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Der Fall Rémy Couture

Am 10. Dezember 2012 beginnt der Prozess gegen Rémy Couture.

Die Chance steht gut, dass ihr noch nie von ihm gehört habt, daher muss ich etwas weiter ausholen: Rémy Couture ist ein kanadischer Maskenbildner und Effekt-Experte, der eine eigene Website betrieb, auf der er Videos eines fiktiven Serienmörders zeigte, der seinem brutalen Werk nachgeht und dabei auch ebenso fiktiven Sex mit den Leichen hat.

2009 wurde Rémy verhaftet, nachdem ein deutscher Bürger seine Seite besucht hatte und unter der Annahme echte Morde zu sehen (obwohl dort darauf hingewiesen wurde, dass alles gestellt ist) die Polizei einschaltete.

In der Geschichte des Horrorfilms ist das kein Einzelfall: Charlie Sheen machte einmal die Pferde scheu, weil er glaubte einen Snuff-Film zu sehen. Wie sich herausstellte, lag er falsch.
Auch mussten sich schon Filmemacher vor Gericht verantworten, weil gestellte Mordszenen zu real wirkten, konnten aber nach Richtigstellung wieder gehen.
Grundsätzlich legitime Ansätze, denn auch blutiges Entertainment soll unterhalten und keine Morde zeigen.

Aber auch Rémy hatte kein Problem damit klarzustellen, dass niemand zu Schaden kam, angeklagt wurde er dennoch. Wegen “Schädigung der Moral”.
Wie Rémy selbst sagt, war das Material auf der inzwischen geschlossenen Seite Innnerdepravity.com nicht für jedermann gedacht. Sicher nicht für Menschen, die mit Horror ein Problem haben und für niemanden unter 18, sondern eben für erwachsene Horrorfans.
Offenbar reicht das dem kanadischen Staat aber aus, um um seine Moral zu fürchten, konfiszierte neben Rémys PC auch allerlei Equipment und behandelte ihn wie einen Schwerverbrecher, was offenbar vor allem durch den Mix aus Sex und Gewalt ausgelöst wurde.

Die Kombination muss man freilich nicht mögen (ich erinnere an endlose Diskussionen wegen A SERBIAN FILM), vielleicht sollte man sogar eine Veröffentlichung verbieten, aber was Rémy droht ist im schlimmsten Fall eine 2jährige Haftstrafe für ein Vergehen, das es in der kanadischen Geschichte scheinbar noch nie gab.
Offenbar will der Staat hier einen Präzedenzfall schaffen, der nicht nur den Steuerzahler teuer zu stehen kommt (die Rede ist von 1Mio. Kanadischen Dollar), sondern auch im Falle eines Freispruchs Rémy rund 25000$ für Anwalt u.ä. kosten wird.

Dass ein Schuldspruch zudem die gesamte kanadische Horrorindustrie nachhaltig beeinflussen könnte, versteht sich (leider) fast von selbst. Und glaubt mir, ihr kennt mehr kanadische Filme, als ihr womöglich denkt. Stellt euch vor, es hätte GINGER SNAPS, SILENT HILL, PONTYPOOL, CUBE, THE DEAD ZONE und viele andere nie gegeben.
Ja, man sollte die Moral schützen, aber vielleicht dort anfangen, wo wirklich jemand Schaden nimmt.

Wenn euch das Thema interessiert, findet ihr unter www.supportremy.com viele weitere Infos. Dort ist auch ein Spendenkonto eingerichtet, wo ihr Rémy aus der Ferne unterstützen könnt.
Wir halten euch über den Prozess auf jeden Fall auf dem Laufenden.

 

Alle Bilder von www.supportremy.com

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Geschrieben von Mick | Horror Allgemein

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