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28 Days Later (2002)

: Cillian Murphy, Naomie Harris, Brendan Gleeson, Megan Burns, Christopher Eccleston, Noah Huntley
: Danny Boyle
: Alex Garland
: 113 Minuten (Uncut)
: 18
: 1. Oktober 2010 (Doppel-Bluray mit 28 Weeks Later)
: 20th Century Fox
: Großbritannien
Unsere Wertung
9.0
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9 votes
8.0

28 Days Later (2002)

zzzzIm Jahre 2002 stand die Erde für einen Moment still. Denn der spätere Oscarpreisträger Danny Boyle nahm sich vor, das zu diesem Zeitpunkt auch schon nicht mehr taufrische Zombie- und Endzeit-Genre um seine eigenen, innovativen Ideen zu ergänzen! Nachdem Klassiker wie Dawn Of The Dead, Crazies oder Woodoo das bereits inoffiziell in den 30ern mit White Zombie begründete Subgenre massenwirksam in die Neuzeit portiert hatten, folgten Unmengen an Adaptionen, Remakes, Ausschlachtungen und billigen Kopien. Boyle, der bis dato bereits mit Perlen wie Shallow Grave oder Trainspotting international für Furore gesorgt hatte, zeigte hier bereits mit seinem fünften Langspieler, dass er es wie nur wenige beherrscht, zwischen den verschiedensten Filmarten zu springen und damit einzuschlagen! Einem Budget von gerade einmal 5 Millionen Britischen Pfund standen Einnahmen von über 80 Mio. US-Dollar gegenüber!

28 Days Later beginnt in einem Versuchslabor in England, in welchem Schimpansen zu Testzwecken Szenen gewalttätiger Ausschreitungen gezeigt werden. Parallel dazu sind sie alle mit einem hochgradig ansteckenden Virus namens Wut infiziert, dessen Wirkung sie in Verbindung mit all der Gewalt zu willenlosen Killern macht. Spontan fallen einem hier das damals grassierende SARS oder die Tollwut ein. Nachdem eine Gruppe Befreiungsaktivisten bei ihrem Versuch, die Tiere freizulassen, gescheitert ist, ist der Virus bereits auf die ersten menschlichen Opfer übergesprungen und so nimmt die Infektion rasant ihren Lauf …

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28 Tage später begleitet man den jungen Fahrradkurier Jim (Cillian Murphy), der aus dem Koma in einem Londoner Hospital erwacht, durch leere Gänge, verlassene Straßen und über Wahrzeichen der britischen Hauptstadt, die umgeben sind von Stille, dem leisen Rauschen der Themse und den Lauten einiger Seevögel. In den grandios inszenierten Szenen totaler verzweifelter Einsamkeit fühlt man sich rückversetzt in The Omega Man, in welchem Charlton Heston ebenso verloren und allein durch die Reste eines postapokalypstischen Los Angeles streift.

Dass irgendetwas die Menschheit ereilt haben muss, begreift auch Jim irgendwann, als er immer mehr Indizien für eine Evakuierung im Notstandsfall auffindet und schließlich sogar mit den ersten Untoten in Berührung kommt. Diese sind (bislang völlig untypisch) jedoch keine schlurfenden Grapscher, sondern brandgefährliche, mit Wut angesteckte Infizierte (das Wort Zombie fällt im gesamten Film kein einziges Mal) im Blutrausch. Zu allem Überfluss können diese auch in ihrer Raserei beachtliche Sprints hinlegen oder gar mannshohe Hindernisse überwinden. Später wird auch klar, dass nicht nur das Vereinigte Königreich ausradiert wurde, sondern die Infektion über die üblichen Wege wie Luft- und Wasserverkehr sogar schon den Nordamerikanischen Kontinent erreicht hat.

