Chernobyl Diaries (5)

Chernobyl Diaries (2012)

Darsteller: Jesse McCartney, Jonathan Sadowski, Olivia Dudley
Regie: Bradley Parker
Drehbuch: Oren Peli
Länge: 86 min
FSK: ab 16
Veröffentlichung: 21.06.2012 (Kino)
Verleih/Vertrieb: Paramount Pictures
Land: USA
Unsere Wertung
7.5
VN:F [1.9.22_1171]
User Score:
13 votes
6.5

Extrem-Tourismus ist ein Begriff, der in der Realität Nervenkitzel verspricht und sich dementsprechend auch als Rahmensituation für einen Horrorfilm bestens eignet.
Egal, ob illegale Klettersteige (HIGH LANE), rasante Bootsfahrten (BEIM STERBEN IST JEDER DER ERSTE), Wanderungen durch Katakomben (URBAN EXPLORER) oder natürlich Höhlentouren (THE DESCENT). Es scheint als wäre kein Ort zu extrem und einer der extremsten Orte ist sicher Tschernobyl, ein Platz der wie wenige andere quasi über Nacht zu trauriger Berühmtheit gelangte und seither für eine enorme Katastrophe steht. Ein Ort auch, dem man seither aufgrund der atomaren Strahlung nicht zu nahe kommen möchte.
Seit einiger Zeit gibt es aber tatsächlich Touren, die nach Tschernobyl bzw. der angrenzenden Stadt Prypjat führen, die 1986 in aller Windeseile evakuiert wurde.

Dort setzt auch CHERNOBYL DIARIES an, wo 6 Reisende in Kiew bei Ex-Soldat und Reiseführer Uri einen Ausflug nach Prypjat buchen.
Als man ihnen von offizieller Seite die Zufahrt verweigert, kennt Uri einen Schleichweg und bringt seine Schützlinge für einen kurzen Ausflug an einen Ort der völligen Verlassenheit, wo nur ein paar verwilderte Tiere leben und sich ansonsten die Natur ihren Anteil zurückgeholt hat.
Doch dann muss die Gruppe feststellen, dass Prypjat doch nicht so verwaist ist, wie es den Anschein macht.

Tschernobyl/Prybjat sorgt für Stimmung. Auch wenn Zocker von Computerspielen die Stadt inzwischen schon aus S.T.A.L.K.E.R oder einer Episode von CALL OF DUTY 4 kennen, ist die Location in filmischer Hinsicht unverbraucht und weckt sofort ein Gefühl der Trostlosigkeit. Daher macht es auch nichts, dass CHERNOBYL DIARIES zunächst auch für den Zuschauer kaum mehr ist, als ein interessanter Reisebericht. Was anfangs Unwohlsein verursacht, ist die Nähe zu einem strahlenden Reaktorblock, den man schnellstmöglich wieder im Rückspiegel sehen möchte.
Erst nach und nach häufen sich die Verdachtsmomente, dass dort noch eine greifbarere Gefahr lauern könnte.

Oren Peli, der Schöpfer von PARANORMAL ACTIVITY, führte hier zwar nicht Regie, zeigt sich aber für Produktion und Drehbuch verantwortlich und obwohl zwischen den beiden Filmen inhaltliche Welten liegen, lassen sich andererseits Parallelen nicht verbergen. So ist CHERNOBYL DIARIES eigentlich kein Found Footage Film, nutzt aber eine wacklige Kamera und grobe Schnitte und scheut auch nicht davor zurück doch eine Szene in Ego-Perspektive unterzubringen. Auch sonst ist die Kamera immer nah an den Protagonisten und wirft uns als Betrachter mit ins Geschehen.
Der ruhige, aber stetig die Daumenschrauben anziehende Aufbau erinnert ebenfalls an PARANORMAL ACTIVITY und in beiden Fällen geizt Peli damit zu früh zu viel zu zeigen. Auch wenn CHERNOBYL DIARIES physischer ist und auch mal ein paar hässliche Verletzungen ins Bild hält, steht die Spannung im Vordergrund, die eigentliche Bedrohung sehen wir hingegen stets nur so kurz, dass die Fantasie weiterarbeiten kann.

