Benjamin Munz
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Exklusiv Interview: Benjamin Munz (Produzent, Viva Berlin!)

Auf dem diesjährigen 25. Fantasy Filmfest, gab es für jeden deutschen Zombie-Fan ein Bonbon zum üblichen Programm.
Vor jeder Midnight-Madness-Vorführung zeigten die Kinos eine Folge der Mini-Serie Viva Berlin!. Bei der ersten Zombie-Serie überhaupt in Deutschland, waren wir positiv über die professionellen und guten Effekte überrascht.

Eine gute deutsche Genre-Produktion weckt natürlich unser Interesse und so haben wir bei dem Produzenten Benjamin Munz mal genauer nachgefragt.

Horrorpilot: Wie entstand die Idee zu Viva Berlin! und was war letztendlich ausschlaggebend für die Umsetzung?
Benjamin Munz:
Ich habe an der Filmakademie Baden-Württemberg Film- und TV-Produktion studiert, mit dem Schwerpunkt „Serienproducing“. Dabei handelt es sich um einen Sonderkurs bei dem wir unter der Anleitung unserer Dozenten Prof. Joachim Kosack (heute Chef von Sat.1) und Ariane Krampe (Chefin bei Teamworx) Serienkonzepte entwickeln. Anschließend müssen die teilnehmenden Producer für ihr Diplom einen Piloten oder einen Trailer zu ihrem Konzept produzieren und drehen. In diesem Rahmen habe ich eigentlich ein Jahr lang eine vollkommen andere Serienidee entwickelt. Leider mussten wir im Oktober 2010 einsehen, dass die Idee zu groß geworden und nicht verfilmbar war. Doch nur einen Trailer drehen wollte ich auch nicht, also war mein Vorschlag an meine Dozenten mich ins Urlaubsjahr zu entlassen, sodass wir das Konzept überdenken können. Meine Dozenten waren von dieser Idee nicht angetan und man setzte mir an einem Freitag die Deadline, dass wenn ich bis in 3 Tagen kein Umsetzungskonzept für mein Diplom vorlegen könne, müsse ich einen Trailer oder eine vorgegebene Geschichte produzieren. Ich ging nach Hause, war natürlich nicht besonders glücklich und habe meinen Kumpel Moritz Mohr angerufen.

Dieser hat an der Filmakademie Werberegie studiert und teilte meine Vorliebe für hartes Genrekino. Ich erzählte ihm von meinem Problem und meinte dann noch so nebenbei, dass man eigentlich mal eine richtig harte Zombienummer machen müsste. Problem, dass ist in Deutschland nichts fürs Fernsehen, dafür müsse man zu viele Abstriche bei der Gewalt machen, aber dann gucken es die Nerds nicht an. Also… wo ist der ideale Ort wo man harte Zombiesachen zeigen könnte? Wo Headshots und Cumshots nur einen Klick voneinander entfernt sind: DAS INTERNET. Moritz hörte nur zu und meinte er würde sich wieder melden. Sonntagabend erhielt ich von ihm und unserem Autoren Benjamin Karalic, der ebenfalls ein großer Genrefreak ist, dass erste Konzept mit dem Namen: Viva Berlin!.

Horrorpilot: Du bist also selber ein Fan von Zombie- und/oder Horrorfilmen im Allgemeinen!?
Benjamin Munz: Als Kinder haben wir immer heimlich im Keller meines besten Freundes, dessen Bruders VHS-Sammlung durchgeschaut. Da sind mir noch besonders PREDATOR, RAMBO 2 und ALIEN in Erinnerung geblieben. Dann habe ich meine komplette Jugend im Spielzimmer eines Comic- und Gamestores verbracht: Fantasy Stronghold in Ludwigsburg und später auch dort gearbeitet. Daher hat sich die Frage dann wohl erübrigt.

Horrorpilot: Wie reagierte dann die Filmakademie auf die Idee von Viva Berlin! ?
Benjamin Munz: Naja, meine Dozenten wollten ja unbedingt, dass ich Diplom mache und nicht noch ein Jahr an der Filmakademie abhänge. Als ich dann in der gegeben Frist das Konzept für Viva Berlin! vorlegte, dachten meine Dozenten sich wohl „bevor der gar nichts macht, lassen wir ihn eben das machen.“. Da habe ich wirklich erst einmal fast keine Gegenwehr erhalten. Natürlich wollten alle ganz genau wissen, was wir da machen und vor allem, wie wir das in der kurzen Zeit hinbekommen wollen. So etwas hatte vor mir noch nie jemand gemacht oder probiert und ich glaube alle fanden das eigentlich schon irgendwie spannend. Gerade Ariane Krampe hat mich wirklich super bei der Entwicklung, Produktion und Umsetzung unterstützt und war mir eine sehr wichtige Stütze. Sie hat tatsächlich an dieses Konzept geglaubt und fand es sehr spannend.