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Jim jedoch ist in seiner allgemeinen Verwirrung und Leere zu beschäftigt damit, sich an sein neues Leben zu gewöhnen, als dass er Zeit dazu fände, sich wie in anderen Vertretern mit möglichst vielen Waffen einzudecken und zu verbarrikadieren. Nach einigen Intermezzi mit den infizierten Horden findet er sich jedoch schließlich mit seiner Retterin, der ehemaligen Apothekerin Selena (Naomie Harris), in der Wohnung des Ex-Taxifahrers Frank (Brendan Gleeson) wieder, wo dieser mit seiner Tochter Hannah (Megan Burns) ausharrt. Per Radiosignal offenbart sich dann plötzlich eine Chance inform einer Militäreinrichtung im Norden, genauer gesagt in der Nähe von Manchester. Und so begeben sich die 4 im Taxi auf eine verhängnisvolle Reise …

28 Days Later macht vieles anders. Im Vordergrund des komplett mit DV-Kameras gefilmten Werkes steht nicht das möglichst brutale Schnetzeln der untoten Kreaturen, sondern eher der Kampf der Überlebenden untereinander, miteinander und gegendeinander. Was nicht heißen soll, dass das Werk blutarm oder gar handzahm inszeniert wäre, ganz im Gegenteil. In diesem Punkt orientiert sich der Film an zahlreichen anderen Beiträgen, die alle gemein haben, dass sich selbst im Zeichen einer Apokalypse das Herdentier Mensch zusammen rottet, nicht allein sein möchte. Es bilden sich Gruppierungen stärkerer und schwächerer Survivor, Parallelgesellschaften oder mächtige Killertrupps. Thematisiert wird vorrangig das Zurechtkommen völliger normaler Bürger, die weder Arsenale an Kriegsgerät besitzen, noch umfassend in der Kunst des brutalen Überlebens geschult sind. Doch was in ihnen allen noch aufkeimt, ist die Hoffnung, ein noch so kleiner Strohhalm, an den man sich in dieser Hölle auf Erden klammern könnte.

Es wird beispielsweise darauf eingegangen, dass der Homo sapiens ja trotz des Zusammenbruchs jeglicher Gesellschaftsstrukturen immer noch Hunger und Durst hat. Den Drang nach körperlicher Nähe verspürt, sich sexuell abreagieren muss, dreckig ist und stinkt, sich ablenken möchte. Jeder ist für sich selbst auf der Suche nach einem Sinn für das Fortführen der eigenen Existenz, ganz wie in der Zeit vor dem Exodus. So erkennt beispielsweise Selena ziemlich in der Mitte des Streifens, dass doch “mehr drin ist, als nur zu überleben“. Ferner wird sogar suggeriert, dass neben Waffengewalt vor allem Zusammenhalt und gar Liebe zwar kein Mittel gegen die Infektion, jedoch gegen die immer weitere Dezimierung der Menschheit darstellen. Als Seltenheit in Zombie-/Endzeitfilmen begreifen auch die Protagonisten von 28 Days Later im weiteren Verlauf, dass das Ende der Welt, wie man sie kennt, nicht gleich das Ende schlechthin bedeuten muss, sondern eher als zweite Chance wahrgenommen werden sollte. Schlicht, es anders zu machen als vorher, denn die destruktive Grundnatur des Menschen selbst ist ja verantwortlich für all das Leid, die Kriege und Epidemien, Seuchen und die Zerstörung.

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Atmosphärisch dicht und beklemmend in Szene gesetzt, wurde sich nach einem klasse Drehbuch von Autor Alex Garland darauf konzentriert, möglichst an Originalschauplätzen zu drehen. So ließ sich beispielsweise der Piccadilly Circus komplett menschenleer einfangen, hierfür wurden die ersten Minuten direkt nach dem Sonnenaufgang und vor Einsetzen der Londoner Rush-Hour genutzt. Die permanente Sperrung derart prägnanter Knotenpunkte wäre von Seiten der Stadtverwaltung nie und nimmer genehmigt worden. Angenehm fällt auch der Soundtrack von Genie John Murphy auf, der überwiegend aus Gitarrenarbeit besteht und teilweise sogar eine der Handlung entgegen gesetzte Stimmung verbreitet.