Andererseits muss man aber auch sagen, dass hier nichts grundlegend Neues geboten wird. Neben oben genannten Extrem-Tourismus Filmen bietet sich als Vergleich eine Reihe Backwood-Streifen, aufgrund der atomaren Basis aber wohl vor allem THE HILLS HAVE EYES an.
Was die personelle Besetzung angeht überzeugt Guide Uri von Anfang an (auch sein heruntergekommenes Büro und sein rostiger Van wirken authentisch), für die Gruppenmitglieder gilt das nur teilweise, da man es neben einem glaubwürdigen Backpacker-Pärchen mit einigen US-Touris zu tun hat, die schon in Sachen Kleidung etwas fehl am Platze wirken. Dieser Eindruck verwächst sich aber zunehmend und das Verhalten der Personen in kritischen Situationen ist vergleichsweise nachvollziehbar.

Dass das ein oder andere Klischee bedient wird, ist kaum zu vermeiden, dennoch ist CHERNOBYL DIARIES straff inszeniert und nicht einfallslos, vor allem aber nie langweilig.
Vermutlich wird der Film aufgrund bekannter Grundelemente eine recht geringe Halbwertszeit haben, für knapp 90 effektive Kinominuten und den einen oder anderen Scarejump reicht er aber definitiv.

Chernobyl Diaries (2012), 6.5 out of 10 based on 13 ratings

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Geschrieben von Mick | 16 Jun 2012 | Reviews (Filme)

5 Kommentare

  1. Presse
    18 Jun 2012, 11:56 pm

    Gesehen, wo?

  2. Affenpapa
    16 Jul 2012, 1:13 pm

    Chernobyl Diaries erdindet das Rad zwar nicht neu ist aber richtig gut geworden. Für Horrorfilm Veteranen kommt er zwar wie ein 08/15 Film rüber aber alle anderen erhalten einen Atmosphärischen und guten Nervenkitzel. Es erwarten einen keine Plumpen schocker sondern Szenen wo man manchmal selber weglaufen möchte. Jedoch ist der wiedersehens Wert nicht so hoch den der Film besitzt leider keine erhofften Storywendungen die gut in das Konzept hineingepasst hätten. Kaufenswert ist der Film aber dennoch da man ihn gut mit Freunden zusammen sehen kann da der Fokus des Films mehr auf gute Schocker und Angstmomente setzt denn auf Literweise Blut und Splatter.

  3. Anonymus
    26 Jul 2012, 2:10 pm

    Ein sehr toller Film.
    Ich finde, das es nicht immer der gleiche Müll ist, was sonst so läuft – hätte nicht gedacht, das der so toll ist.

    Natürlich muss man sich auf Filme einlassen, um sie zu mögen …

    Meine Freundin fand ihn etwas zu extrem für die Alterseinstufung, ab 16 Jahren.

  4. Alex
    23 Sep 2012, 4:00 am

    Bin echt enttäuscht.

    Der Film startete richtig gut und lief auch so weiter, mit Spannung und einigen Schockeffekten und man konnte nix vorhersehen, jedoch ab 3/4tel des Filmes wo die Nacht anbrach war es richtig mies, man konnte fast nur noch Geräusche erkennen und das ist der größte Fail den man machen kann.

    Fazit 8/10

    Story 9/10
    Schockeffekte 6/10
    Schauspieler 10/10
    Spannung 8/10

  5. Reno van der Traun
    16 Okt 2012, 3:09 am

    Kann nur sagen – 1 A “reality” horror streifen !!!
    Hab schon verdammt viele Filme in diesem Horror Genre gesehen, aber 08/15 ist echt ganz was anderes, wie “affenpapa” oben schrieb, gg.

    Wieder mal ein streifen richtig zum reinsteigern, ganz besonders in HD ! :D
    geile szenen – geile storry !

    Eine mischung aus “Blair witch project”, “silent hill” und ein hauch von “the hills have eyes” gg

    Schwer zu empfehlen für fans der eben genannten filme und dergleichen !

    von mir 9 von 10, für den letzten punkt fehlt vl noch ein besserer soundtrack….und noch ein quentchen mehr spannung. Gutes Beispiel zwecks soundtrack: Resident Evil: Afterlife – der soundtrack macht den film um 2 punkte besser als er ohnehin schon ist, einer der besten teile bisher !

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