Der Exorzist

Der Exorzist (1973)

: Ellen Burstyn, Max von Sydow, Linda Blair, Lee J. Cobb, Jason Miller, Jack MacGowran, u.a.
: William Friedkin
: William Peter Blatty, William Peter Blatty (Roman)
: 122 min, (Director's cut: 132 min)
: 16
: 20 September 1974
: Warner Home Video
: USA
Unsere Wertung
9.5
VN:F [1.9.22_1171]
User Score:
1 vote
10.0

Der Exorzist (1973)

“Besonders wichtig ist das Gebot jede Unterhaltung mit dem Dämon zu vermeiden […] Der Dämon ist ein Lügner, er wird lügen um uns zu verwirren! Aber er wird auch eine Mischung von Lügen und Wahrheit auftischen und uns so attackieren. Seine Attacken sind psychologischer Natur, Damian, und gewaltig.  Also hören sie nicht darauf. Merken Sie sich das: Nicht darauf hören!

 

Exorzist (3)Die ersten Minuten von DER EXORZIST verbringen wir mit Pater Lancaster Merrin (Max von Sydow – SHUTTER ISLAND) im Süden Iraks auf einer Ausgrabungsstätte. Es werden nicht viele Worte gesprochen. Das braucht es auch nicht. Der alte, kranke Pater entdeckt eine antike Statuette mit einer entstellten Fratze. Er bespricht sich in einem Museum mit einem Freund. Eine Pendel bleibt stehen und der Pater ist beunruhigt. Er macht sich auf den Rückweg nach Georgetown.
Dann lernen wir Chris McNeil (Ellen BurstynWICKER MAN) kennen, eine Schauspielerin, deren Karriere in Schwung kommt. Deswegen zieht sie mit ihrer Tochter Regan (Linda Blair) nach Georgetown und pflegt einen großen und erlesenen Freundeskreis. Das Glück scheint perfekt, als ihre Tochter auffällige Verhaltenweisen an den Tag legt. Es beginnt mit Ausdrücken, Urinieren vor den versammelten Freunden der Mutter, Wutanfällen und Obszönitäten. Der Arzt kann Chris nicht erklären was mit Regan los ist, lässt das Mädchen einen Test nach dem anderen durchlaufen. Als eines Nachts Regans Bett wild zu schaukeln und hüpfen beginnt, glaubt der Arzt sogar an Spasmen. Dann kommt es zu dem ersten Toten. Ein Freund von Chris stürzt die Treppe hinunter, als er mit Regan alleine ist.
Chris weiß nicht weiter, beginnt an der Unschuld ihrer Tochter zu zweifeln und die bekennende Atheistin wendet sich an die Kirche. Man empfiehlt ihr Pater Damian Karras (Jason Miller), der seit dem Tod seiner Mutter in einer tiefen Glaubenskrise steckt. Nach mehrfachen Besuchen ist der Pater überzeugt, dass Regan nicht mehr Regan ist, dass ein bösartiges Wesen von dem unschuldigen Kind Besitz ergriffen hat und rät Chris McNeil zu einem Exorzistmus…

 

Exorzist (1)
Ein Film, der Filmgeschichte schrieb. Ein Film, der uns seit 40 Jahren immer noch kalte Schauer über den Rücken jagt und ein Film, der viele Bewunderer und Nachahmer, auch in jüngster Zeit, gefunden hat. Eine beinahe simple Geschichte, aber Regisseur William Friedkin hat hier ein Meisterstück hingelegt mit seiner Inszenierung nach dem Roman von William Peter Blatty. Ein Spannungsaufbau nach Lehrbuch, Dramatisierung der Geschichte und inhaltliche Aussage sind perfekt.

