bekannt machen werden. Bleibt dran uns spendet Blut! Jennifer Cooper wird ein WiHM Film Festival veranstalten, das unter dem Namen “Jennifer’s Bodies” nun zum dritten Mal in Schottland stattfinden wird. Es gibt so viel! Besucht unsere Webseite und schaut in den Kalender, ebenso wie auf Facebook. Wir posten immer spannende Links. Oh, und wir haben außerdem einen weiteren, offiziellen WiHM Podcast, der Ende Februar herauskommen wird.

Ax WoundCat: Du bist auch eine Magazin Herausgeberin! Das neue Cover von AX WOUND hammergeil. Was können wir in dem Magazin finden? Es ist ein selbst gemachtes Magazin, richtig?
Hannah: Ich bin so froh, dass dir das Cover gefällt. Facebook war nicht so nett und mein Account wurde für fast zwei Monate immer mal wieder gesperrt. Facebook muss wirklich mal ein Auge auf ihre Politik in Sachen Zensur werfen, wenn es Kunst betrifft. Warum kann es Hass-Gruppen geben, aber nicht die großartige Kunst von Alison Lily? Es ist abscheulich, das sie nicht den unterschied zwischen Kunst und pornografischen Inhalten sehen können.
Aber ja! Ich bin die Schöpferin und Herausgeberin des handgefertigten Heftchens AX WOUND: GENDER AND THE HORROR GENRE. Es ist ein feministisches, Horror-liebendes Magazin und ich hatte seit ein paar Jahren keine neue Ausgabe herausgebracht. Das Letzte hatte mich wirklich physisch und emotional geschlaucht und das bewirkte, dass ich das Projekt beiseitelegen musste. Es hing irgendwie in der Schwebe in den letzten Jahren, weil ich selbst nicht zugeben konnte, das ich eine Pause brauchte. Es war eine sehr intensive Lernerfahrung. Ich musste einfach alles, was ich der Vergangenheit gelernt hatte durchdenken, bevor ich weitermachen konnte. Nun bin ich fähig, es wieder auferstehen zu lassen und die “Sex and Horror” Ausgabe wird Ende des Monats erscheinen. Die Ausgabe hat Artikel über Horrorpornos, Frauen und Leichenschändung in Filmen, eine Beratungskolumne von Jen und Sylvia Soska und ein Interview mit ihren Eltern Agnes und Marius Soska. Plus einen Haufen von anderen, blutigen psychosexuellen Dingen.

Cat: Die wichtigste Frage: Versendest du das Magazin weltweit?
Hannah: Fuck yes!

Cat: Lass uns über Horrorfilme sprechen. Kannst du uns ein paar deiner Favoriten aufzählen, die jeder ein Mal im Leben gesehen haben sollte?
Hannah: Ich bin froh, dass du mich nicht gefragt hast, nur einen Film zu nennen, denn ich kann nie von irgendetwas einen Favoriten bestimmen. Da ist einfach zu viel Herz da draußen, das in verschiedenen, unheimlichen Wegen offenbart wird und jedes Mal eine andere Sehne trifft. In deinem Leben solltest du nicht Tod aufgefunden werden, ohne diese Filme gesehen zu haben: CARNIVAL OF SOULS (Original!), RE-ANIMATOR, NIGHT OF THE LIVING DEAD, GINGER SNAPS, BASKET CASE, THE OTHERS, SLEEPAWAY CAMP…Oh Gott, ich kann diese Frage ernsthaft nicht beantworten. Ich könnte für Stunden weitertippen! Es hängt alles davon ab, welches Untergenre du magst. In letzter Zeit habe ich jedem erzählt, das sie THE PACT und GRAVE ENCOUNTERS austesten müssen. THE PACT hatte einen wirklichen umwerfenden Augenblick für mich. Und verpasst nicht AMERICAN MARY!

American MaryCat: Ich habe gesehen, dass du und deine Arbeit ein paar Fans hast, die in der Horrorindustrie bekannt sind. Eli Roth, Lucky McKee, Herschell Gordon Lewis und Jen und Sylvia Soska, um mal ein paar zu nennen. Du hast außerdem mit den Soskas zusammengearbeitet, und zwar als Synchronsprecherin für AMERICAN MARY. Gibt es irgendein anderes Filmprojekt in der Zukunft?
Hannah: Ich werde für immer Sprachlos darüber sein, mit wem ich im Laufe der Jahre die Ehre hatte zu sprechen und/oder zu arbeiten. Für solch ein dunkles Genre, bin ich mehr lieben Menschen in der Horrorcommunity begegnet, als irgendwo sonst. Ich bin mehr als geehrt, dass Jen und Sylvia Soska mich gefragt haben, ein Teil ihres zweiten Spielfilms, AMERICAN MARY, zu sein. Es ist eine brillante, künstlerische Arbeit und ich weiß nicht, warum ich so viel Glück gehabt habe. Im Moment stecke ich meine meiste Zeit in AX WOUND zusammenzubekommen und Dinge für den WOMAN IN HORROR MONTH zu koordinieren. Ich plane, dieses Jahr einen Kurzfilm zu machen. Im letzten Jahr habe ich einen Kurzfilm mit einem Freund, Tammy Dwyer, gemacht und ich liebte die Erfahrung mehr, als ich jemals gedacht habe. Ich habe ein paar Kurzfilme geschrieben, die ich in Erwägung ziehe, aber ich werde auch meinem Freund Lukas Persson bei seinem nächsten Spielfilm DOSEY helfen. Mit dabei ist Lauren Ashley Carter (THE WOMAN, JUGFACE). Es wird toll werden! Um auf dem Laufenden zu bleiben, könnt ihr die Facebookseite besuchen. Stellt euch einen Rachefilm, mit einer starken, weiblichen Hauptfigur vor, die wie Zoro angezogen ist!

Cat: Zu guter Letzt. Kannst du uns ein paar deiner Lieblingsschauspielerinnen aus dem Genre nennen und welchen Film du mit ihr verbindest?

Hannah:

  • Katherine Isabelle – GINGER SNAPS, AMERICAN MARY
  • Heather Langenkamp – NIGHTMARE ON ELM STREET, I AM NANCY
  • Jill Schoelen – CUTTING CLASS, POPCORN, THE STEPFATHER
  • Debbie Rochon – TROMEO & JULIET, MODEL HUNGER, einfach so viele
  • Linnea Quigley – THE RETURN OF THE LIVING DEAD, NIGHTMARE ON ELM STREET 4

…und viele mehr!

Cat: Vielen Dank für das Interview! Alles Gute für deine kommenden Projekte!
Hannah: Herzlichen Dank! Es war eine Ehre mit dir zu sprechen. Ich wünsche dir ebenfalls alles Gute mit allem!

WOMAN IN HORROR RECOGNITION MONTH auf Facebook
www.womaninhorrormonth.com
www.axwoundzine.com

If you prefer reading this interview in English, just follow this link!

WiHM

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Geschrieben von Cat | Interviews

1 Kommentar

  1. cheap wedding dresses
    06 Jul 2013, 8:43 pm

    Some genuinely great information, Gladiola I observed this. “I try to avoid looking forward or backward, and try to keep looking upward.” by Charlotte Bronte.

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