cover

Cottage Country (2013)

: Tyler Labine, Malin Akerman, Lucy Punch, Daniel Petronijevic, Benjamin Ayres, Sabrina Grdevich
: Peter Wellington
: Jeremy Boxen
: 91 Minuten (Uncut)
: 16
: 29.11.2013
: Capelight Pictures
: Kanada
Unsere Wertung
6.0
VN:F [1.9.22_1171]
User Score:
3 votes
6.7

Cottage Country (2013)

vlcsnap-2013-11-22-20h48m00s253Kanada’s düstere Ecke ist nicht zuletzt durch Outputs wie Evil Words, 7 Days, Ginger Snaps oder Prom Night bekannt für interessante Kontraste zum überladenen Markt der südlicheren Nachbarn aus den USA. Der bisher überwiegend als TV-Director agierende Kanadier Peter Wellington orientiert sich mit seinem ersten Langspieler seit über 5 Jahren grob am recht erfolgreichen Tucker & Dale vs Evil – einen der Hauptakteure, Tyler Labine, hat er auch gleich mit ins Boot geholt. Das Werk ins Horror-Korsett zu zwängen, gestaltet sich jedoch schwierig, größtenteils handelt es sich hier eher um eine schwarze Komödie mit sarkastischem Unterton und einigen Horror-Elementen.

In einem Cottage an einem der zahlreichen Seen des Landes finden sich zum Wochenende die beiden spießigen Yuppies Todd (Labine) und Cammie (Malin Akerman) ein, um sich vom Alltagsstress zu erholen. Außerdem ist es bereits beschlossene Sache, dass “Toodles” seinem “Cuddlebum” einen Antrag auf einer Insel unweit des Seeufers machen soll, sogar den Ring hat sich Cammie bereits ausgesucht und auch sonst ist jedes Detail durchgeplant.
Erfrischung der anderen Art verschafft dem Paar dann Todd’s chaotischer Bruder Salinger (Daniel Petronijevic), der mitsamt seiner traumatisierten, spiritistisch veranlagten Schlampenfreundin Masha (Lucy Punch) ebenfalls die Hütte mieten möchte, um eine Party zu schmeißen. Salinger, (Über-)Lebenskünstler und Tagelöhner, bildet den genauen Gegenentwurf zu seinem verantwortungsbewussten, gefestigten und langweiligen Bruder. Dementsprechend ist der Ärger vorprogrammiert, als sich Cammie mit Masha in den Wald verzieht und ihren baldigen Gatten beschwört, endlich den saufenden, rauchenden Penner aus der Hütte zu verbannen.

vlcsnap-2013-11-22-20h49m14s205Natürlich kommt es unter den ungleichen Brüdern nicht zu einer sachlichen Aussprache, sondern einem slapstick-artigen Handgemenge, das letztendlich ein anderes Ende findet, als wohl noch in der Kindheit. Denn blind vor Wut wächst der sonst so besonnene Todd über sich hinaus und perforiert seines Bruders Halsschlagader mit der Axt. Nachdem er sich erst einmal seines Frühstücks entledigt hat, ist guter Rat teuer und letztendlich muss er sich wieder einmal an seine Freundin wenden, um sich aus der Scheiße zu ziehen. Wider Erwarten ist Cammie aufgrund der Abwesenheit des nervigen Bastards gleich Feuer und Flamme und schmiedet bereits einen Plan, wie man sich der Leiche entledigen kann und die potenzielle Zeugin Masha auch gleich noch mit um die Ecke bringt. Dies ist jedoch nur der Anfang einer Belastungsprobe für die Beziehung der beiden Slacker und dann ist da noch der unscheinbare Jude Dov (Benjamin Ayres), der ebenso viel Aufmerksamkeit möchte wie der mysteriöse Waldschrat mit der Waschbärmütze …

