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7 Days (2010)

: Claude Legault, Rémy Girard, Fanny Mallette, Martin Dubreuil, Pascale Delhaes, Rose-Marie Coallier
: Daniel Grou
: Patrick Senécal
: 106 Minuten (Uncut)
: 18
: 25.11.2011 (Uncut-Bluray)
: I-On New Media/Störkanal-Reihe
: Canada
Unsere Wertung
6.0
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7.2

7 Days (2010)

7777Es dürfte wohl der Alptraum schlechthin für jeden sein, der Nachwuchs gezeugt hat. Für den erfolgreichen Chirurgen Bruno Hamel (Claude Legault) und seine Frau Sylvie (Fanny Mallette) wird es bittere Realität. Ein Kind geht allein durch den sicheren, den vermeintlich Priveligierten vorenthaltenen Vorort, in der Hand Einladungskarten für die Mitschüler zur baldigen Geburtstagsparty, in wenigen Tagen wird das Mädchen 9. Doch die kleine, “reizend” gekleidete Jasmine Hamel (Rose-Marie Coallier) wird nie wieder nach Hause zurückkehren. Auf ihrem Weg trifft sie auf den schwer gestörten Anthony Lemaire (Martin Dubreuil), der sie zuerst brutal vergewaltigt und anschließend, um nicht gefasst und bestraft zu werden, auch noch ermordet.

Der Arzt und seine Frau sind außer sich vor Trauer, der Vater war sogar beim Leichenfund dabei und versank beim Anblick seiner toten Tochter in ein schwarzes Loch vollkommener Leere. Da tröstet es auch nicht wirklich, als der leitende Ermittler, Detective-Sergeant Mercure (Rémy Girard), schon in kürzester Zeit den Täter überführen, einsperren und vor Gericht stellen kann. Von Schuldgefühlen geplagt, weil er der Nachtschicht wegen schlafen gehen musste und sein Kind trotz dessen Nachfrage nicht begleitet hatte, stürzt sich Bruno schon kurz darauf wieder in Arbeit, während seine Frau an der Trauer und ihrer Lethargie zu zerbrechen droht, die Sehnsucht nach Jasmine sowie die Spannungen zwischen ihr und Bruno lassen Sylvie nicht mehr ruhen.

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Doch Bruno täuscht nur vor, wieder ins Krankenhaus zu gehen. Denn längst hat der fürsorgliche Vater seinen ganz eigenen Plan geschmiedet, um mit dem herben Verlust fertig zu werden. Mithilfe zweier zwielichtiger Gestalten präpariert er eine geräumige Hütte an einem See so, dass diese ihm als Folterstätte dienen kann. Denn der von Gram zerfressene Doktor Hamel steht kurz davor, den Peiniger seiner Jasmine in seine Gewalt zu bringen und diesen 7 Tage unsagbar leiden zu lassen. Am siebten Tage hätte seine Tochter Geburtstag gehabt, am siebten Tage soll der Mörder sterben …

Da das Rape-and-Revenge-Thema bzw. die Torture-Porn-Sparte hauptsächlich aus Reihen der US-Amerikaner und Franzosen bedient wird, ist es umso erfreulicher, hier mit 7 Days einmal ein Werk der doch um einiges nüchterner zu Werke gehenden Kanadier zu sichten. In typisch kanadisch anmutenden, TV-artigen Bildern, produziert mit angenehm wenigen hektischen Schnitten und ohne großartige Effekthascherei, bekommt man hier ein ambitioniertes Projekt des bisher beinahe ausnahmslos für Fernsehproduktionen tätig gewesenen Regisseurs Daniel Grou serviert. Ein Budget von ca. 3,5 Mio. Kanadischen Dollarn spricht nicht unbedingt für eine High-End-Produktion, doch an den für den Film prägnanten Stellen erkennt man auf jeden Fall, dass das Geld gut angelegt wurde.

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Eine unbedingt innovative oder gar neuartige Story erzählt Autor Patrick Senécal, auf dessen Buch das Ganze basiert, zwar nicht, jedoch orientiert man sich bei der filmischen Umsetzung trotz allem deutlich sichtbar an den großen Vorbildern, ohne dabei jedoch massiv abzukupfern oder den etwas muffigen Charme, den kanadische Produktionen so versprühen, in den Hintergrund zu drängen. Da ich das Buch nicht gelesen habe, kann ich dazu nichts sagen, es sei aber realistisch zu behaupten, es wäre um Längen ausführlicher als der Film. An sich kein Beinbruch und auch nicht weiter verwunderlich, jedoch spart die digitale Version von Les 7 jours du talion genau an den falschen Stellen mit näheren Ausführungen. Zu viele für den Handlungsverlauf wichtige Details werden komplett ausgeblendet oder nur kurz angeschnitten.