Exorzist (2)Wir werden ganz behutsam an den Film herangeführt, mit den Charakteren bekannt gemacht, genießen die einfache Schönheit der irakischen Wüste. Man ahnt nicht, was auf einen zukommen wird. Jedenfalls keine Horrorgeschichte. So wirkt es zuerst auch nicht. Fast schon ist es ein Drama. Wir erleben den Schrecken der jungen Mutter dann aber mit, als das süße, nette Kind, Tochter Regan, sich grundlegend verändert. Und wir durchleben die grausigen Minuten, die Pater Karras mit seinem Kollegen und Mentor Merrin in dem Kinderzimmer verbringt. Minuten, die sich scheinbar zu Stunden ziehen, wenn die beiden ihre Mantren herunterbeten und dem lachenden Dämon immer wieder Weihwasser ins Gesicht spritzen.
Dass der Film Aufsehen erregte, war vorprogrammiert. Die Kirche tobte. Dabei hätten sie sich auch freuen können. Denn wenn DER EXORZIST eine Frage aufbrachte, dann diese: “Gibt es einen Teufel? Und wenn ja, muss es doch einen Gott geben!?
Besondern geschickt entschied man sich die Mutter als Atheistin zu schreiben und Pater Karras in eine Glaubenskrise zu stecken. Die beiden unsicheren Charaktere waren wie geschafften, um die Frage um das ob einer höheren Macht herauszukristallisieren.

 

eileen dietz

Die immer wieder für Sekunden eingeblendete Teufelsfratze gehörte Double Eileen Dietz

Aber nicht nur in moralischer Hinsicht gab es Spekulationen. Man denke an die junge Linda Blair, die das dämonische Kind verkörpern sollte, die nicht nur einmal sexuelle Obszönitäten von sich gab, sondern auch deutliche Bewegungen, wie Masturbation mit einem Kruzifix, vollzog. Zum Schutze der jungen Schauspielerin entschied man sich, gerade für die härtesten Szenen der Besessenheit, ein Double einzusetzen:  Eileen Dietz, die vor allem für die berühmtesten Szenen verantwortlich ist. Eine Tatsache, die nachträglich für viel Furore sorgte. Dietz Gesicht ist außerdem oft in den kurzen Augenblicken zu sehen, in denen die Dämonenfratze schon vor dem Ausbruch der Besessenheit eingeblendet wird. “Blink and you’ll miss it – Zwinkere und du verpasst es” – damit wurde damals geworben. Ob auf der Dunstabzugshaube in der Küche oder wenn Karras Mutter aus der U-Bahn steigt.

Auch wenn Blair für viele Szenen gedoubelt wurde, was das damals sehr junge Mädchen an schauspielerischer Leistung erbrachte, ist unglaublich. Zu erwähnen sei außerdem auch Jason Miller als Damian Karras, der für DER EXORZIST das erste mal vor Kamera stand und als innerlich zerrissender Pater mehr als überzeugend spielte.

 

exorzist _ der anfangNachfolger gab es, wie bei jedem erfolgreichen Film, natürlich auch. Ob DER EXORZIST II – DER KETZER aus dem Jahr 1977, DER EXORZIST III von 1990 oder auch das Prequel EXORZIST: DER ANFANG mit Stellan Skåsgard (AVENGERS) aus 2004 – keiner reichte aber nur ansatzweise an das Original heran.
Erwähnenswert sei hier nur die Extended Edition aus dem Jahr 2001, die sogar in den Kinos lief. 10 Minuten immerhin fehlten zu der beeindruckenden Fassung, die wir heute genießen dürfen. Und da der Film dieses Jahr 40 Jahre als wird, bekam er sogar eine tolle Jubiläums-BluRay.

 

 

Auch wenn wir in der heutigen Zeit schon eines gewohnt sind, Blut, Gedärme, Dämonen und Geister, können wir uns vorstellen, dass bei der Uraufführung Leute würgend aus dem Kinosaal rannten und eine Frau eine Fehlgeburt erlitt. Legenden, die vielleicht nur die Werbetrommel rühren sollten, aber wenn man den Film sieht, möchte und kann man es fast glauben.

 

Der Exorzist (1973), 10.0 out of 10 based on 1 rating

Ähnliche Beiträge:

Geschrieben von Rinn Gomory | Classic - Reviews, Reviews (Filme)

Schreibe ein Kommentar