Anders als noch bspsw. der bereits genannte Tucker & Dale vs Evil weiß Cottage Country nicht genau, was er sein will. Für eine schwarze Komödie sind die Widerlichkeiten, über die man trotzdem einfach nur lachen muss, zu rar gesät, ebenso verhält es sich mit den brutalen Kills – es gibt derer ganze 5 und allein 2 davon sieht man bereits im ersten Drittel des Films, so fällt der Killing-Joke auch weg. All das wäre kein Problem, man muss schließlich nicht krampfhaft in Schubladen stopfen. Doch genau aus diesem Grund ist es schwer, sich als Zuschauer auf ein Grundkonzept einzulassen. Denn es wird gesprungen von Tragikomik zu Ernsthaftigkeit, zu unnötigen Längen, kurzen Ansätzen morbider Sauereien, dann wieder hin zum Ehe-Drama.
vlcsnap-2013-11-22-20h50m17s72Schon allein wenn man angesichts der 16er-Freigabe der doch überwiegend knüppelhart agierenden “Freunde” der FSK die wie schon erwähnt eher raren, doch trotzdem recht brutalen Gore-Szenen betrachtet, fällt auf, dass auch hier scheinbar aufgrund des angedachten sarkastischen Grundtenors nicht wie bspsw. in einem Slasher das Schlachten im Vordergrund stand. Positiv fällt an dieser Stelle auf jeden Fall auf, dass nicht mit der bei vielen Maniacs verhassten CGI-Technik gearbeitet wurde, sondern alles aus Handarbeit stammt.
Aufgelockert wird das Ganze dann von einer Handvoll ganz netter Twist, die unter anderem eine Verfolgunsjagd beinhalten und dem doch würdigen Ende eines ambitioniert inszenierten “Horror”-Trips zweier Normalos, die sich stellenweise einfach zu routiniert durch eine ihnen normalerweise völlig fremde und bizarre Situation manövrieren, dabei kann man in Kanada nicht einmal amerikanisches TV empfangen …

Tyler Labine als Todd Chipowski weiß als Hauptcharakter auch am ehesten zu überzeugen, sind trottelige Fettwänste allerspätestens seit Zach Galifianakis (u.a. Hangover-Trilogie) eh salonfähige Publikumsmagnete geworden. So erinnert er kotzenderweise in der Szene nach dem Mord an seinem Bruder Kenner der Serie an den sympathischen Dummbatz Peter Griffin aus Family Guy. Allgemein besteht die Hauptaufgabe der Figur darin, die Sympathien zu gewinnen und Mitleid für den Gesamtzustand, in der sie sich befindet, zu erhaschen.

vlcsnap-2013-11-22-20h50m41s99Seine Filmfrau, die schwedischstämmige Malin Akerman aka Cammie wurde hingegen so konzipiert, dass man, wie sich im späteren Verlauf heraus kristallisiert, Todd’s schlechtere Hälfte vor sich hat. Die Frau, die jedes Detail durchplanen muss und letztendlich genauso wie ihr Freund scheitert, der am Ende nur der sog. “Tittenbonus” bleibt. In meinen Augen hätte eine Transformation zur rachsüchtigen Psychopathin nicht geschadet, zumindest eine gewisse (sexuell motivierte?) Lust am Töten wäre dem Charakter zuträglich gewesen, um ihm zu noch mehr Tiefe verhelfen zu können.
Die Rolle des Vaters der Brüder, Earl (Kenneth Welsh), hätte meiner Meinung nach weiter ausgebaut werden dürfen, dies wäre bei Weitem eine Bereicherung für die komische Komponente gewesen.

In der Summe bekommt man hier einen interessanten und überwiegend kurzweiligen Genre-Mix präsentiert, der – zumindest hierzulande – auch gleich einen Verweis auf das Label Capelight Pictures bildet, welches häufig erfrischend anderes Material von den ausländischen Märkten adaptiert. Die deutsche Bluray erscheint ungeschnitten am 29. November exklusiv über eben diesen Vertrieb.