2007 wagte sich der Spanier Juan-Carlos Fresnadillo an den kompromisslosen Nachfolger 28 Weeks Later, der abermals in London spielt, diesmal jedoch beschützt durch US-Streitkräfte. Thematisiert wurden der Wiederaufbau und die Dekontaminationsarbeit, keiner der “alten” Charaktere tauchte hier wieder auf. In den letzten Jahren tauchten auch immer mal wieder mehr oder minder seriöse Infos und Clipschnipsel zum Abschluss einer von Boyle und Garland geplanten Trilogie namens 28 Months Later auf. Selbiger sollte in Russland spielen, zum aktuellen Zeitpunkt ist aber aufgrund von Streitereien zwischen Rechteinhabern die Möglichkeit, einen dritten Teil zu sehen zu bekommen, sehr unwahrscheinlich.

 

28 Days Later (2002), 8.0 out of 10 based on 9 ratings

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Geschrieben von Autor | Classic - Reviews, Reviews (Filme)

6 Kommentare

  1. WuRsTsaLaaT
    25 Aug 2013, 11:58 pm

    Ein Klassiker! n1! 🙂

  2. MrAnderson
    26 Aug 2013, 1:46 am

    Wenn man schon ein Review schreibt, sollte man doch zumindest wissen was für einen Film man gesehen hat. Der eigene in Klammern gesetzte Hinweis das im ganzen Film nicht einmal das Wort Zombie erwähnt wird weist schon auf den großen Schnitzer hin. Es gibt im Film nicht einen einzigen Zombie! Es handelt sich nicht um Untote, sondern um, mit dem Wut-Virus infizierte, Menschen! Am Ende sieht man die verhungernd auf der Straße liegen. Das ist auch der Grund warum England in 28 Weeks Later wieder besiedelt werden kann: Weil die ganzen INFIZIERTEN verhungert sind!

    Auch Crazies von George A. Romero, der Anfangs erwähnt wird ist KEIN Zombiefilm. Auch in dem Film handelt es sich um mit einem Wutvirus infizierte MENSCHEN.

    Übrigens noch ein kleiner Hinweis zu der erstaunten Erkenntnis dass im ganzen Film nicht einmal das Wort Zombie genannt wird(was in dem Fall ja auch so passt): In Romeros DEAD Quadrology wird das Wort Zombie auch nicht erwähnt, bis auf eine einzige Ausnahme im letzten Teil.

  3. MrAnderson
    26 Aug 2013, 1:57 am

    Ach so, noch eine Kleinigkeit. Das das Virus den Nordamerikanischen Kontinent erreicht hat war nur ein Gerücht und wurde im Film nicht bestätigt. Eigentlich ist es auch sehr unwahrscheinlich, dass das Wut-Virus über Luft und Seewege in andere Kontinente eingeschleppt werden kann, da die Krankheit in Sekunden ausbricht und kein Infizierter unbemerkt in ein Flugzeug oder Schiff kommen könnte. Gut, das wurde im zweiten Teil ad absurdum geführt, ändert aber nichts an der Tatsache das der Rest der Welt zu Beginn von 28 Weeks Later von dem Virus verschont war.

    Auch der Hinweis das 28 Days Later vieles anders macht, indem sich nicht auf das Geschnetzel, sondern auf den Menschen in Extremsituationen konzentriert wird ist eigentlich einfach nur merkwürdig. Es drängt sich mir der Gedanke auf, das der Rezensent bisher nicht einen Romero Zombiefilm gesehen hat. Bei seinen Filmen und eigentlich bei allen GUTEN Zombie und Infiziertenfilmen geht es IMMER um das Miteinander und Gegeneinander der Menschen. Die Zombies/Infizierten sind eigentlich nur eine zusätzliche Bedrohung, die die auf engsten Raum eingepferchten Überlebenden nur noch angespannter macht und damit auch zusätzlich für Reibereien und Zündstoff sorgt

  4. etienne
    26 Aug 2013, 11:43 am

    Super Soundtrack, v.a. “In the House, In a Heartbeat”.

  5. George
    11 Sep 2013, 7:59 am

    Toller Film, lausiges Review

  6. Ihateremakes
    13 Sep 2013, 5:30 pm

    Dann schreib doch ma ein besseres, George. 😉 Wer meckern kann, sollte auch selber was liefern können. Meckern kann jeder, schreiben nicht.

    Schöner Film, schönes Review, 8/10 Punkten für den Film!

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