So bekommt man beispeilsweise kein wirkliches Gefühl für die wahre Trauer der Eltern, ihre qualvollen Stunden, Tage und Nächte in der Gewissheit um den Tod ihres Kindes. Dass sich das Werk nicht als Crime-Drama versteht, wird recht schnell klar und zu viel Pathos schadet Streifen mit einem gewissen anderen Ziel sowieso, jedoch wäre es trotz allem für die emotionale Verbindung mit den Hauptakteuren und als Vorbereitung auf die Haupthandlung auf alle Fälle ratsam gewesen, dies noch weiter zu beleuchten. Vor allem Mutter Sylvie rückt schon recht früh total in den Hintergrund, man wird sich bewusst, dass sich auf Bruno und Anthony als Zentrum konzentriert wird. Da fällt es dann schon ins Gewicht, wenn dem verdammt steif verkörperten Polizisten Mercure die Rolle des Nebenparts zugeschoben wird. Ein Bulle, der neben seinem Job ein Dasein in der Einsamkeit fristet, weil seine Frau vor einem Jahr bei einem Raubüberfall erschossen wurde. Die Daseinsberechtigung dieses Charakters erschloss sich mir jedenfalls bis zum Ende hin nicht, da das Schicksal des Cops auch nur minimal wichtig war für den weiteren Verlauf und er zudem ein verweichlichter Waschlappen ohne Schneid zu sein scheint.

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Widmen wir uns nun dem Hauptthema: Folter. Der geneigte Horrorfan hat schon so einiges an visueller Brutalität in seinem Leben gesehen, manche wollen immer mehr. Gorehounds sei versichert, dass es einige nette Gewaltszenen gibt und die Kamera auch immer feste drauf hält. Es werden jedoch keine Grenzen überschritten, was der Sache jedoch nicht wirklich einen Abbruch tut. Allein die OP-Szene ließ in ihrer Machart Hoffnung auf weitere, diabolische Ideen aufkeimen und alles in allem versprühen die Racheszenen in ihrer kalten Machart ein sehr destruktives Gefühl. Allein der Anblick des geschändeten Kindes dürfte auf jeden Fall Zuschauern mit schwachem Magen ein unwohles Rumoren in eben diesem bescheren.

Der als total überforderter, immer mehr außer Selbstkontrolle geratender Racheengel stilisierte Bruno wird ordentlich von Claude Legault dargestellt. Dass er offenbar schon länger ein nervöses, unausgeglichenes Wrack ist, erschließt sich einem allerdings nur bei nährerer Betrachtung seiner Handlungsweisen und dem offensichtlichen Alkoholproblem. Weiß er sich auch darum nicht besser zu helfen, als Gleiches mit Gleichem zu vergelten? Spaß oder gar Befriedigung scheint er jedenfalls nicht zu empfinden, was durchaus nicht uninteressant ist. Auf die Fragen einiger Journalisten antwortet er jedenfalls recht sinnfrei und auch seine Handlungen werden im weiteren Verlauf der 7 Tage, in denen nur er und der Mörder sich die jeweils Nächsten sind, immer riskanter und undurchdachter …

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7 Days ist ein netter, kleiner Revenge-Thriller mit angenehmem Gewaltgrad, der leider einige Aspekte vernachlässigt und weder anklagt noch eine großartige Message bereit hält. So nebenbei gibt es auch einige grobe (teils hanebüchene) Logikschnitzer, die der Leser, sofern er sich entschließt, den Streifen zu sichten, gerne selbst finden darf. Für einen beklemmenden, mit durchaus interessanten Ideen gefüllten Abend reicht der 105 Minuten lange Output, der ungeschnitten in deutscher Sprache vorliegt, auf jeden Fall. Leider bin ich des Französischen nicht mächtig und hatte keine englischsprachige Version zur Hand, die deutsche Synchronisation ist aber leider nicht auf Top-Niveau, möglicherweise waren aber auch einfach einige der Dialoge schlichtweg beschissen geschrieben oder eben übersetzt worden. Über die legendäre I-On New Media-Sparte Störkanal erschien 7 Days uncut auf DVD und Bluray.

 

7 Days (2010), 7.2 out of 10 based on 6 ratings

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Geschrieben von Autor | Reviews (Filme)

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