 

 

 

Cottage Country (2013), 6.7 out of 10 based on 3 ratings

Ähnliche Beiträge:

Geschrieben von Autor | Reviews (Filme)

2 Kommentare

  1. MacDuff (das Bier)
    31 Dez 2013, 5:40 pm

    Als ich den Film gesehen habe, hatte ich aufgrund dieser Rezension etwas anderes erwartet. Zwar handelt es sich um einen leichten Zeitvertreib, der durch seinen Zynismus den Zuschauer vermehrt böse schmunzeln lässt, doch habe ich mich an Filme wie “Tucker and Dale vs Evil” nur durch das Setting und offensichtlich durch den Hauptdarsteller erinnert gefühlt. Die einzige inhaltliche Gemeinsamkeit ist, dass es “Killing-Jokes” gibt. Diese geschehen aber auf sehr unterschiedliche Weise. So ist der gesamte Film durchzogen von begleitenden Anspielungen auf Shakespeares Drama “Macbeth”.
    Dies wird an diversen Stellen recht deutlich, wie etwa der Charakterkonstellation zwischen beiden Hauptrollen: Sie ist nicht einfach nur der “Tittenbonus”, sondern die treibende Kraft hinter den weiteren Morden, welche sich durch ihren kühlen und berechnenden Charakter auszeichnet. Er ist nach dem Mord an seinem Bruder geplagt von Schuldgefühlen. Dies entspricht genau der Konstellation zwischen Macbeth und Lady Macbeth. So gesehen wäre es auch fehl am Platze gewesen, dieser Frau zum Beispiel eine Lust am Töten zu unterstellen, da sie gerade alle Emotionen zu Gunsten ihrer Pläne aufgibt (dies hat womöglich mehr Tiefe, als ihr eine Lust am Töten zu unterstellen).
    Eine weitere offensichtliche Anspielung liegt in den Szenen, in denen die beiden Charaktere Wahnvorstellungen zeigen.
    ACHTUNG SPOILER: So sind die Szenen, in denen er seinen toten Bruder auf der Party sieht, bereits eine recht offensichtliche Anspielung auf die Szene in Macbeth, in der diesem auf einem Bankett sein ermordeter Freund Banquot erscheint. Die Szene, in der sie schlafwandelnd den Mord seiner Mutter beichtet, beinhaltet sogar fast ein wortwörtliches Macbeth Zitat (so etwas wie: “…how could he have so much blood in him..”).
    /SPOILER ENDE
    Berücksichtigt man diese Anspielungen nicht, so übersieht man leicht einen roten Faden, der die gesamte Geschichte durchzieht und ohne den der Film tatsächlich so sprunghaft wirkt, wie oben beschrieben wurde. Natürlich handelt es sich nicht eigentlich um eine Adaption des Shakespearschen Dramas, weshalb diese Anspielungen übersehen werden könnten.

    Insgesamt stimme ich der Rezension zu, dass es sich um einen kurzweiligen Film handelt, dem es allerdings nicht geschadet hätte, beispielsweise die Rolle der Eltern weiter auszubauen, zumal die Schauspieler ihre Rollen wirklich gut gespielt haben.
    Ich würde dem Film aufgrund des bisher Gesagten daher zumindest Aufwertung zur 7.5 geben.

    (Im Übrigen: Ich halte es für sehrrrrrr fragwürdig, Peter Griffin aus “Family Guy” als sympathisch zu beschreiben… Allein, wie er mit Meg umgeht… Aber das nur am Rande…)

  2. Colemarie
    22 Jun 2014, 11:42 am

    Lange nicht so gut wie Tucker vs. Dayle aber ne nette Abwechslung zum normalen Abendprogramm.
    Ich denke 6 Sterne sind gerechtfertigt, von den Socken hat er mich jetzt nicht gehauen und so oft, konnte ich dann doch nicht lachen…

Schreibe ein Kommentar