Irgendwie ist die Frage aber trotzdem sehr berechtigt und ich warte irgendwie bis heute darauf, dass mich jemand anruft und mir dieses Projekt verbietet.

Horrorpilot: Gab es irgendetwas, was dich für Viva Berlin! besonders inspiriert hat?
Benjamin Munz: Peter Jackson! Den Mann vergöttere ich. Filme wie BAD TASTE oder BRAINDEAD sind und bleiben wohl immer eine Inspiration für mich. Moritz Mohr, der ja dann auch bei allen 5 Folgen Regie führte ist ein großer Fan des asiatischen Genrekinos und ist leidenschaftlicher Konsolenzocker. Davon kann man sicher auch etwas bei Viva Berlin! spüren. Außerdem war er gerade frisch nach Berlin gezogen und hat vielleicht auch irgendwie seine ersten Eindrücke verarbeitet. Wo unser Autor Benjamin Karalic seine Inspirationen zu Viva Berlin! hergenommen hat, will ich vielleicht gar nicht wissen…

Natürlich haben wir uns vor der Produktion aber zusammen mit unserer Szenenbildnerin Juliane Hoffrecht, unserem SFX Chef Martin Schärper, VFX Supervisor Peter Hacker und unserem Kameramann Marcus Stotz noch mal so ziemlich jeden Genrefilm reingezogen, der uns in den letzten Jahren besonders gefallen hat.

Horrorpilot: Wie verliefen die Dreharbeiten zu den einzelnen Folgen? Was hat besonders viel Spaß gemacht?
Benjamin Munz: Die Dreharbeiten zu „Viva Berlin!“ waren echt anstrengend. Wir haben ja im Januar gedreht und es war eiskalt in Berlin und Potsdam. In vielen unserer Motive gab es keine Heizung und das halbe Team fiel zwischendurch wegen einer Erkältungswelle aus. Da ich erst im November das GO von meinen Dozenten erhalten hatte, waren es auch nur knappe 7 Wochen Vorbereitungszeit und wir mussten ganz schön ranklotzen.

Das Team war aber einfach klasse und hat mir sehr unter die Arme gegriffen. Wir hatten während dem ganzen Dreh sehr viel Spaß und waren eine große Familie. Es gab viele Momente an die ich gerne zurückdenke und natürlich auch ein paar, welche ich gerne verdrängen würde. Aber alles in allem war es eine geile Zusammenarbeit und jeder hat sein Bestes gegeben.

Horrorpilot: Sehen wir dich auch vor der Kamera oder bleibst du lieber hinter den Kulissen?
Benjamin Munz: Gerade bei Studentenfilmen hat man natürlich nicht immer genug Komparsen und so muss dann auch mal das halbe Team mit aufs Bild. So war das auch Viva Berlin! nicht anders und viele Teammitglieder hatten die Chance sich als Zombie oder Leiche zu verewigen. Ich habe auch einen kleinen, sehr versteckten Auftritt. Gerade da man als Producer ja oft nur wenig am Set sein kann, freue ich mich immer, wenn ich dann doch mal vor der Kamera stehen darf. Oft komme ich dann auch bei Szenen zum Einsatz, die man eigentlich niemand zutrauen möchte. Halbnackt im Dreck rum liegen oder mit Blut übergossen einen halben Tag im Studio vor Greenscreen rum kriechen – dass muss dann ich machen. Aber ich bin kein Schauspieler und auch kein Regisseur. Da fehlt mir einfach das Talent.

Horrorpilot: Wirst du in Zukunft vielleicht weiter in diese Richtung probieren oder war es trotzdem erst mal genug Kunstblut für dich?
Benjamin Munz: Das wäre schon echt geil. Wie schon gesagt, Genreware gehört in Deutschland nicht gerade zum Alltag und ich wäre schon alleine froh, wenn ich einfach weiter Filmemachen könnte, auf die ich wirklich Lust habe und die ich mir auch selbst gerne anschaue.

Horrorpilot: Nun sind  einige Darsteller kein unbeschriebenes Blatt, wie fandet ihr zusammen? Wie kam z.B. die Zusammenarbeit mit Ralph Herforth zustande?
Benjamin Munz: Naja, Jens Atzorn kannte ich bereits von meinem Kurzfilm „The Night Fahter Christmas Died“ und wir sind seitdem gut befreundet. Da reicht dann ein verzweifelter Anruf. Alissa Jung, Sascha A. Gersak, Sina Tkotsch, Timur Isik und auch Christian Blümel haben wir tatsächlich ganz offiziell über Ihre Agenturen angefragt. Die waren alle unsere erste Wahl für ihre Rollen und ich hätte nie gedacht, dass die alle bei uns mitspielen wollen. Fast umgefallen sind wir dann, als uns eigentlich alle Schauspieler sofort zugesagt haben. Da kam uns natürlich Berlin und Potsdam als Drehort sehr entgegen und auch die Tatsache, dass wir durch unsere Episodenstruktur keinen Darsteller länger als drei Tage gebraucht haben.

