Amer

Amer (2009)

: Cassandra Forêt, Charlotte Eugène Guibeaud, Marie Bos
: Hélène Cattet, Bruno Forzani
: Hélène Cattet, Bruno Forzani
: ca. 87 min
: ab 16
: 02.03.2012 (DVD+BD)
: Koch Media
: Frankreich, Belgien
Unsere Wertung
5.5
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8.0

Amer (2009)

Wir sind spät dran mit unserer Kritik an AMER. Immerhin lief der Film schon vor 2 Jahren auf dem Fantasy Filmfest und erschien im März fürs Heimkino. Grund der Verspätung ist ein gewisses Zögern des Verfassers dieser Zeilen, der Zweifel hatte, ob der Film das ist, worüber wir hier sprechen wollen. Nachdem der Streifen etwas zufällig doch noch den Weg in den heimischen Disc-Player fand, lässt sich festhalten, dass die Zweifel nicht verflogen sind, sondern sich nur verschoben haben.

AMER teilt sich in drei Episoden und erzählt die Geschichte einer Frau namens Ana, die einmal als Kind, einmal als Teenager und zuletzt als Erwachsene gezeigt wird.
In der ersten Episode erleben wir sie als Mädchen, das in einem dunklen Elternhaus aufwächst. Der Großvater ist gerade verstorben, sie ertappt die Eltern beim Sex und eine dunkle Gestalt hat es auf sie abgesehen.
Dieser Teil des Films tritt einerseits als klassische Gruselgeschichte auf, ist aber voller surrealer alptraumhafter Anteile, die durchaus für Stimmung sorgen, aber dem Betrachter das Verstehen des Gesehenen erschweren.

Die Episode der heranwachsenden Ana ist zwar voller hocherotischer Andeutungen, ist aber letztlich kaum mehr als ein Ausflug der Lolita mit ihrer Mutter. Mit Spannung oder gar Horror hat dieser Teil so viel zu tun wie die sonnenverwöhnte südfranzösische Küstengegend, die hier als Schauplatz dient.
Männliche Zuschauer sollten aber womöglich kalt duschen, bevor es weitergeht.

Im letzten Abschnitt kehrt die nun erwachsene Ana in das Haus ihrer Kindheit zurück. Dort trifft sie nicht nur auf erneut auf das Schreckgespenst ihrer Kindertage, sondern muss sich auch mit einem Mörder auseinandersetzen.
Dieses letzte Kapitel  zeigt wohl am deutlichsten, wie sehr die Regisseure Hélène Cattet und Bruno Forzani von den Giallo-Filmen eines Mario Bava oder Dario Argentos angetan sind. Dass AMER eine Verbeugung vor diesem Genre im Speziellen und französischen/italienischen Filmen der 60er/70er im Allgemeinen sind, versuchen sie weder im Film noch in Interviews nie zu verbergen. So finden sich hier typische Kameraeinstellungen, Farben und Klangspiele wieder und eine gewisse Affinität für diese Art Film sollte der geneigte Betrachter mitbringen.

Die Akustik beschränkt sich im Übrigen fast ausschließlich auf Musik und Geräusche, gesprochen wird in AMER so gut wie gar nicht.
Auch das ist Indiz dafür, dass das Regie-Duo nie vorhatte einen leichten Film zu drehen. AMER liefert tolle Bilder, eine Atmosphäre, die zwischen Angst und latenter Wolllust schwankt und den Einsatz eines Rasiermessers, der jedem Horrorfan Freudentränen in die Augen treibt, doch gleichzeitig ist der Film as Arthouse as it gets und teilweise einfach nur anstrengend.

Die Zweifel, die nach wie vor bestehen, liegen in der Frage wie viele Punkte man hier vergibt (selbst wenn man das zweite Kapitel einmal völlig außer Acht lässt).
Sollte der Film einen tieferen Sinn haben, ist er mir entgangen, aber man hat den Eindruck, dass die Macher alles dort haben, wo sie es haben wollten. Lässt man einfach den Gesamteindruck auf sich wirken, ist AMER ein Kunstwerk und wird damit immer polarisieren.
Warnung und Empfehlung liegen hier entsprechend nahe beieinander.

Amer (2009), 8.0 out of 10 based on 2 ratings

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Geschrieben von Mick | Reviews (Filme)

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