Ralph Herforth war immer unserer erste Wahl für den Scharfschützen. Durch einen Zufall lief der mir bei einer Preisverleihung über den Weg und ich hab ihn dann direkt angesprochen. Eine solche Anfrage hatte der noch nie und wollte uns sehr gerne helfen.

Horrorpilot: Wie kam dann die Serie auf das Fantasy-Filmfest und wie war das für euch?
Benjamin Munz: Nach einem Artikel in der Deadline kammen Rainer, Andreas und Frederike vom Fantasy Filmfest auf uns zu mit der Idee unsere fünf Folgen als Vorfilme in der Midnight Madness zu zeigen. Den Anruf hab ich bei Viva Berlin! am Set bekommen und da es für Moritz und mich immer der große Traum war dort zu laufen, sind wir natürlich durchgedreht.

Horrorpilot: Nun werdet ihr oft mit der US-Serie The Walking Dead verglichen und schneidet dabei fort weg positiv ab. Imponiert euch das?
Benjamin Munz: Ich finde es witzig, dass das gerade in den Ami-Foren so hitzig diskutiert wird. Natürlich halten wir mit unserer kleinen Webserie und einem Preis von 5000 Euro pro Folge nicht mit „The Walking Dead“ wo eine Folge 3 Mio. Dollar kostet, mit. An „The Walking Dead“ sitzen einige der besten Autoren der Welt, die haben die Creme de la Creme im Team und produzieren auf Hollywood Niveau. Wir haben nur eine kleine dreckige Webserie gedreht. Das lässt sich nicht vergleichen. Beide haben Zombies… aber mehr ist da nicht.

Horrorpilot: Also war es kein Anliegen von euch zu zeigen, dass man auch hier zu Lande bei den ganz Großen mitmischen kann?
Benjamin Munz: Nein, dass war es nicht. Regisseur Moritz Mohr, Drehbuchautor Benjamin Karalic und ich sind einfach große Genrefans und hatten Lust mal eine Zombie-Geschichte zu machen, die einfach fetzt. In Deutschland ist Genre machen natürlich sehr schwer und man bekommt nur wenig Zuspruch. Wenn man dann doch mal die Chance erhält ein solches Projekt zu produzieren ist man natürlich den Limitierungen der Geldgeber, wie Fernsehsender und Filmverleihern, unterlegen. Das Problem ist einfach, dass in Deutschland mit Genre bisher kein Geld verdient wurde und damit die Herstellung immer mit einem finanziellen Risiko verbunden ist. Dieses Risiko wird dann meist minimiert indem man auf Gewalt und Gore verzichtet um bei der Auswertung für ein breiteres Publikum aufgestellt zu sein. Ich sage nur Sendetermin zwischen 20:15 und 00:00 Uhr. Dabei verlieren die Produzenten aber eben leider die wichtigste Zielgruppe für die Auswertung, nämlich die Fans dieser Genres. Mit „Viva Berlin!“ haben wir die unsere letzte Chance gesehen, einmal über diese Limitierungen und ihre Stränge schlagen zu können.

Horrorpilot: Wann können wir denn die erste Folge von Viva Berlin! Online sehen?
Benjamin Munz: Wir klären das gerade. Mein Traum wäre Weihnachten 2011.

Horrorpilot: Gibt es eine Zukunft für Viva Berlin! ?
Benjamin Munz: Auch hier arbeiten wir gerade daran. Es wäre schön weiter fürs Internet zu produzieren. Leider lässt sich aber im Internet im Moment noch kein Geld verdienen. Daher steht natürlich auch die Frage nach einem Spielfilm im Raum.

Horrorpilot: Was ist das nächste Projekt an dem du arbeiten wirst?
Benjamin Munz: Im Moment bin ich ja bei der Rat Pack Filmproduktion unter Vertrag und arbeite hier als Producer. Ich entwickele gerade ein paar sehr unterschiedliche Stoffe. Natürlich sind auch einige Horrorstoffe dabei, aber auch ein großer Kinderfilm und ein Mystery-Thriller. Schön ist, dass ich mit vielen meiner ehemaligen Kommilitonen arbeiten kann mit denen ich auch während meines Studiums gearbeitet habe. Mal schauen welches Projekt am schnellsten nach vorne geht. Für Viva Berlin! sieht es da aber im Moment ganz gut aus.

 Noch einmal vielen Dank für das tolle Interview!

Finden könnt ihr die Serie auf ihrer Facebookseite und der Homepage, wo die einzelnen Folgen laufen werden, und ihr den offiziellen Trailer sehen könnt.

Hier zeigen wir euch nochmal einen Teaser:

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Geschrieben von May | Interviews

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